Herr Plüss, die Postauto-Tochter PubliBike schreibt seit der Gründung Millionenverluste. Wo klemmts?
Unsere Nutzerzahlen steigen steil an. Schweizweit verzeichnen wir über 10 000 Fahrten pro Tag. Profitabel sind wir aber noch nicht. Wir mussten viel ­investieren, um unsere Netze aufzubauen, und haben strenge ­Vorgaben von den Städten zu den Velos und den Stationen.

PubliBike hat ja in Bern und Zürich die Ausschreibungen ­gewonnen, weil man zum symbolischen Preis von einem Franken offerierte.
Aus heutiger Sicht war das schon mutig. Der Markt war neu, und wir waren sehr optimistisch. In der Realität sehen wir nun, dass es schwieriger ist. PubliBike hat damit jedoch private Unternehmen verdrängt. Mir ist kein Bikesharing-Anbieter bekannt, der ohne Subventionen einer Stadt profi­tabel ist. Tatsache ist: In Zürich und Bern erhalten wir kein Geld.

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Wie bitte? PubliBike gehört ja ­letztlich dem Staat.
Klar. Es fliessen aber keine Subventionen von Postauto oder der Post in das Unternehmen.

Wieso will sich die Post nicht von ­PubliBike trennen?
Mobilität als Thema ist unbestritten für die Post. Und dass sich öffentlicher und individueller Verkehr näherkommen, ist ein gesellschaftlicher Trend. Diesem wollen wir mit unserem Angebot für die letzte Meile gerecht werden.

Publibike Fahrraeder stehen bei einer Velostation, am Sonntag, 23. September 2018, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

PubliBike: Noch rechnet sich das Geschäft nicht.

Quelle: Keystone

Wie werden Sie profitabel? Steigen die Preise?
Wir sind sehr günstig. Ich schliesse daher nicht aus, dass wir ­irgendwann die Preise anpassen. Um wie viel, kann ich nicht sagen. Preis­anpassungen müssen wir auch mit den Städten abstimmen. Wichtig sind zudem Sponsoren wie Migros oder die ZKB und Firmenpartnerschaften: Google, Tamedia, die SBB und viele andere Firmen bieten ihren Mitarbeitern vergünstigte PubliBike-Abos an.

Wie viel Zeit geben Sie PubliBike noch?
Die Verträge mit den ­grossen Städten laufen bis 2023. In dieser Zeit wollen wir profitabel werden. Spätestens dann werden wir uns mit den Städten wieder an den Tisch setzen.

Die Daten zu Geld machen – eine Option?
Nein. Aktuell nutzen wir die Daten, um unsere Stationen und die Verkehrsflüsse zu opti­mieren. Möglich ist aber, dass wir irgendwann zusätzliche Dienstleistungen anbieten.

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