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Wasserverbrauch 
Inmitten der Dürre: Nestlé macht aus Milch Wasser

Tritt seinen Kritikern in Kalifornien entgegen: Nestlé.  Keystone

Nestlé gibt Millionen aus, um Abwasser in eine Flüssigkeit zu verwandeln, mit der die eigenen Fabriken gereinigt werden können. Damit will der Konzern in Kalifornien auch das Firmenimage aufpolieren.

Veröffentlicht 18.05.2015

Der grösste Wasserabfüller der USA installiert ein neues Filtrationssystem in einer Fabrik in Modesto, die knapp 145 Kilometer von San Francisco entfernt liegt, damit das Schmutzwasser aus der Produktion der Carnation Kondensmilch wiederverwendet werden kann, anstatt es in den Abfluss zu schütten. Damit will der Schweizer Konzern auch das Firmenimage aufpolieren - angesichts der Proteste im von Dürre heimgesuchten Kalifornien über sein Abfüllen von Trinkwasser in Flaschen. Die behandelte Flüssigkeit kann statt Süsswasser zur Reinigung und Kühlung eingesetzt werden, erklärt José Lopez, Head of Operations bei Nestlé, im Gespräch mit Bloomberg.

«Wir werden keine Grünfärberei betreiben»

«Wir werden keine Grünfärberei betreiben», sagt Lopez in dem auf Englisch geführten Interview in seinem Büro in Vevey in der Schweiz. “Es ist natürlich wirtschaftlich nicht sinnvoll, dies zu machen. Die Dürre in diesem Jahr lehrt uns, dass man sich überlegen muss, wie man sich anpasst. Was heute vom wirtschaftlichen Standpunkt aus nicht vollkommen empfehlenswert ist, wird zu einer Notwendigkeit werden.”

Mit dem Schritt tritt Nestlé seinen Kritikern in Kalifornien entgegen, während dem US-Bundesstaat das vierte Jahr eine Dürre zu schaffen macht. Im März hatten bis zu 24 Demonstranten mit Mistgabeln aus Plastik den Eingang eines Nestlé-Abfüllwerks für Wasser in Sacramento einen halben Tag lang blockiert. Mehr als 82'000 Personen unterzeichneten eine Petition, die Nestlé auffordert, nicht mehr das Wasser von einer Quelle in Südkalifornien in Plastikflaschen abzufüllen.

Wasserverbrauch um 71 Prozen senken

Der Umbau der Carnation-Fabrik, der 7 Millionen Dollar kostet, wird den Wasserverbrauch um 71 Prozent reduzieren, wenn die erste Phase im kommenden Jahr abgeschlossen ist, sagt Lopez. Die Anlage wird etwa 63 Millionen Gallonen jährlich einsparen. Das entspricht etwa neun Prozent der Wassermenge, die Nestlé in dem Bundesstaat für seine Produktion unter den Flaschenwasser-Marken Arrowhead und Pure Life benutzt.

Die Aufrüstung der Modesto-Fabrik ist Teil der Pläne des Unternehmens, den eigenen Wasserverbrauch in den zehn Jahren bis Ende 2015 weltweit um 40 Prozent zu reduzieren. Nestlé hat auch Wassereinsparungs-Projekte in seinen Eiscremeanlagen in Bakersfield und Tulare eingeleitet, und plant überdies Projekte zur Abwasserbehandlung in Südafrika und Pakistan.

Proteste wegen Nestlés Tafelwasser-Geschäft

Insbesondere Nestlés Tafelwasser-Geschäft ist Ziel der kalifornischen Proteste geworden. «Das ist die schwerste Dürre, die wir seit langem erlebt haben, und es ist unverantwortlich, dass der Staat Nestlé die Abfüllung von Wasser erlaubt, das eigentlich eine öffentliche Ressource sein sollte», sagt Adam Scow, Kalifornien-Chef bei der Wohltätigkeitsorganisation Food & Water Watch. «Wir fordern ein Moratorium der Wasserabfüllung zum privaten Profit.»

Nestlé sieht das anders. Der Schweizer Konzern benutzt in dem Bundesstaat jährlich 4 Millionen Kubikmeter Wasser, was weniger als 0,008 Prozent des Gesamtverbrauchs in Kalifornien ausmacht.

Grösseres Einsparpotenzial in der Landwirtschaft

In der Landwirtschaft gibt es ein grösseres Einsparpotenzial von Wasser als bei Nestlé, meint Lopez, denn für ein Kilogramm Fleisch werden beispielsweise tausende Liter virtuellen Wassers benötigt. Verbesserte Bewässerungspraktiken bieten seiner Einschätzung nach das höchste Einsparpotenzial. Darüber hinaus müsse der Staat auch seine Infrastruktur zur Wasserversorgung bessern, fügt er an.

«Abgefülltes Wasser ist von allem am sichtbarsten», erklärt der 62-jährige, der seit fast vier Jahrzehnten bei Nestlé arbeitet. «Es ist in Griffnähe, es hat eine Marke. Wasser ist eine emotionale Angelegenheit, dem kann man nicht entrinnen. Wir müssen die Leute verstehen.»

(bloomberg/ccr)

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