Klick-Klick, schon ist das neue Sommerkleid gekauft. Das ist die Idee von Googles neuem Kauf-Knopf: Auf dem Smartphone soll der Werbung bei Google ein «Buy Button» angehängt werden. Sucht der Käufer nach einem Produkt, wie zum Beispiel einem Sommerkleid, kann er direkt über die Anzeige das gewünschte Modell kaufen.

Der Google-Nutzer spart sich den Weg auf die Seite des Onlineshops, die Zahlung wird über ein Pop-up-Fenster abgewickelt. Zahlungsinformationen und Adresse will der Suche-Riese speichern, der Versand selbst wird nach wie vor vom Onlineshop organisiert. Soweit die Theorie, bisher befindet sich der «Buy Button» noch in der Versuchsphase.

Mobile Werbung zwingt Google zum Handeln

Google verbindet grosse Hoffnungen mit dem geplanten Dienst. Denn für das Unternehmen wäre er eine Antwort auf ein heikles Problem: Die Suchmaschine finanziert sich bekanntlich vor allem über Werbung. Die Nutzer aber surfen immer häufiger per Smartphone denn per PC oder Notebook. In zehn Ländern sind Google-Suchen auf Mobil-Geräten schon häufiger als solche auf Computern.

Allerdings ist Werbung aus Platzgründen auf Smartphones schwieriger zu gestalten. Sie führt dort auch seltener zum Erfolg als auf herkömmlichen Geräten. Und darum sind die Einnahmen von Google gefährdet. Auf dem Smartphone kommen darum besonders Anzeigen mit Bildern in Frage, die allerdings für den Werbenden teurer sind. Ein Kaufbutton direkt auf dem Bild vom Produkt wäre also ein Service an die Werbekunden, der einen höheren Preis rechtfertigt. Google will denn auch für die getätigten Einkäufe per «Buy Button» keine Provision verlangen, wie bisher zahlen Onlineshops Google lediglich für die geklickten Anzeigen.

Auf Smartphones shoppen Nutzer anders

Ausserdem wichtig: Mobile Geräte sind für die Nutzer anders in der Handhabung als der Computer. Häufiges Seitenwechseln und Eingaben in Bestell- und Zahlungsformulare sind vergleichsweise mühsam auf den kleinen Bildschirmen. Auch darum sucht Google nach einer Möglichkeit, einen Kauf mit wenigen Klicks zu ermöglichen.

In der Schweiz hätte ein solches Angebot durchaus Potenzial, meint Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis. «Wenn Google diese Funktion anbietet, wird diese von vielen Kunden genutzt werden», sagt er. Denn auch in der Schweiz steigt die Anzahl der Käufe per Smartphone: Bereits heute werden laut Beratungshaus Carpathia in der Schweiz jährlich Waren und Dienstleistungen für 1 bis 2 Milliarden Franken via Smartphone umgesetzt. Und die Order per Handy nehmen zu.

Digitec als Onlineshop steht dem «Buy Button» ebenfalls offen gegenüber. Der Kauf-Knopf sei gerade für die Neukundengewinnung und als ergänzender Absatzkanal zum Onlineshop interessant.

Amazon und Apps machen Google das Leben schwer

 Mit dem «Buy Button» versucht Google, gegenüber dem Riesen im Online-Handel zu punkten. Denn im wichtigsten Markt USA kaufen wesentlich mehr Nutzer per Amazon: Gerade 11 Prozent der Onlineshopper suchen per Google, verglichen mit 39 Prozent bei Amazon. Eine weitere Konkurrenz für die Suchmaschine sind Apps von Onlineshops, auch darüber fallen Besucher für Google weg.

Am neuen Kaufkonzept gibt es aber auch Kritik: Um Nutzern das Zahlen zu ermöglichen, speichert der Konzern Konto- und Lieferinformationen. So kommt er zu noch mehr Daten über seine Nutzer. Bereits jetzt steht Google Shopping – worauf der «Buy Button» aufbaut – heftig in der Kritik. Die EU-Kommission wirft Google vor, seine Produkt-Suche mit bezahlten Anzeigen bevorzugt zu platzieren. Kritiker vieler Parteien fordern, dass das Geschäft der Suchmaschine von den anderen «kommerziellen Dienstleistungen» getrennt wird. Denn mit der jetzigen Mischform betreibe das Unternehmen Machtmissbrauch.

Google könnte Onlineshops Mühe machen

Einen weiteren Nachteil sieht Digitec: Liefe der Kauf per Google, fielen Extradienstleistungen wie Garantieverlängerungen weg. Generell könnte es für Onlineshops aber schwieriger werden, eine Beziehung zum Kunden aufzubauen, so das «Wall Street Journal». Im schlimmsten Fall seien sich die Käufer nicht mehr bewusst, auf welchem Shop sie einkauften und kehrten auch entsprechend seltener zurück. Auf der Google-Bezahlseite sollen zwar weitere Produkte des gleichen Händlers angezeigt werden, ob dies die gleiche verkaufsfördernde Wirkung hätte wie das Surfen auf der Webseite, ist unklar.

Auch für Google selbst ist der «Buy Button» nicht ohne Risiko, meint Comparis-Experte Ralf Beyeler. Dadurch, dass der Kunde Google wahrnehmen würde und weniger den Online-Shop, der das Produkt verkauft, könnte der Suchgigant für Kundendienstfehler verantwortlich gemacht werden, obwohl diese Verantwortung beim den Lieferanten läge.

Google ist dabei nicht der erste Konzern, der die Kauf-Funktion per Werbung testet. Facebook hatte bereits 2011 einen Testlauf durchgeführt und erkennen müssen, dass das Interesse bei den Smartphone-Nutzern noch nicht vorhanden war. Vor Kurzem aber hat Facebook hat den Dienst reaktiviert – und hofft auf Marktreife des Online-Shoppings per Smartphone.

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