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Lacoste: Kampf der Krokodile

An der Spitze von Lacoste: ­Sophie Lacoste-Dournel.

Im Kampf um das französische Kult-Kleiderlabel Lacoste schwimmt auch ein Schweizer Reptil mit.

Von Andreas Güntert
04.10.2012

Oftmals abgeschrieben, aber immer wieder in Mode gekommen: Das französische Modelabel Lacoste, 1933 von Tennisspieler René Lacoste gegründet, hat sieben Jahrzehnte Geschichte auf dem Buckel und gibt sich vital wie selten. 2011 kam man mit den berühmten Polos, mit Schuhen, Brillen, Uhren und Parfums auf einen Rekordumsatz von weltweit 1,6 Milliarden Euro. 

Hinter den Kulissen der Firma, die als Lizenz-unternehmen mit sieben grossen Partnern funktioniert, brodelt es. Das Septett produziert für die Kroko-Firma alle Güter und alimentiert diese mit Lizenzgebühren. Der Streit entbrannte jüngst, als es um die Besetzung des Lacoste-Präsidentenstuhls ging, den bis anhin Michel Lacoste, zweiter Sohn des Firmengründers, innehatte. 

Gemäss «Le Monde» brach im elfköpfigen Verwaltungsrat ein veritabler «combat de crocodiles» aus. Mit dem Resultat, dass Michel Lacostes Tochter Sophie Lacoste-Dournel zur neuen Präsidentin gekürt wurde. Sehr zum Missfallen ihres Vaters, der «Le Monde» wissen liess, dass die 36-jährige Schauspielerin und einstige Direktorin eines Marionettentheaters null Big-Business-Erfahrung habe: «Sie hat noch keinen Tag ihres Lebens in einer Firma verbracht, sie hat keine Kompetenz, eine so grosse Gruppe zu führen.» 

Der Grund, dass eine schwache Figur zur Präsidentin gemacht wurde, dürfte beim wichtigsten Lizenznehmer, Devanlay, liegen. Hier kommt das Schweizer Krokodil ins Spiel. Devanlay gehört der Westschweizer Maus-Familie (Manor, Jumbo, Athleticum). Maus gebietet via Devanlay über 35 Prozent des Lacoste-Kapitals und stellt drei Verwaltungsräte. 

Immer mal wieder wurde vermutet, dass die Schweizer lieber mehr als nur ein Lacoste-Drittel, das sie seit 1998 halten, haben möchten. Ein Schritt in diese Richtung könnte eine schwache VR-Präsidentin sein, die formbar ist. Das jedenfalls vermutet der scheidende Präsident Michel Lacoste. «Maus hat die Hälfte meiner Familie überzeugt, gemeinsame Sache zu machen, um die Kontrolle zu übernehmen.» Bei Maus in Genf mochte sich niemand zu diesen Vorwürfen äus-sern. Ein Krokodil ist nun mal lange träge. Bis es blitzschnell zuschnappt. 

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