1. Home
  2. Unternehmen
  3. BILANZ-IT-Rating: IT-Land Schweiz

 
BILANZ-IT-Rating: IT-Land Schweiz

IT-Rating 2011
IT-Rating 2011: Plötzliche Zufriedenheit mit Dell, Microsoft, Swisscom und auch mit der internen IT (Bild: BILANZ-Grafik)

Welche IT-Themen bewegen die Schweizer Führungsetagen? Wofür gibt man tatsächlich Geld aus, was ist nur Hype? Die BILANZ-Umfrage Swiss IT, die grösste ihrer Art, gibt Auskunft.

Von Marc Kowalsky
2011-04-08

Glücksdrogen. Oder mindestens massive Frühlingsgefühle. Anders ist sie nicht erklärlich: die plötzliche Liebesbeziehung zwischen Schweizer IT-Anwendern und ihren Lieferanten und Herstellern. Egal ob es um Qualität oder Service geht, um Hard- oder Software: Quer durch fast alle Sparten und Kriterien sind die professionellen IT-Anwender auf einmal viel glücklicher als in den letzten Jahren.

Die plötzliche Zufriedenheit mit Dell und Microsoft, mit Swisscom oder der internen IT ist eines der erstaunlichsten Resultate der Studie «Swiss IT», die BILANZ ­zusammen mit IDC und der Schweizer Computerzeitschrift «Computerworld» erhoben hat. «Es ist die IT-Umfrage in der Schweiz, die am breitesten aufgestellt ist und am tiefsten geht», sagt Hansjörg Honegger, Chefredaktor «Computerworld» und Mit-Initiator der Umfrage. Rund 950 Führungskräfte aus IT und Management wurden dafür befragt (siehe «Swiss IT» unter 'Nebenartikel').

Kleine überzeugen mehr

Und natürlich sind die markanten Steigerungen anders erklärlich als mit Glücksdrogen oder Frühlingsgefühlen. Wobei Psychologie durchaus eine Rolle spielt: «Im Aufschwung sind die Leute positiver gestimmt und ­bewerten auch ihre Lieferanten und Hersteller freundlicher», sagt Honegger. Produktneulancierungen wie Windows 7 oder das iPad, Imagepolitur und tatsächliche Qualitätsverbesserungen dürften ebenfalls dazu beigetragen haben.

Wobei die Schweizer User auffälligerweise mit den kleinen Anbietern tendenziell zufriedener sind als mit den grossen. Am meisten Hardwarekompetenz billigen die Kunden dem kleinen Spezialisten NetApp zu, während sich die Multis HP und IBM auf den letzten Plätzen wiederfinden. Bei Software sieht es ähnlich aus, hier wird Multimedia-Spezialist Adobe gelobt, dafür müssen die Riesen Oracle und SAP Kritik einstecken.

Würde man die Stichprobe erweitern auf Firmen, die weniger oft genannt werden (und damit den belastbaren Bereich der Statistik verlassen), würde sich das Phänomen sogar akzentuieren: Dann lägen Spezialanbieter wie Canon, HDS oder Samsung (Hardware) beziehungsweise Novell, Citrix oder VMware (Software) ganz vorne. Ähnliches gilt bei den Serviceanbietern. Kein Wunder, denn Spezialisten sind in ihrem Bereich oft hochkompetent, während viele User IT-Giganten oft skeptisch betrachten. Und auffallend ist: Zwar sind die Kunden mit der gelieferten Qualität zufrieden. Doch der Preis sei für das Gebotene zu hoch – dieses Kriterium steht denn auch in allen drei Bereichen am ­unteren Ende der Zufriedenheitsskala.

