«Grüezi und herzlich willkommen!» Viel mehr gibt das Online-Unternehmen Home24.ch noch nicht preis. Dass man dies aber auf einer Website mit Schweizer Domain tut, legt den Schluss nahe: Da nimmt ein weiterer deutscher Online-Bulldozer die Schweiz ins Visier.

Home24, derzeit in Deutschland, Holland, Frankreich und seit Januar 2013 in Österreich aktiv, ist ein Anbieter mit Muskeln, der «den Schweizer Möbelmarkt revolutionieren wird», wie man bei der Beratungsfirma Carpathia glaubt. Mit einem Sortiment von 30 000 Wohn­artikeln ist das Berliner Unternehmen seit 2009 aktiv. Es gehört, wie auch die Schuh-Revoluzzer von Zalando, zu einem grossen Teil dem deutschen Internet-­Inkubator Rocket Internet, hinter dem die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer stehen.

Zwar beteuert man in Berlin, den Schweizern per Firmen-Blog einfach ein paar Einrichtungs-Tipps geben zu wollen. Aber für Profis wie Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels (VSV), ist klar, dass man als erste Stufe seinen Firmennamen streuen und so Visibilität in Suchmaschinen schaffen will. Auch wenn hiesige Anbieter wie Pfister oder Schubiger bereits mit Online-Shops aktiv sind – Kessler sieht durchaus Chancen für die Deutschen: «Kleinmöbel im Bereich von 300, 400 Franken könnten gut laufen. Wer hierzulande in diesem Standard­bereich tätig ist, bietet Angriffsfläche.» Wie stark Home24 punktet, hängt für Kessler auch davon ab, «in welcher Heftig­keit die Firma auftreten wird».

Bis jetzt setzte Home24 auf Deftigkeit. Um den Online-Möbelkauf zu promoten, beschrieb man in deutschen Werbespots die Lage der gängigen Einrichtungshäuser schlicht mit «am Arsch der Welt». Helfen liess man sich dabei von der Agentur Jung von Matt. Um in der Schweiz zu landen, müssen die Deutschen aber noch ein paar Knacknüsse lösen. Logistik dürfte ebenso eine Frage sein wie die seit 2012 bestehende Deklarationspflicht für Holz und Holzprodukte. 

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