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Machtnetz von Rolf Soiron: Der Spätzünder

Mit 60 Jahren gehört Rolf Soiron nun definitiv zur Top-Liga der Schweizer Manager. Präsident von Holcim und Nobel Biocare ist er bereits. Am 11. April übernimmt er dieses Amt auch bei Lonza.

Von Albert Steck
22.03.2005

Dass Rolf Soiron dereinst bei dreiSchweizer Grosskonzernen gleichzeitig das Zepter führen würde, hätte er sich vor zwölf Jahren kaum erträumt. Knall auf Fall musste er damals, im März 1993, seinen Stuhl bei Sandoz räumen. Nach seinem beruflichen Einstieg 1972 hatte sich der promovierte Historiker im Konzern bis zum Pharmachef hochgearbeitet – sein dortiger Assistent war übrigens der spätere Novartis-Chef Daniel Vasella. Doch dann überwarf sich Rolf Soiron mit dem Übervater von Sandoz, Marc Moret, als dessen Nachfolger er gehandelt wurde.

Wenige Tage nach seinem Rauswurf klopften zwei Banker bei Soiron an: der inzwischen verstorbene Ernst Müller-Möhl und Martin Bisang, die beide ihre Sporen bei Martin Ebner abverdient hatten. Sie gewannen Rolf Soiron als Mitbegründer der Bank am Bellevue, ebenso den St. Galler Professor Giorgio Behr und Ernst Thomke. Der Sanierer und frühere Swatch-Manager Thomke hat die Bellevue-Beteiligungsfirmen BB Biotech und BB Medtech zum Erfolg geführt.

Von Ernst Thomke übernahm Rolf Soiron im April 2003 das Präsidium der Nobel Biocare; BB Medtech ist die grösste Aktionärin beim weltweit führenden Hersteller von Dentalimplantaten. Auch Soiron selber besitzt laut Geschäftsbericht eine gewichtige Beteiligung an Nobel Biocare: Seine 90 000 Aktien haben einen Börsenwert von 23 Millionen Franken. Sein VR-Kollege Hans-Jörg Graf, ebenfalls ein Bellevue-Banker der ersten Stunde, hält gar Nobel-Biocare-Aktien im Wert von rund 95 Millionen Franken. Konzernchefin Heliane Canepa – unter ihr hat sich der Börsenkurs in vier Jahren vervierfacht – besitzt Aktien für 87 Millionen. Ernst Thomke wiederum ist mit 59 Millionen in BB Medtech investiert, deren Portfolio zu 68 Prozent aus Nobel Biocare besteht. Martin Bisang schliesslich, der Geschäftsführer der Bank am Bellevue, hält BB-Medtech-Aktien für 42 Millionen Franken. Zusammen mit Thomke, Behr und Bisang sowie den beiden Roche-Veteranen Fritz Gerber und Henri B. Meier ist Soiron auch Miteigentümer der nicht kotierten Neuenburger Metalor, einer der weltweit führenden Firmen im Bereich Metallveredelung (siehe «Gold-Boys-Network» in BILANZ 2/2005).

Gerade mal einen Monat nachdem Rolf Soiron Präsident von Nobel Biocare geworden war, übernahm er zusätzlich das Präsidium des Zementkonzerns Holcim. Diesem Gremium gehörte er bereits seit 1994 an. Rolf Soiron hat bei Holcim wesentlich dazu beigetragen, dass der Konzern die Einheitsaktie eingeführt und sich von einer Familien- zur Publikumsgesellschaft gewandelt hat. Neben dem nach wie vor grössten Aktionär Thomas Schmidheiny gehören weitere bekannte Namen dem Verwaltungsrat an, so der abtretende Unaxis-Präsident Willy Kissling als Vize, Peter Küpfer (VR Julius Bär, Unaxis und Valora) oder auch Dieter Spälti (VR Rieter).

Der Menschenkenner

Rolf Soiron ist ein Mann der leisen Töne. «Er bellt nicht», sagt ein enger Vertrauter, «aber notfalls kann er zubeissen.» Weggefährten loben Soiron nicht nur für seine analytische Brillanz, sondern auch für sein psychologisches Geschick. Das ermöglichte es ihm, hinter den Kulissen die Fusion von Synthes mit Stratec zu einem weltweit führenden Medtech-Konzern einzufädeln. Die persönliche Animosität der beiden Chefs Hansjörg Wyss (Synthes) und Rudolf Maag (Stratec) stand der Heirat lange entgegen, trotz der industriellen Logik. Dank Soiron fanden sie 1999 dennoch zueinander. Zu Wyss pflegte Soiron einen engen Kontakt, weil dieser im VR der Bellevue-Beteiligungsgesellschaft BB Medtech sass. Maag wiederum hatte Soiron in den VR von Stratec geholt, sie kannten sich aus Sandoz-Zeiten.

Für Soiron typisch: Er hat sein Engagement für die Fusion nie an die grosse Glocke gehängt; selbst bei Synthes weiss nur eine Hand voll Leute davon. Auch als CEO des Zitronensäure-Herstellers Jungbunzlauer (1993–2003) mit einem Umsatz von einer halben Milliarde Franken wirkte Soiron abseits des Rampenlichts.

Das dritte Präsidium

Von seinen künftigen Kollegen im Lonza-Verwaltungsrat kennt Soiron bereits den Basler Peter Kalantzis, der zudem den Gastrokonzern Mövenpick präsidiert: Beide sind Mitglied im Lions Club von Basel. Wichtig für Soiron ist der einvernehmliche Kontakt mit Magdalena Martullo-Blocher, Chefin der Ems-Chemie. Das Unternehmen ist mit einem Anteil von 19,5 Prozent der grösste Aktionär von Lonza. Financier Martin Ebner war es, der als Vertreter der Ems-Chemie Rolf Soiron im letzten Oktober für das Lonza-Präsidium angefragt hatte (siehe «Der heimliche Coup» in BILANZ 4/2005). Eine traditionell enge Beziehung pflegt der Pharmazulieferer Lonza zur benachbarten Roche. Den Finanzchef des Pharmakonzerns, Erich Hunziker, trifft Soiron jeweils im Verwaltungsrat von Holcim.

Dienst am Gemeinwohl

Rolf Soiron politisierte für die CVP und präsidierte während zehn Jahren den Basler Universitätsrat. Ehefrau Alicia Soiron engagiert sich in der städtischen Kulturföderung. Sie war eine der treibenden Kräfte hinter dem «Unternehmen Mitte». Das Kulturzentrum mit einer «eher alternativen Stossrichtung» («Basler Zeitung») steht im ehemaligen Hauptgebäude der Volksbank, das eine Stiftung 1998 für zehn Millionen Franken gekauft hat. Alicia und Rolf Soiron haben zwei Kinder und vier Enkel.

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