Offiziell ist alles in bester Ordnung: «Von Spannungen kann überhaupt keine Rede sein», sagt Migros-Handelschef und Globus-Präsident Dieter Berninghaus: «Ich hatte und habe all die Jahre an Jean-François Zimmermann nichts zu kritisieren.» Dessen überraschender Abgang als CEO der Warenhauskette Globus sei «in bestem Einvernehmen und auf seinen Wunsch» erfolgt.

Dabei konnte man aus dem Interview, das Berninghaus der «SonntagsZeitung» gegeben hatte, zwischen den Zeilen durchaus Veränderungsbedarf auf dem Chefposten herauslesen: «Für die nächste Phase braucht es einen durchsetzungsstarken Unternehmer, der sich nicht scheut, schwierige Situationen ­anzupacken», begründete Berninghaus den Wechsel.

Nicht immer die gleichen Werte

An den Zahlen kann es nicht gelegen haben. Globus und auch deren Modetochter Schild halten sich in der schwierigen Marktphase im Konkurrenzvergleich gut. Aber dass der Deutsche und der Romand nicht immer die gleichen Werte teilen, war in der Warenhaus-Chefetage kein Geheimnis.

Zwar kein Grund für den Chefwechsel, aber wenig harmoniefördernd soll unter anderem das Engagement der Unternehmensberatung Retail Capital Partners (RCP) bei Globus gewesen sein. Die Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft mit Schwerpunkt Einzelhandel in Pfäffikon SZ wurde 2011 vom ehemaligen Roland-Berger-Mann Hendrik Gottschlich gegründet.

Gottschlich und Berninghaus kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in Deutschland. Berninghaus soll Gottschlich unter anderem dem früheren Denner-Eigner Philippe Gaydoul em­p­fohlen haben. Für diesen fahndete Gottschlich nach Investmentmöglichkeiten; später leitete er während zweieinhalb Jahren Gaydouls Schuhkette Navyboot.

Seit mehreren Jahren beim Migros-Konzern engagiert

Seit mehreren Jahren ist RCP beim Migros-Konzern engagiert. Unter anderem setzte Berninghaus RCP für die Due Diligence der Schild-Gruppe ein. Auch für deren Integration in den Globus-Konzern ist RCP feder­führend. Allein bei Schild soll jeden Monat ein niedriger sechsstelliger Betrag in Rechnung gestellt werden – viel Geld für ein Unternehmen mit nur 170 Millionen Franken Umsatz und den hauchdünnen Margen des Textileinzelhandels. Laut Berninghaus hat Zimmermann die Beratung von RCP geschätzt, mehrere Vorschläge seien in die neue Strategie eingeflossen.

Zimmermann leitete sechs Jahre lang den Verkauf von Globus und rückte vor drei Jahren an die Spitze des Warenhauses. Ersetzt wird er nun durch den bisherigen Schild-Chef Thomas Herbert.

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