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Kunsthandel: Von Öl zu Kunst

Mit 76 Jahren nicht zu alt, um Neues ­anzu­packen: Marc Rich, Gründer MR Art ­Trading.

Ex-Rohstofftycoon Marc Rich will mit der MR Art ­Trading im internationalen Kunsthandel mitmischen.

Von Stefan Lüscher
26.07.2011

Er hat mit allem gehandelt, was die Rohstoffmärkte hergeben – von Rohöl über Agrarprodukte bis hin zu Metallen. Doch aus dem Trading mit Rohwaren hat sich Marc Rich längst zurückgezogen. In seinem 76. Lebensjahr entdeckt er nun ein neues Tätigkeitsgebiet: den Handel mit Kunst. Vor kurzem gründete der Wahlschweizer in Zug die MR Art Trading. Zweck, so schreibt das Handelsregister, sei der «Kauf und Verkauf von Kunst­gegenständen jeder Art im In- und Ausland». Dass es sich dabei um mehr als nur um eine Briefkastenfirma handelt, lässt sich an dem mit einer Million Franken dotierten Aktienkapital ablesen.

Chefin der jungen Handelsfirma ist Kathrin Genovese. Sie leitet seit zwei Jahren auch die Marc Rich Group, die vorwiegend im Finanzbereich und im ­internationalen Immobiliengeschäft tätig ist. Mit von der Partie ist auch Schwiegersohn Kenny Schachter (49), der Richs ­ältere Tochter, Ilona Rich Schachter (44), geheiratet hat. Der New Yorker zog samt Frau und vier Söhnen vor einigen Jahren nach London und eröffnete am Hoxton Square die angesagte Galerie Rove. Der passionierte Sportwagensammler soll für die MR Art Trading die Türen zum Londoner Kunstmarkt öffnen.

Rich hat über die letzten drei Jahre wohl einige hundert Millionen Franken verloren. Schuld daran ist einmal die ­Finanzkrise. Gelitten hat Richs Habe aber vor allem wegen der schweren Prei­s­ein­brüche in einigen europäischen Immobilienmärkten. In der Rohstoffbranche wird denn auch das Gerücht herumgereicht, die MR Art Trading sei nur zum Zweck gegründet worden, Richs umfangreiche private Kunstsammlung möglichst cashbringend zu versilbern. Doch was an den Wänden in seinen Häusern in Marbella, Meggen und St. Moritz hängt, wird «aus Sicherheitsgründen», so ein Vertrauter, nicht bekanntgegeben. Laut Wiki­pedia haben Besucher unter anderem Werke von Renoir, Monet und Picasso gesichtet.

Bislang ist Marc Rich im Zusammenhang mit Kunst höchst selten öffentlich in Erscheinung getreten. 1989 schenkte der Megger dem Kunsthaus Zürich eine aussergewöhnliche Kollektion von Klassikern der Fotografie, die als «Marc Rich Collection» bekannt geworden ist.

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