Es war für Daniel Sauter, Präsident der Bank Julius Bär, eine Desavouierung: Zwei Drittel der Aktionäre lehnten den Vergütungsbericht an der Generalversammlung ab – ein Novum hierzulande.

Nicht neu ist indes, dass die Investoren bei Bär Druck machen, ist es doch bereits das zweite Mal in Sauters kurzer Amtszeit, dass die Investoren nicht willens sind, ihm zu folgen. Dass CEO Boris Collardi letzten Sommer bei der Kapitalerhöhung für den Kauf der Vermögensverwaltungs-Sparte von Merrill Lynch zusätzliche 250 Millionen Franken «für künftige strategische Flexibilität» wollte, kam nicht gut an. Nach «Reaktionen aus dem Aktionariat» wurden die Bezugsrechte auf die 500 Millionen für den Merrill-Lynch-Deal beschränkt.

Von der jüngsten Ohrfeige wurde die Bank überrumpelt. Am 22. März wurden die Erklärungen zum Vergütungsbericht verschickt. Erst etwa zwei Wochen vor der GV vom 10. April habe man erfahren, dass die Abstimmung zu Problemen führen könnte, sagte Collardi gegenüber der «Schweiz am Sonntag», so spät, «dass wir nicht mehr reagieren konnten».

Laut Bankinsidern hat die ebenfalls erst kurz vor der GV publizierte Kritik des US-Stimmrechtsberaters ISS der Ablehnung Schub gegeben. An den Roadshows in den Wochen davor sei die Vergütung bei den Investoren kein Thema gewesen. Dennoch schütteln erfahrenere Kollegen über Sauter den Kopf: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass uns so etwas passiert wäre», sagt der Präsident eines Schweizer SMI-Konzerns. «Es gehört zu den Aufgaben eines Verwaltungsrats, frühzeitig zu erspüren, was die Investoren bewegt.»

Aus Sicht der Corporate Governance mutet es problematisch an, dass Collardi statt Sauter in der Presse Stellung nahm. Dies war offenbar intern weder geplant noch abgesegnet. Von der Bank gab es nur die trockene Mitteilung, dass man Massnahmen treffen werde, damit die nächste Abstimmung positiv ausfalle. Dafür lobte Sauter in seiner GV-Rede den in Rankings ausgezeichneten Verwaltungsrat seiner Bank. Allerdings fanden nur 60 Prozent der Sitzungen in Vollbesetzung statt, ­betrug doch die Abwesenheitsrate von Leonhard Fischer 40 Prozent. Auch das gab seitens einiger Investoren eine Klatsche: Die Stimmen zu Fischers Wiederwahl lagen deutlich unter jenen der anderen Verwaltungsräte. 

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