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Zwischenbericht 
Julius Bär - die Skepsis der Aktionäre

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Julius Bär: Am Aktienmarkt ging es für den Titel heute nach unten.  Keystone

Der Aktienmarkt zeigt sich enttäuscht vom Zwischenbericht bei Julius Bär. Vor allem der Neugeldzufluss lässt zu wünschen übrig. Manche Analysten sind weniger pessimistisch und sehen Licht am Horizont.

Die Julius Bär-Aktien sind am Dienstagmorgen mit deutlichen Abschlägen in den Handelstag gestartet. Die Vermögensverwaltungs-Bank hatte vorbörslich den Zwischenbericht zu den ersten zehn Monaten des Jahres vorgestellt. Während die verwalteten Vermögen (AuM) etwas besser ausfielen als erwartet, enttäuschte das Institut vor allem mit einem schwächeren Nettoneugeldzufluss.

In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres hat die Schweizer Bank 297 Milliarden Franken verwaltet, das sind 6 Milliarden oder 2 Prozent mehr als Ende 2014. Der Netto-Neugeldzufluss bewegte sich dabei «knapp» unter dem mittelfristigen Zielbereich von 4 bis 6 Prozent.

Bankkunden zeigen sich unsicher und zurückhaltend

Am Handel im Auftrag der Kunden verdiente Julius Bär über die ersten zehn Monate wieder etwas weniger als noch in der ersten Jahreshälfte. Seit Ende Juni sei die Kundenaktivität von Zurückhaltung geprägt, schrieb die Bank. Dies nicht nur auf Grund saisonaler Einflüsse, sondern in den letzten beiden Monaten auch als Folge der gestiegenen Unsicherheit nach der volatilen Aktienmarktentwicklung.

Die Julius Bär-Aktie notiert gegen 9.40 Uhr um 2,4 Prozent im Minus auf 46,38 Franken. Sie ist damit klar schwächster SMI-Titel in einem gehaltenen Gesamtmarkt (SMI +0,1 Prozent). Die Handelsvolumen sind mit bereits gut 200'000 umgesetzten Titeln recht hoch, das durchschnittliche Tagesvolumen lag zuletzt bei rund 720'000 Titeln.

Bank Vontobel fehlt die Inspiration

Der Bär-Zwischenbericht sei «nicht sehr inspirierend» gewesen und zeige einige negative Trends, meint etwa Andreas Venditti von der Bank Vontobel. Er verweist insbesondere auf die Verlangsamung des Neugeldzuflusses in Osteuropa und in Lateinamerika. Dagegen scheine die Kostensituation gut unter Kontrolle – so präsentiere sich die Cost/Income-Ratio besser als erwartet.

Auch die ZKB sieht im Bär-Zwischenbericht ein «gemischtes Bild» – mit einem «eher harzigen» Neugeldzufluss und einer verhaltenen Kundenaktivität auf der einen Seite sowie mit Fortschritten bei Effizienz und Profitabilität auf der anderen. Das verwaltete Vermögen zeige sich allerdings robuster gegen die «jüngsten Marktkapriolen» als von den meisten erwartet, so Analyst Michael Kunz.

Zeichen der Zuversicht bei Julius Bär

Klar negativ wird der Zwischenbericht von Kepler Cheuvreux-Analyst Dirk Becker gesehen. Er verweist etwa auf den Rückgang der Marge auf noch 95 Basispunkte (BP) für die ersten zehn Monate. Für die ersten Monate seit dem Juni impliziere das eine Marge von 89 BP. «Wir glauben weiterhin, dass die Marge auf 75-85 BP fallen wird, sobald die volle Regularisierung der undeklarierten Gelder in Westeuropa erledigt ist», so Kepler Cheuvreux.

Dagegen sehen die Analysten der Credit Suisse (CS) nun Hoffnung, dass der Einfluss der Regularisierung nun langsam nachlassen wird. CS-Experte Tom Mills verweist zudem auf den weiterhin ausstehenden Abschluss des US-Steuerstreits, der als Katalysator dienen könnte. Dass Julius Bär nun bereits eine neue Transaktion mit der italienischen Kairos angekündigt habe, zeige die Zuversicht des Finanzinstituts.

Hohe Kapitalisierung findet Zustimmung

Auch die Experten der Société Générale kommentieren den Abschluss freundlich und verweisen auf die hohe Kapitalisierung von Julius Bär. Sollte die US-Busse in Höhe der derzeitigen Rückstellung von 350 Mio Franken ausfallen, würde das Überschusskapital Ende 2016 bei «mindestens 800 Millionen Franken» liegen, so Andrew Lim von SocGen.

(awp/sda/jfr/me)

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