1. Home
  2. Unternehmen
  3. Manor: Mit neuem Logo gegen den starken Franken

Umbruch 
Manor: Mit neuem Logo gegen den starken Franken

Alles deutet daraufhin, dass Manor bald im neuen Kleid erscheint: Der Konzern hat sich ein neues Design schützen lassen. Denn will Manor auch in Zukunft erfolgreich sein, muss es sich neu erfinden.

Von Christian Bütikofer und Marc Bürgi
05.04.2016, Aktualisiert am 06.04.2016

Die Manor-Warenhauskette ist mit 60 Prozent Marktanteil die klare Nummer 1 der Schweiz. Deren Besitzerfamilien Maus und Nordmann gehören zu den einflussreichsten Clans im Land – ihr Vermögen schätzt die «Bilanz» auf 3 bis 3,5 Milliarden Franken. Maus und Nordmann gelten als Musterbeispiel dafür, wie man ein Wirtschaftsimperium über Generationen aufbaut, vergrössert – und seit 1892 in der Familie hält.

Doch wollen Maus & Frères, so der Name der Dachholding, auch in Zukunft weiter erfolgreich sein, muss sich der Konzern neu erfinden. Massive Bestrebungen dazu sind seit Herbst 2015 im Gange. Nun hat der Konzern auch ein neues Corporate Design schützen lassen: Der Schriftzug und die Gestaltung der bekannten roten Wabe werden sich ändern. Manor registrierte dazu zwei Bildmarken (siehe Bildergalerie).

«Weicher, sanfter, weiblicher»

Am Sitz in Basel meinte eine Pressesprecherin, das Logo sei noch nicht definitiv, man würde noch Kunden befragen. Gleichwohl liess der Konzern keine anderen neuen Bildmarken registrieren. Alles deutet daraufhin, dass Manor bald im neuen Kleid erscheint.

 «Weicher, sanfter, weiblicher», so sieht Markenexperte Thomas Wolfram den künftigen Brand. Das Unternehmen habe die Marke sanft renoviert, diesen behutsamen Ansatz hätte der Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste auch gewählt: «Im Logo steckt ein Markenwert.» Die vereinfachte Darstellung liege im Trend, auch wenn der Auftritt für Wolfram an Markanz verliert: Das Vieleck, welches einer Bienenwabe glich, wird in ein Art Kleeblatt umgewandelt. Das Element wirke dadurch weniger selbstständig.

Umsatz stagniert seit 10 Jahren

Signifikanz allerdings kann Manor gebrauchen, die Unternehmensleitung muss handeln. Viele grenznahe Filialen gehören zur Gruppe, im Geschäftsjahr 2011 meldete der Konzern, dass Manor über 40 Prozent des Gesamtumsatzes in den Grenzregionen erzielt. Deshalb sind die Besitzer vom Einkaufstourismus besonders stark herausgefordert.  

Der starke Franken und damit verbunden die Einkaufstouristen wirken aber nur als Brandbeschleuniger eines grundlegenden Wandels. Die Leute kaufen immer mehr über das Internet ein, die Auswahl ist im Datenmeer grenzenlos, Warenhäuser braucht es dazu keine mehr. Während Kleiderhändler wie Amazon und Zalando Umsatz bolzen, müssen stationäre Händler sich immer mehr eingestehen: Nur im Web geht noch was. Wer im Online-Markt nicht massiv mitmischt, wird eher früher als später untergehen.

Die Zahlen sprechen für sich: 2005 erzielten 72 Manor-Warenhäuser einen Umsatz von 2,8 Milliarden Franken, was in der Schweiz einen Marktanteil von 55 Prozent bedeutete. Zehn Jahre später setzten die Einkaufstempel der Gruppe für sich zwar mehr um, gesamthaft schaute aber weniger raus: 64 Warenhäuser generierten 2015 einen Umsatz von 2,64 Milliarden Franken. In einem schrumpfenden Markt beherrschen Maus & Frères nun 60 Prozent.

Mozarella und Yoga

Ende 2011 hat Manor das erste Mal Stellen abgebaut. Als Grund gaben die Verantwortlichen schon damals den starken Franken und die «aktuelle Konsumentensituation» an. Letztes Jahr wurden erstmals auch am Hauptsitz in Basel massiv Arbeitsplätze gestrichen. Am Schluss standen 100 Personen ohne Arbeit da.

Die Besitzer der Manor Gruppe nehmen nun 500 Millionen Franken in die Hand für die «Strategie 2020». In den nächsten vier Jahren will Manor neue Filialen und Restaurants schaffen sowie mit Happenings wie Mozarella-Produktion im Kaufhaus oder Yogastunden mehr Leute in die Läden locken.

Ehrgeizige Online-Pläne

Im Fokus steht aber der Onlinehandel: Bis zu 10 Prozent des Gesamterlöses planen die Manor-Oberen übers Web einzukassieren. Das heisst: Käufe per Klick im Wert von 260 Millionen Franken sind das Ziel. Seit CEO Betrand Jungo Ende 2005 erst 40-jährig das Ruder bei Manor übernahm, hat die Kette bereits mehrere strategische Neuausrichtungen hinter sich. Der Freiburger, den Unterhaltungen mit notorischen Pessimisten langweilen, hält Bill Gates für einen der klügsten Köpfe der Gegenwart.

Spätestens ab 2011 blieb Jungos Faible für Informatik auch Aussenstehnden nicht mehr länger verborgen: Die Manor-Mutter Maus Frères SA sicherte sich die Mehrheit am Onlineshop Eboutic. Die Webseite ist eine Art Daydeal der Romandie im Warenhaus-Massstab. Der Bereich E-Commerce wurde ab dem 1. Februar 2012 als eigenständige Division geführt. In Basel enstand folgerichtig die eManor AG, die für Internetaktivitäten zuständig ist.

Anzeige