BILANZ: Nach langer Suche nach einem neuen Sulzer-CEO war Ihr Entscheid für den einstigen MAN-Manager Klaus Stahlmann mutig. Immerhin wurde gegen ihn damals in der Korruptionsaffäre beim deutschen Lkw-Konzern ermittelt.

Jürgen Dormann: Wir haben uns sehr genau angesehen, was dort vorgefallen war. Ich habe genug eigene Erfahrung in geschäftlichen Dingen und der Compliance, um solche Fragestellungen beurteilen zu können. Juristisch war es für mich einwandfrei sichtbar, dass Herr Stahlmann keine Schuld trifft. Das ist kein Thema mehr.

Dennoch warf es einen Schatten auf seinen Start. Warum haben Sie das hingenommen?

Mit Klaus Stahlmann haben wir den Richtigen, um Sulzer in eine gute Zukunft zu führen. Seine Internationalität und Technologiekenntnis, seine offene und klare Herangehensweise sowie seine kundenbezogene Kreativität sind wichtig für Sulzer. Wir hatten noch drei andere Kandidaten. Doch Klaus Stahlmann passte von seinem Profil und seiner Art besser zu Sulzer als jeder andere. Er hat im Management emotionale Intelligenz hinzugefügt. Mir war Sulzer schon zu hierarchisch aufgestellt. Das ändert sich jetzt.

Was hat Sie bei Ihrer Entscheidung für Klaus Stahlmann an seinem Managementstil überzeugt?

Klaus Stahlmann ist ein bodenständiger Kosmopolit, und er bringt einen neuen Stil ins Unternehmen. Er ist sehr aufgeschlossen, nimmt die Belegschaft sensibel mit – aber er hat auch ganz klare Vorstellungen, wohin er will. Man wird ihn nie schwafelnd erleben. Klaus Stahlmann ist sachlich, engagiert und unglaublich fleissig. Er hat in sehr kurzer Zeit die gesamte Sulzer-Welt bereist und kennen gelernt.

Wohin soll sich Sulzer in den kommenden Jahren unter der neuen Führung bewegen?

Sulzer ist eine weltbekannte Marke, das Geschäft wird weiter profitabel wachsen. Die Gesellschaft war in der Vergangenheit durch viele Desinvestitionen abgemagert. Wir denken jetzt in ganz anderen Kategorien. In fünf Jahren werden wir unser Umsatzvolumen verdoppeln, neben organischem Wachstum werden weitere Akquisitionen dazu beitragen.

Wo sehen Sie Chancen für eine Expansion?

Gute Beispiele dafür sind die zwei grösseren Zukäufe im Öl- und Gasgeschäft, die wir bereits gemacht haben. Zudem ist die Wassertechnik für Sulzer ein sehr ­interessantes Geschäftsfeld. Dort werden wir überdurchschnittlich zulegen. Klaus Stahlmann ist mit ganz klaren Vorstellungen über die zukünfige Entwicklung von Sulzer zu uns gekommen. Die ­Ergebnisse seiner Strategie werden wir in nicht sehr langer Zeit sehen können.

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