Die Privatbank Julius Bär ist erneut Opfer eines Datendiebstahls geworden. «Leider trifft dies gemäss unseren Erkenntnissen zu», bestätigte CEO Boris Collardi der «Sonntagszeitung». «Im Rahmen von verschärften Kontrollmechanismen und einer umfangreichen internen Untersuchung mussten wir kürzlich einen Fall von Datenmissbrauch feststellen und konnten den mutmasslichen Täter identifizieren.»

Der verdächtige Mitarbeiter wurde bereits festgenommen, entlassen und soll im Alleingang gehandelt haben, bestätigte Julius-Bär-Sprecher Jan Vonder Muehll auf Anfrage der Nachrichtenagtur SDA. Bei dem Beschuldigten handelt es sich laut «Sonntagszeitung» um einen Angestellten der Bank mit Arbeitsort Zürich. Weiterführende Informationen – etwa in welcher Abteilung der Mitarbeiter tätig war, zu Alter, Privatverhältnissen und Wohnort – gab die Bank mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen und Schutz der Privatsphäre nicht bekannt.

Die gestohlenen Daten gelangten laut dem Zeitungsbericht in Form einer CD in die Hände nordrhein-westfälischer Steuerfahnder. Der Verdächtige habe für das Material dem Vernehmen nach eine Geldzahlung in unbekannter Höhe erhalten. Dem mutmasslichen Täter auf die Spur gekommen sei die Bank, nachdem sie Unregelmässigkeiten festgestellt und daraufhin eine vertiefte Untersuchung angeordnet habe, die zum genannten Mitarbeiter führte.

Angestellten «keine falschen Hoffnungen gemacht»

Mit der Übernahme der internationalen Vermögensverwaltung von Merrill Lynch durch Julius Bär stehen Angestellten beider Institute ungemütliche Zeiten bevor. «Die Schweiz ist kein Wachstumsmarkt», sagte Collardi. Weltweit würden mehrere Hundert Stellen gestrichen, inklusive Schweiz. Während bei den Kundenberatern kaum Überschneidungen bestünden, gebe es im Back Office – etwa Informatik, Buchhaltung oder Rechtsabteilung – viel Synergiepotenzial. Damit bestätigte er einen entsprechenden Bericht der «Handelszeitung».

In Gesprächen mit Angestellten habe er den Leuten «keine falschen Hoffnungen gemacht», sagte Collardi nun. Viele Funktionen würden von Genf nach Zürich verlegt beziehungsweise zusammengelegt. «Sobald uns die Kartellbehörden grünes Licht geben, werden wir Merrill Lynch Schweiz übernehmen, als ersten von allen Standorten weltweit. Wann wir mit der Integration beginnen, ist aber noch offen», so der CEO weiter.

Spielraum für weitere Übernahmen sieht der Bär-Chef vorläufig nicht. «In einem Jahr können wir uns wieder Gedanken über neue Akquisitionsziele machen», sagte Collardi.

(tno)

Das Machnetz von Boris Collardi

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