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Geheimsache 
Klebrige Verkäufe: Sorgen für Geburtstagskind Siroop

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Siroop: Provokative Werbekampagne mit offenem Ende.  zvg

Ein Jahr nach dem Start verschweigt der Marktplatz von Swisscom und Coop weiterhin Umsatzzahlen. Und es wird nicht einfacher. Darum ist die Konkurrenz besorgt.

Von Philipp Albrecht
26.05.2017

Es gibt keine Zahlen. Der Siroop-Chef Constantin Hilt gibt nur Werte preis, mit denen wenig anzufangen ist. Dabei würden potenzielle Kunden allzu gerne wissen, ob der erste Online-Marktplatz der Schweiz läuft. Bis jetzt weiss man gerade mal, dass es 600'000 Produkte von 400 Händlern gibt und die Mutterhäuser in grossen Schüben viel Werbegeld ausgeben.

An einem Vortrag im März sprach Hilt von zwölf Millionen Visits im letzten Jahr. Laut seinem Chef, Coop-CEO Joos Sutter, gibt es eine Warteliste von 2000 Händlern, die gern auf die Seite kommen würden. Klingt nach Zweckoptimismus.

«Ein Visit ist noch kein rentabler Kauf», sagt Patrick Kessler vom Onlinehandelsverband VSV. Siroop komme nicht darum herum, sich ihre Kundenfrequenz am Anfang mit harten Rabattaktionen zu erkaufen. Er geht davon aus, dass der Marktplatz mit seinen 170 Angestellten Ware für 300 bis 500 Millionen Franken verkaufen muss, um schwarze Zahlen zu schreiben. Davon scheint Siroop noch weit entfernt.

Chaotische Technik

Die Händler sind geteilter Meinung. «Siroop investiert viel ins Marketing. Bei jeder neuen Kampagne spüren wir wieder einen Umsatz-Boost», sagt Lukas Speiser vom Sextoy-Onlinehändler Amorana. Man sei mit sehr hohen Erwartungen gestartet, «leider wurden die bislang nicht erfüllt, wir sind aber weiterhin zuversichtlich».

Es sei am Anfang ein «Höllenchaos» gewesen, sagt ein zweiter Händler. Die technischen Herausforderungen habe man nun in den Griff bekommen, «aber der Ertrag steht noch immer in keinem Verhältnis zum Aufwand, der hier betrieben wird».

Dass sich die Händler überhaupt in die Schlange stellen müssen, liegt an der technologischen Integration. Man muss sich ins Siroop-System einklinken können, was vielerorts nicht klappt. Die Beteiligten schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Anfangs sei Siroop da sehr kooperativ gewesen, sagt ein Händler. Inzwischen werde man bei Anrufen aber erst mal «Swisscom-mässig» in eine Warteschlaufe geschickt. Siroop-Sprecher Tim Hegglin wirft den Ball zurück. Nicht jeder Händler investiere genügend Ressourcen in die Zusammenarbeit, sagt er. «Entsprechend war die Anbindung von über 400 Händlern eine Herausforderung.»

Hauruck-Projekt mit harter Konkurrenz

Beobachter vermuten, dass sich beim Projektvater Hansueli Loosli langsam Ungeduld breitmacht. Der VR-Präsident von Coop und Swisscom stampfte Siroop vor zwei Jahren in einer beispiellosen Hauruck-Übung aus dem Boden. Dazu soll er Geschäftsführungsmitglieder aus beiden Konzernen an den Tisch bestellt und den Auftrag gegeben haben, innert wenigen Tagen ein überzeugendes Konzept für ein Schweizer Amazon vorzulegen.

Herausgefordert wird Siroop jetzt auch von der Konkurrenz. Die Migros-Tochter Galaxus hat ein eigenes Händlerprogramm am Laufen, das wie Siroop funktioniert: Die Händler werden explizit erwähnt und erhalten eine eigene Seite. Galaxus zieht nur Kommission ab – je nach Produktkategorie zwischen 7 und 20 Prozent. Kürzlich holte Galaxus zum Unmut von Siroop den Haustierbedarfhändler Qualipet an Bord.

Kommt dazu, dass jetzt die Tamedia-Tochter Ricardo.ch wieder aktiv wird. Nachdem man im Januar das missratene Marktplatzportal Ricardoshops.ch begraben hat, soll das Mutterschiff verstärkt werden. Darum geht Ricardo jetzt aktiv auf Verkäufer zu.

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