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Iran-Geschäfte: Viel Hoffnung, doch wenig Konkretes

Iranischer Ingenieur: Der Aufbau von Schweizer Geschäftsbeziehungen braucht Zeit. Keystone

Nach dem Atomabkommen wollen westliche Länder mit dem Iran wieder lukrative Geschäfte machen. Auch die Schweiz. Doch zu konkreten Abschlüssen kommt es nicht. Noch sind die Hindernisse zu hoch.

Veröffentlicht 11.07.2016

Schweizer Unternehmen sind interessiert am Markt Iran. Aber das Knüpfen von Kontakten und der Aufbau von Geschäftsbeziehungen brauchen Zeit. Ein Hindernis bei Finanzierungen sind nach wie vor geltende Sanktionen der USA.

Am 14. Juli 2015 machte die Einigung im Streit über das Atomprogramm im Iran den Weg frei für die Aufhebung der Sanktionen gegen das Land. Effektiv aufgehoben hat die Schweiz ihre Sanktionen vor knapp einem halben Jahr, am 17. Januar.

Schweizer Firmen interessiert

Die Schweizer Wirtschaft und Politik versprechen sich viel vom neuen Markt mit gegen 80 Millionen Einwohnern: Gut einen Monat nach der Aufhebung der Sanktionen reiste eine von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann angeführte 40-köpfige Delegation aus Wirtschaft und Wissenschaft in den Iran.

Im Juni trafen sich Vertreter beider Länder in Bern zu einem ersten Wirtschaftsdialog. Der Austausch soll die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen vertiefen und die bestehenden Herausforderungen bei der Handelsfinanzierung überwinden. Die nächste Runde ist kommendes Jahr in Teheran geplant.

US-Sanktionen als Hindernis

Trotz Interesse ist es für die meisten Unternehmen noch zu früh, um Konkretes zu vermelden: Die Erfahrungen der Swissmem-Mitglieder habe gezeigt, dass der Wiederaufbau der Geschäftsbeziehungen Zeit und etwas Geduld brauchten, sagt zum Beispiel Ivo Zimmermann, Sprecher des Branchenverbandes. «Das gilt vor allem für das Geschäft mit Investitionsgütern.»

Das Interesse im Iran an Geschäftsbeziehungen sei da, doch wegen des tiefen Erdölpreises sei weniger Geld verfügbar. Erschwerend komme die wegen nach wie vor gültiger Sanktionen der USA sehr mühsame Finanzierung von Geschäften hinzu, sagt Zimmermann. Aus Furcht vor Massnahmen der USA stünden die Schweizer Geschäftsbanken noch nicht zur Verfügung.

Die Regierung in Teheran hat diese fehlenden Geschäftsverbindungen mit europäischen Banken wiederholt beklagt. Zum Beispiel liegt wegen der ungeklärten Finanzierung eine iranische Bestellung von 118 Airbus-Flugzeugen auf Eis. Die USA, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien sicherten im Mai Firmen und Banken mehr Klarheit über die Zulässigkeit von Geschäften mit dem Iran zu.

Suche nach Geschäftspartnern

In einer Umfrage von Switzerland Global Enterprise hat fast jedes vierte Schweizer KMU (24 Prozent) angegeben, dass es den Markt Iran 2016 neu angehen wolle. Die allermeisten Firmen beauftragten die Organisation konkret, Geschäftspartner im Iran zu suchen, sagt Suhail El Obeid, Berater für den Markt Iran.

An iranischen Messen hat die Organisation bisher drei Swiss Pavilions für KMU aus der Schweiz organisiert. «Wir raten KMU, den Markteintritt gründlich vorzubereiten und nicht zu unterschätzen», sagt El Obeid. Verlässliche, vertrauenswürdige Distributionspartner seien nötig, und es seien viele Hürden zu nehmen, etwa wegen regulatorischer Anforderungen oder kultureller Unterschiede.

Die schweizerisch-iranische Handelskammer bestätigte im Juni, dass ein Genfer Unternehmen den ersten Vertrag seit der Aufhebung der Sanktionen abgeschlossen habe. Welding Engineers wurde demnach beauftragt, einer neuen Unternehmung bei der Herstellung von Kautschuk zur Seite zu stehen.

Möglichkeiten in Prüfung

Der Industriekonzern ABB hat laut einem Sprecher seit Januar begonnen, Geschäftsmöglichkeiten im Iran zu prüfen. Auch die Pharmabranche stellt den Fuss in die Tür.

Novartis hat eine Repräsentanz und eine Vereinbarung mit einem lokalen Unternehmen für die Distribution und Fertigung vor Ort. «Wir bleiben offen für weitere Möglichkeiten, in Übereinstimmung mit geltenden Gesetzen und Vorschriften», so ein Sprecher.

Roche, seit 2004 im Iran vertreten, erwartet eine Entwicklung des iranischen Pharmamarktes. Für spezifische Aussagen über die Auswirkungen auf die dortigen Roche-Aktivitäten sei es aber noch zu früh, sagte eine Sprecherin. Die Roche Pharma Division hat um die 35 Mitarbeitende im Iran, die Roche Diagnostics Division um die 20.

Keine Direktflüge

Die Fluggesellschaft Swiss plant derzeit keine Direktflüge in den Iran und verweist auf Verbindungen ab Frankfurt und Wien. Eine iranische Airline wiederum bräuchte eine Bewilligung der Schweizer Behörden, um die Schweiz anzufliegen. Ein entsprechender Antrag liege nicht vor, hiess es beim Bundesamt für Zivilluftfahrt.

(sda/ccr)

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