Nicht überall löst der steigende Goldpreis Freude aus. Dies gilt auch für die Goldraffinerien, auch Scheideanstalten genannt. Sie trennen verunreinigtes Gold von Silber und anderen Rückständen und schmelzen danach das Gold in der gewünschten Reinheit zu Barren oder anderen Produkten. «Je höher der Goldpreis steigt, desto kleiner ist die physische Nachfrage nach Bankbarren», sagt Erhard Oberli vom Edelmetallverarbeiter Argor in Mendrisio. Doch da auch für Schmuckhersteller Gold immer teurer wird, gibt es für die Raffinerien derzeit weniger zu scheiden.

Bis vor einigen Jahren unterhielten alle Grossbanken, damals noch Bankverein, Bankgesellschaft und Kreditanstalt, eigene Edelmetall-Raffinerien. Heute sind sie nur noch Kunden. Die Metalor in Neuenburg gehörte früher dem Bankverein und sollte von Sanierer Ernst Thomke 2001 an die Börse gebracht werden. Damals beschäftigte Metalor 1500 Personen, heute sind es rund 1100 Angestellte, wobei das Raffineriegeschäft nur knapp ein Viertel an den Umsatz von gut 250 Millionen Franken beisteuert. Der grösste Teil des Reingewinns stammt aus Finanzgeschäften, bisher vorab aus der Beteiligung an Nobel Biocare. Das Aktienpaket ist mittlerweile verkauft; nun muss Metalor beweisen, dass man auch mit Gold gutes Geld verdienen kann.

Die Ex-CS-Tochter Valcambi hat dies bereits bewiesen. «Wir haben in den letzten zwanzig Jahren nie rote Zahlen geschrieben», sagt Direktor Michael Mesaric. Zusammen mit den einstigen Gründern der Goldschmiede erwarb Newmont Mining Ende 2003 Valcambi von der CS. Der weltweit grösste Goldförderer sorgt für genügend Rohstoff, der Anteil an Minengold soll in den nächsten Jahren von derzeit 40 auf gegen 70 Prozent steigen. «Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu finden, ist in diesem Geschäft schwierig», sagt Mesaric. Die Industrie leidet unter Überkapazitäten. Metalor-Finanzchef Alfred Hiltmann schätzt die nicht ausgelasteten Raffineriekapazitäten in der Schweiz auf rund 50 Prozent. Weltweit dürften es laut Experten deutlich mehr sein: Laut Mesaric verfügen die 51 anerkannten Raffinerien über eine Kapazität von mehr als 5800 Tonnen Gold – produziert werden jährlich nur rund 2500 Tonnen.

Je nach Goldgehalt des angelieferten Materials ist die Raffineriekapazität aber keine fixe Grösse. «Die Kapazität an sich spielt keine entscheidende Rolle. Wichtiger ist, dass man schnell auf den Markt reagieren und bei Bedarf sofort mehr raffinieren kann», so Mesaric. Trotz den Überkapazitäten wird im Tessin ausgebaut: Valcambi will 20 zusätzliche Stellen schaffen. Auch Argor sorgt laufend für neue Jobs. 1988 beschäftigte man noch 68 Leute, heute sind es fast doppelt so viele.

Neben den etablierten Raffinerien hat sich noch ein Aussenseiter etabliert: Pamp gehört der libanesischen Edelmetallhändler-Familie Shakarchi, bekannt geworden durch die Geldwäscherei-Verdächtigungen gegen Mohammed Shakarchi. Obwohl sich der Verdacht als unbegründet erwies, musste Shakarchi nochmals von vorne anfangen: Er zog nach Dubai und betreibt dort mit der Emirates Gold die grösste Goldraffinerie. Seine Halbgeschwister haben von Genf aus ihr Goldangebot weiter ausgebaut und bezeichnen sich als einen der grössten Händler im Fernen Osten sowie in Indien. Bei der Übernahme durch Shakarchi beschäftigte Pamp knapp 40 Leute, heute sind es gut dreimal mehr.

Pamp ist auf grösste Diskretion bedacht. Auch die anderen Goldschmiede halten sich bedeckt, möchten am liebsten «gar nicht erst in der Presse erscheinen».

Weniger zimperlich zeigt sich die Branche dafür bei ihren Geschäftspraktiken. Ausser Valcambi wurden alle grossen Raffinerien der Schweiz kürzlich in einem Bericht der Human Rights Watch der Unesco aufgeführt, weil sie mit «Blutgold» aus Kongo handelten.

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