Die Swiss wird langfristig Geschwister bei der Lufthansa bekommen – klar wie selten hat Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber kürzlich erklärt, dass er weitere Übernahmen plant. «Eurowings, Air Dolomiti und Swiss waren erst der Anfang», sagte Mayrhuber in einem Zeitungsinterview. Die kriselnde Austrian Airlines (AUA) hat zwar der Lufthansa gerade eine Abfuhr erteilt.

Zunächst will es Austrian alleine versuchen, erst wenn die Airline «mit dem Rücken zur Wand» stehe, werde über Partnerschaften diskutiert, sagt der künftige AUA-Chef Alfred Ötsch. Früher oder später aber dürfte es so weit sein. Denn nur «zwei oder drei» Wettbewerber werden in Europa übrig bleiben, prognostiziert Mayrhuber.

Der Markt ist bretthart, auch in guten Zeiten sind keine Reichtümer zu verdienen, und die Grossen drängen im Verbund mit den Low-Cost-Airlines die Kleinen an die Wand. Wenn Austrian die Luft ausgeht und von Lufthansa übernommen wird, dürfte das für den Flughafen Zürich und damit die hiesigen Kunden gravierende Konsequenzen haben. Denn in diesem Fall, sagten mehrere Aviatik-Experten gegenüber der BILANZ, müsste Lufthansa voraussichtlich die Langstreckenverkehre ihrer Drehkreuzflughäfen «entzerren» – also auf die so genannten Hubs Frankfurt, München, Zürich und dann auch Wien aufteilen.

«Das würde Sinn machen», sagt etwa Lufthansa-Beobachter Ulrich Horstmann von der Bayerischen Landesbank. Ein anderer Analyst sagt: «Vier Hubs sind zu viel.» Der Flughafen Zürich käme dann für lukrative Business-Destinationen in Frage, wie etwa New York, und könnte nach Einschätzung von Horstmann «die Strecken nach Afrika und Lateinamerika übernehmen». München bietet sich an, schwerpunktmässig den wachsenden Asienverkehr abzuwickeln, Wien die Osteuropaflüge, Frankfurt bliebe der dominante Hub und wäre Drehkreuz für die Nordatlantik-Verbindungen. Passagiere in Zürich müssten also bei vielen Destinationen umsteigen, die sie heute noch per Direktflug erreichen können. Swiss, Lufthansa und der Flughafenbetreiber Unique wollten solche «Spekulationen» nicht kommentieren.

Dass es in Europa zu einer Konsolidierungswelle unter den Airlines kommt, ist nur eine Frage der Zeit. Staatliche Eingriffe und Interessen verhindern bislang zumeist, dass Nationalcarrier sich gegenseitig aufkaufen. So sind bei der skandinavischen SAS gleich drei Staaten beteiligt. Krisenfälle sind vor allem die griechische Olympic und Italiens Alitalia, als mögliche Übernahmekandidaten gelten neben AUA auch die belgische SN Brussels und die polnische LOT. DRU

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