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Jan Schoch steigt vollständig bei Leonteq aus

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Jan Schoch: Der Mitgründer kehrt Leonteq den Rücken.Gian Marco Castelberg

Leonteq hat die BILANZ-Vorabmeldung bestätigt: Der Mitgründer und einstige Chef Jan Schoch steigt vollständig aus dem Finanzunternehmen aus und verkauft sämtliche Aktien.

Am Donnerstag vermeldete BILANZ exklusiv, Mitgründer Jan Schoch stehe vor dem endgültigen Ausstieg bei Leonteq und plane sich von seinen Aktien zu trennen. Heute bestätigt das Finanzunternehmen: Schoch hat alle seine Aktien verkauft.

Schoch verkaufte seine rund 1,05 Millionen Aktien an institutionelle Investoren sowie an die Mitgründer Lukas Ruflin und Sandro Dorigo, wie Leonteq am Freitag mitteilte. Der Verkauf sei zu einem Preis von 60.50 Franken pro Aktie erfolgt. Rund 107'000 Anteilscheine gingen an Ruflin und Dorigo. Nach der nach Börsenschluss am Donnerstag vollzogenen Transaktion besitzt Raiffeisen rund 29 Prozent an Leonteq, Ruflin rund 8 Prozent und Dorigo etwas mehr als 2 Prozent.

Anfang Oktober den Chefsessel geräumt

Den Chefsessel hatte Schoch Anfang Oktober per sofort geräumt. Das Sesselrücken an der Spitze des 2016 in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Fintech-Unternehmens hatte Anfang Oktober nicht überrascht: Schon zuvor hatte das Unternehmen bekanntgegeben, dass Schoch einen Vertreter bekommen sollte, damit er sich verstärkt um die Strategie und den Kontakt zu den Kunden kümmern könne.

Anfang Oktober entschied der Verwaltungsrat dann aber, dass Leonteq-Mitbegründer Schoch lediglich noch als Berater für das Unternehmen tätig sein sollte. Ob er diese Funktion nach dem Verkauf behält, war am Freitag nicht bekannt.

Zerrüttetes Verhältnis

Das Verhältnis zwischen Schoch und den Leonteq-Mitgründern und dem Verwaltungsrat war schon lange zerrüttet, wie BILANZ in seiner aktuellen Ausgabe schreibt. Der latente Konflikt brach komplett auf, als er im Juli ein Paket Leonteq-Aktien verkaufte. Der Deal führte zu Kritik im Verwaltungsrat und liess den Unmut über Schochs vielfältige zeitliche und finanzielle Verzettelung wieder aufleben.

Der Verkauf stiess dem Gremium aus zwei Gründen auf: Erstens wurde der Ver­kauf eigener Aktien als illoyal ge­wertet, vor allem, wenn man der Belegschaft sonst gerne predigt, das Commitment zur Firma auch mit eigenen Aktien zu beweisen. Zwei­tens soll dem VR zu Ohren gekom­men sein, dass der Erlös des Ver­kaufs unter anderem in die von Schoch gegründete Internetbank Flynt geflossen sei.

Schochs Aktivitäten aus­serhalb von Leonteq waren dem VR seit langem ein Dorn im Auge. Nebst der Gründung von Flynt betätigte er sich als Immobilienanleger, inves­tierte in Wohnbauten, und sogar in die Gastronomie machte er sich auf: In Gonten erwarb er den Traditions­gasthof Bären. Mehrmals hatte der VR den CEO wegen seiner zeitlichen und finanziellen Verzettelung schon zur Rede gestellt. Mit dem Aktienverkauf zeigte sich einmal mehr: Schoch scherte sich einen Deut darum.

Schoch liess sich nichts sagen

Das wiederum wies auf eine grundsätzliche Problematik hin, welche bereits in der Vergangenheit zu Spannungen in der Firma führte: Schoch lasse sich generell, so heisst es, von nichts und niemandem et­was sagen.

Der Verkauf des Aktienpakets im Wert von 4,1 Millionen Franken hat das Fass zum überlaufen gebracht. Am 25. Juli vermeldete die Schweizer Börse SIX eine Manage­ment-­Transaktion. 70'690 Namen­aktien – sie entsprechen einem Wert von 4,1 Millionen Franken – wurden von «einem Exekutiven Verwal­tungsratsmitglied / Mitglied der Ge­schäftsleitung» verkauft. Das er­wähnte GL-Mitglied war Jan Schoch.

(ccr mit sda-Material)

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