Der Brillenkonzern EssilorLuxottica erwägt die Übernahme des niederländischen Optik-Einzelhändlers GrandVision. Der GrandVision-Mehrheitseigner HAL hat bestätigt, dass es Gespräche mit EssilorLuxottica über einen Verkauf gebe. Es sei aber noch keine Übereinkunft zustande gekommen, hiess es.

Was passiert mit Visilab-Jobs?

Visilab-Patron Daniel Mori steigt unterdessen auf die Bremse, nachdem die Meldung für grosse Aufregung sowohl auf dem Kapitalmarkt als auch und in der Optikerbranche sorgte. Immerhin geht es bei der potenziellen Übernahme von Grandvision um mehrere Milliarden Dollar und tausende Jobs – auch in der Schweiz.

Mori: «Auf der Grundlage eines Angebots von EssilorLuxottica wurden Gespräche im Hinblick auf einen möglichen Erwerb der Mehrheitsbeteiligung von HAL an GrandVision geführt. Solche Diskussionen sind jedoch durchaus üblich, und es besteht keine Gewissheit, dass eine solche Übernahme stattfinden wird.»

Grandvision ist seit 2017 der Mehrheitseigentümer von Visilab. Seinerzeit verkaufte Daniel Mori eine Mehrheit des Unternehmens an den holländischen Giganten, der laut eigenen Angaben über 7000 Läden in mehr als 40 Ländern betreibt. Mori ist noch mit einer Minderheitsbeteiligung über die Genfer Genfer Groupe PP engagiert. Für den Juli dieses Jahres war eine Erhöhung der Anteile von Grandvision an Visilab gemäss der Übernahme-Vereinbarung von 2017 geplant.

Vorerst keine Änderungen

Daran soll sich trotz den laufenden Verkaufsgesprächen zwischen Essilor und HAL/Grandvision nichts ändern. «Ende Juli wird Grandvision voraussichtlich seinen Anteil an Visilab auf 79 Prozent erhöhen, während sich der Anteil des Miteigentümers, die Familienholding GPPH auf 21 Prozent verschiebt», sagt Daniel Mori.

Insgesamt würde mit dem Deal, falls er denn zustande kommt, so etwas wie ein europäischer Brillen-Monolith entstehen: Nachdem 2018 der grösste Brillenhersteller (Luxottica) mit dem grössten Hersteller von Brillengläsern (Essilor) fusionierte, soll nun auch noch einer der ganz grossen Brillen-Detailhändler (Grandvision) dazu stossen. Es geht um 7000 Läden in 40 Ländern.

Klare Vereinbarungen

In einem Schreiben vom 1. September 2017 in Genf wandte sich Mori noch an die Mitarbeiter der Visilab-Gruppe mit den Worten: «Ich bleibe weiterhin Präsident von Visilab. Sowohl alle Manager der Firma, als auch alle Partner und Mitarbeitenden behalten ebenfalls ihre gleichen Positionen. Das heisst, es gibt keine Änderung in unserer aktuellen Organisation.» Heute, fast zwei Jahre später ist Mori mehr denn je um Beruhigung bemüht: «Sollte die Übernahme durch Essilor stattfinden, hätte dies keine Auswirkungen auf das Geschäft in der Schweiz. Wir haben sehr klare Governance-Vereinbarungen, die nicht in Frage gestellt werden können.»

Ob das tatsächlich so eintrifft, wird sich weisen. Mit den neuen Mehrheitsverhältnissen hat Mori längst nicht mehr das Sagen. Wenn die holländische Mehrheit von HAL/Grandvision durch die französische Dominanz von Essilor am Visilab-Mehrheitseigner Grandvision ersetzt werden sollte, dann kann niemand garantieren, dass die Vereinbarungen von früher für Management und Mitarbeiter auch in Zukunft gelten.   

EssilorLuxottica ist ein Konzern, der aus der Fusion des französischen Brillenglasproduzenten Essilor und des italienischen Hersteller von Brillenfassungen Luxottica entstanden ist. Der Merger wurde anfangs 2017 bekanntgegeben und sorgte in der Folge für Schlagzeilen, weil sich die beiden nicht einig waren, wer den Lead hat. zum Konzern gehören Marken wie Ray Ban und Oakley. Der Umsatz beträgt über 16 Milliarden Euro im Jahr. Hauptsitz ist Paris. 

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