Das erstaunt nicht, denn die IT-Budgets steigen seit Jahren. 2014 dürfte die Marke von 20 Milliarden Franken durchbrochen werden, vor zwei Jahren gab die Schweiz noch ein Fünftel weniger aus, um computertechnisch up to date zu bleiben. Nachdem in den zwei Jahren der Krise viele Projekte sistiert waren, werden nun gerade die Hardwareausgaben wieder hochgefahren. Da hilft auch der Preiszerfall bei neuen Computern, Servern oder Storage wenig: «Ein Grossteil des IT-Budgets wird für den technischen Betrieb verwendet, einfach um die Systeme am Laufen zu halten», sagt Matthias Kraus, Analyst bei IDC. Dabei wäre das Ziel ein anderes: genau diesen Fixkostensockel zu senken und die so frei werdenden Budgets zu nutzen, um die einzelnen Geschäftsbereiche zu unterstützen bei ihren sich wandelnden Anforderungen.

Noch immer machen die Schweizer Unternehmen sehr viel selber, wenn es um IT geht – 65 Prozent aller Firmen lassen mehr als die Hälfte der Aufgaben durch die interne IT-Abteilung erledigen. «Doch der Trend geht klar dahin, immer mehr auszulagern. Sei es partiell an ­externe Dienstleister oder als komplettes Outsourcing», sagt Kraus. Und immerhin 38 Prozent aller befragten Firmen haben dafür ein Budget jenseits der Millionengrenze.

Am meisten Geld für IT geben in der Schweiz – wenig überraschend – Banken und Versicherungen aus, bestehen ihre Produkte doch aus nichts anderem als aus Informationen. Auch in den Branchen IT/Telekommunikation sowie der öffentlichen Verwaltung ist der Anteil der IT-Budgets an den jeweiligen Gesamtkosten aus dem gleichen Grund relativ hoch. In absoluten Zahlen die grössten IT-Kunden sind hierzulande jedoch die traditionellen Industrieunternehmen mit Ausgaben von fast fünf Milliarden Franken.

Mehr Geld für die Wolke

Noch erstaunlich wenige Mittel werden hierzulande in das Megathema Cloud Computing investiert. «Viele Unternehmen beobachten es intensiv, aber warten selber noch ab», sagt Kraus. Wer bereits investiert, tut dies vor allem, um Fixkosten zu sparen und Computerpower nur noch bei Bedarf zu beziehen und zu bezahlen. Eine der wesentlichen Erkenntnisse aus der Krise: In anderen Bereichen wie der Produktion konnte man die Kapazität herunterfahren und damit Kosten senken. In der IT war das ohne Cloud Computing bislang nur bedingt möglich. Mittelfristig dürfte ein erheblicher Teil der traditionellen IT-Leistungen deshalb in die Wolke abwandern. Kein Wunder, erwarten die Marktforscher über die nächsten Jahre auch in der Schweiz zweistellige Wachstumsraten für Cloud Computing. Sehr zur Freude von Microsoft, Google und Swisscom, die sich unter den Schweizer Cloud-Anbietern zu den bekanntesten Namen gemacht haben.

Auch das Thema Social Media ist im Kommen, aber noch nicht so oft im Einsatz, wie es die Intensität der Bericht­erstattung über Facebook und Co. ver­muten liesse. «Das ist häufig so bei Hype-Themen: In dem Moment, wo sie durch die Medien gehen, sind sie noch nicht so verbreitet», sagt IDC-Analyst Kraus. «Erst wenn die Leute wieder weniger darüber sprechen, werden sie Realität.»

Für die nächste Zeit stehen andere Investitionsgebiete im Vordergrund: etwa der Einsatz von Videoconferencing, um Reisekosten zu sparen, oder von Unified Communication, um die Effizienz der Kommunikation nach innen und aussen zu erhöhen – was also in dieselbe Richtung geht. Auch dies eigentlich altbekannte Themen, die aber erst jetzt mehr und mehr Realität werden.

Mal sehen, ob die Kunden damit nächstes Jahr wieder einen solchen Sprung in der Zufriedenheit melden können.

Anzeige