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Machtnetz von Peter Böckli: Souffleur der Mächtigen

Siebzig Jahre und kein bisschen müde – Aktienrechtler Peter Böckli tritt im April 2006 von seinem prestigeträchtigen Mandat als UBS-Vizepräsident zurück. Die Arbeit wird dem Prominentenberater aber nicht ausgehen.

Von Jörg Becher
14.02.2006

Wie kleinmaschig das Beziehungsnetz in Schweizer Topetagen doch ist, zeigt das Beispiel eines ihrer grössten Einflüsterer: Aktienrechtler Peter Böckli aus Basel. Dieser verkehrt mit dem Gros der helvetischen Wirtschaftselite auf Augenhöhe: Ob Marcel (Ospel), Peter (Brabeck), Rolf (Soiron) oder Fritz (Gerber) – sie alle grüsst der einflussreiche Jurist mit Vornamen. «Lieber Moritz», schrieb Peter Böckli am 10. Mai 2001 an Moritz Suter, den von ihm beratenen Crossair-Gründer und glücklosen Übergangs-CEO bei der zum Untergang verurteilten Airline Swissair: «Ich bin froh, dass ich in dieser Zeit dir beistehen konnte, und zwar als Freund auf der einen Seite, als Rechtsberater auf der anderen.» Nach Suters Rücktritt vergeht kein Monat, da greift Böckli abermals an vorderster Front in das Trauerspiel rund um die verpatzte Swissair-Rettung ein; diesmal als Souffleur von Mario Corti. Auch mit dem vormaligen Nestlé-Finanzchef ist der Basler High-End-Advokat selbstverständlich per Du: «Lieber Mario», lässt Böckli diesen am 6. April 2001 in einem persönlichen Schreiben wissen, «ich fühle mich dadurch erfreut und geehrt, dass du in bestimmten Fragen meinen Rat suchst.»

Auf reziprokem Nutzen basiert auch die Beziehung zu Cortis früherem Chef, Nestlé-Boss Peter Brabeck. Für das Privileg, gegen ein Sitzungsentgelt von jährlich 300 000 Franken im Nestlé-VR sitzen zu dürfen, revanchiert sich Böckli, Autor des «Swiss Code of Best Practice», unter anderem damit, dass er Brabeck in Sachen Doppelmandat argumentativ in Schutz nimmt.

Während Böckli dem Nahrungsmittelmulti noch bis 2008 als Verwaltungsrat erhalten bleibt, läuft sein Mandat als Vizepräsident der Grossbank UBS statutengemäss im April 2006 ab – drei Wochen vor seinem siebzigsten Geburtstag. Auf den UBS-Präsidenten Marcel Ospel, den er für seine unternehmerische Leistung bewundert, hält Böckli selbstredend grosse Stücke: «Ich verstehe nicht, was die Zürcher mit ihm für ein Problem haben», sagt er.

Im Lions Club Basel-Stadt fühlt sich Böckli, der das Aktienrecht und die Corporate-Governance-Debatte in der Schweiz wie kein Zweiter beeinflusst hat, ausgesprochen wohl. Schliesslich ist er auch hier unter seinesgleichen: Als Mitglieder eingeschrieben sind – neben Ospel und Böckli – Robert Jeker (Swiss Steel), Rolf Soiron (Holcim), Rolf Schäuble (Balôise), Paul Herrling (Novartis) und Matthias Hagemann (Basler Zeitung).

Unter Kollegen, Freunden und Mandanten geniesst Peter Böckli den Ruf eines ebenso kreativen wie hundertprozentig zuverlässigen Workaholics. «Ich habe nie begriffen, wie jemand eine gut gehende Kanzlei führen, so viel publizieren und zugleich derart gewichtige VR-Mandate wahrnehmen kann», sagt ein Basler Advokat und bezeichnet den renommierten Kollegen als ein «Wunder an Effizienz».

Kunstmäzene unter sich

Mit Ernst Beyeler, dem Doyen unter den Schweizer Kunsthändlern, verbindet Peter Böckli eine jahrelange Freundschaft. Gemeinsam haben sie das Patronatskomitee Basler Kunstmuseen ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, die in der öffentlichen Kunstsammlung Basel-Stadt schlummernden Schätze publikumswirksamer in Szene zu setzen. Beinahe alles, was am Rheinknie Rang und Namen hat, macht inzwischen mit und bezahlt freiwillig einhunderttausend Franken pro Jahr in die Stiftungskasse ein: von UBS-Präsident Marcel Ospel und Crossair-Gründer Moritz Suter über den Roche-Erben André Hoffmann und die Nivea-Grossistin Esther Grether bis zu Rolando Benedick (Manor), Peter Merian (Bank Sarasin), René Theler (National Versicherung) und Rudolf Maag sowie Thomas Straumann, die beide mit Medizinaltechnik schwerreich geworden sind. Selbst Daniel Vasella übte sich unter Peter Böcklis Vorsitz für kurze Zeit als Kunstmäzen – doch besann sich der Novartis-Boss schon bald eines Besseren und konzentriert seine knappen Mittel heute lieber auf den Aufbau seiner privaten Kunstsammlung.

Basler Freunde

Peter Lenz hat Böckli im Kindergarten kennen gelernt. «Weil wir beide den gleichen Vornamen haben, hat er mir beigebracht, wie man Peter schreibt», erinnert sich der Anwaltskollege. Daraus entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis, das bis heute hält. Bei kniffligen juristischen Fällen zieht Böckli den Präsidenten des Basler «Zolli» ins Vertrauen. Zum privaten Kreis des Aktienrechtlers zählen auch der Basler Gynäkologe Markus Schneider und Ökonomieprofessor Silvio Borner. Auch Ex-Sarasin-Chef Peter Merian und Rolando Benedick bezeichnet Böckli als persönliche Freunde. Mit Benedick, einem gebürtigen Tessiner, hat er sich früher auf der Boccia-Bahn gemessen. Nur einmal sei es ihm gelungen, den Manor-Chef dort zu schlagen, scherzt Böckli: «Das trägt er mir heute noch nach.»

Rückzug ins Grüne

Böcklis Gattin, die sein Buch «Bis zum Tod der Gräfin» (NZZ Verlag) ins Französische übersetzt hat, stammt aus der Normandie. Dort besitzt die Familie noch heute ein Landhaus – «mitten im Grünen», wie er schwärmt. Der Ehe entstammen zwei Kinder: Marie-Anne (37), eine promovierte Ökonomin, die als Projektmanagerin für das Beratungsunternehmen Roland Berger tätig ist, und Martin (32), der sich gegenwärtig in der Zürcher Advokatur von Peter Nobel seine Sporen als Anwalt abverdient.

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