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Editorial: Keine Ruhe mit Claude Béglé

Bundesrat Moritz Leuenberger will nur eines: seine Ruhe.

Von Dirk Schütz
15.01.2010

Wenn immer die Saga um Post-Präsident Claude Béglé eine neue Volte nimmt, ruft dessen oberster Dienstherr dazwischen: Ruhe herrscht! Dumm nur, dass ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis kein hervorstechender Charakterzug des Romands ist. Der will in hundert Ländern gearbeitet haben und verfliegt nach eigenen Aussagen eine Million Meilen pro Jahr.

Ruhig war Béglé auch nach seiner Nomination an die Post-Spitze vor 18 Monaten nicht. Flugs liess er sich den Titel «designierter Verwaltungsratspräsident» auf seine ­Visitenkarte drucken und kontaktierte ausgiebig Headhunter in verschiedenen ­Ländern, die ihm neben seinem 40-Prozent-Pensum bei der Post (heute sind es offiziell 50 Prozent) weitere Mandate beschaffen sollten. Wie BILANZ-Recherchen zeigen, wurde er in Mumbai bei der Infrastrukturfirma Zoom Developers fündig.

Im Gegensatz zu den anderen Mandaten, die Béglé kürzlich veröffentlichte, handelte es sich hierbei jedoch nicht um eine Mitgliedschaft in einem Aufsichtsgremium, sondern um eine operative Tätigkeit mit einem regulären Arbeitsvertrag, inklusive Ferienregelung und Pensionskassenzahlung. Der Vertrag wurde wenige Wochen vor Béglés Übernahme des Post-Präsidiums unterschrieben und fixierte sein Pensum auf «mindestens 30 Stunden pro Woche». Inklusive Honoraren und Spesen verlangte Béglé schon nach einem halben Jahr knapp eine Million Franken für sein gesamtes Leistungspaket, geflossen sind ­allerdings nur 320  000 Franken, weil die Firma nicht zufrieden war (ab Seite 26). Ein grosser Teil der Zahlungen sollte über das Steuerparadies Dubai abgewickelt werden.

Weder Béglé noch Bundesrat Leuenberger wollten zu diesen Aktivitäten detailliert Stellung nehmen. Die Fragen sind also offen: Hat Béglé seinen Verwaltungsrat über ­diese Tätigkeit informiert? Wusste Leuenberger über die Einzelheiten Bescheid? Und wenn ja: Hat er sie gebilligt? Kann er an der Spitze eines staatlichen Vorzeigebetriebs einen Mann akzeptieren, der eine 75-Prozent-Tätigkeit für eine indische Firma ausübt und einen Teil des Honorars über Dubai beziehen wollte? In der Causa Béglé gilt für Leuenberger längst: Ruhe gibt es nicht.

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