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Die Problemtochter: Italienisches Meisterwerk

Fastweb sollte eine strategische Swisscom-Perle sein. Die Bilanz sieht allerdings anders aus.

Veröffentlicht 12.03.2010

«Ein Meisterwerk des italienischen Unternehmertums», schwärmte Swisscom-Chef Carsten Schloter im März 2007, als er die Übernahme der Mailänder Fastweb einfädelte. Schloter erblickte damals eine Chance, in den Breitbandmarkt einzusteigen. Das italienische Unternehmen mit 3400 Mitarbeitenden bietet mit seinem Glasfasernetz vollständig Internet-basierte Breitband-, Sprach- und TV-Dienste an.

Aber die jährliche Swisscom-­Investition in die Firma (2009: 657 Millionen Franken) überstieg noch immer bei weitem den Reingewinn (52 Millionen Franken).

Zum Vergleich: Die Swisscom ­erzielte gesamthaft mehr als 1,9 ­Milliarden Reingewinn. Fastweb ist weit davon entfernt, die gewaltigen Investitionskosten einzuspielen. Seit dem Kauf ist das Ergebnis immer noch negativ. Und seit der Grossrazzia der Staatsanwälte sinkt der Aktienkurs.

Fastweb-Gründer Silvio Scaglia, ein gebürtiger Luzerner, war für ­seine Manager-Kapriolen berüchtigt. So schüttete er einmal Sonderdividenden für sich und seine Mitgesellschafter aus, obwohl das Unternehmen noch nie einen Gewinn erzielt hatte. Die Dividenden finanzierte er über Kredite, die später von der Swisscom übernommen wurden.

Im November stockte Scaglia das ­Kapital der Firma um 800 Millionen Euro auf. Dabei zahlte er seinen ­Anteil allerdings nicht vollständig und erstattete wenig später 75 Prozent der Mittel wieder zurück.

Ins Visier der Ermittler gerieten die Fastweb-Geschäfte mit Tele­fonkarten und Interkonnektionsdiensten. Durch sie soll Fastweb rund 400 Millionen Euro eingenommen haben.

Nun droht der Untersuchungsrichter mit der Bestellung eines Kommissars zur Kontrolle von Fastweb. Es wäre ein Meisterwerk richterlicher Unternehmensführung.

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