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Julius Bär: Grossverdiener

Daniel Sauter (l.) und Boris Collardi: höhere Löhne trotz niedrigerem Gewinn.

Die Ära als Familienbank ging mit dem Rückzug von Raymond Bär zu Ende. Doch eine Tradition ist unter dem neuen Präsidenten Daniel Sauter geblieben – jene der hohen Löhne.

Von Erik Nolmans
05.03.2013

Es war eine Zäsur für die Bank, als ­Raymond Bär vor einem Jahr den Vorsitz des Verwaltungsrats Daniel Sauter überliess. Nach über hundert Jahren endete die Tradition, dass ein Familienmitglied in der Führung der Bank vertreten ist.

Mit dem Wechsel verbunden war auch eine Neudefinition der Präsidentenrolle. Diese sei unter Sauter weniger umfassend. Der damalige Verwaltungsrat Peter Küpfer sprach von einem «20-bis-30-Prozent-Job». Raymond Bär war zu 100 Prozent tätig. Der Lohn werde entsprechend angepasst, so Küpfer.

Laut Vergütungsbericht bezog Sauter 2012 für seinen Teilzeitjob ein Salär von 1 053 487 Franken. Hochgerechnet auf 100 Prozent wären das rund 3,5 bis 5,3 Millionen – also deutlich mehr als die 2,7 Millionen, die Raymond Bär im Jahr zuvor erhalten hatte. Nicht zuletzt wenn man bedenkt, dass dies dem Lohn für rund acht Monate entspricht, wirkte Sauter doch erst nach April als Präsident.

Unter Sauter profitierte auch Bank-CEO Boris Collardi von der grosszügigen Vergütungspolitik im Hause Julius Bär. Er bekam für 2012 insgesamt 6,7 Millionen Franken. Im Jahr zuvor waren es 5,9 Millionen. Dabei war 2012 nicht besser – um Sonderfaktoren bereinigt, ging der Gewinn um vier Prozent zurück, der Aktienkurs sank um rund zehn Prozent. In Collardis Lohn ist ein Sonderbonus von 800 000 Franken für die Integration von Merrill Lynch International enthalten. Er wurde ausbezahlt, obwohl sich deren Erfolg erst in einigen Jahren wird messen lassen.

Obwohl Julius Bär mit rund 3700 Mitarbeitern deutlich weniger Leute beschäftigt als die UBS oder die CS mit 63 000 beziehungsweise 47 000 Mitarbeitern, kassieren die Bär-Chefs wie Grossbanker. CS-Chef Brady Dougan bekam im Vorjahr 5,8 Millionen Franken, CS-Präsident Urs Rohner 4,3 Millionen, UBS-CEO Sergio Ermotti 6,4 Millionen.

Gut verdient wird auch in der 2009 von Julius Bär abgetrennten GAM Holding. Dort steigerte Präsident und CEO Hans de Gier den Basislohn von 2,6 auf 3 Millionen. Der Gewinn von GAM nahm in der Periode um zwei Prozent ab. Mit Bär-Finanzchef Dieter Enkelmann leitet dort ein Mann den Vergütungsausschuss, der die grosszügige Salärpolitik vom eigenen Haus her kennt. 

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