Die Ankündigung war keine Überraschung: Der Rohstoffkonzern Glencore aus Baar und das Zuger Bergbauunternehmen Xstrata fusionieren. Die neue Glencore Xstrata International erzielt auf der Basis der letztjährigen Zahlen einen Umsatz von 209 Milliarden Dollar und einen Betriebsgewinn von 16,2 Milliarden. Die Börsenkapitalisierung beläuft sich auf mehr als 90 Milliarden Franken.

Der Zusammenschluss wird als ­«Fusion unter Gleichwertigen» etikettiert. Im künftigen Topmanagement hat aber Xstrata das Sagen. Konzernchef wird Mick Davis, derzeit CEO von Xstrata. Glencore-CEO Ivan Glasenberg muss sich mit dem Job als Deputy CEO zufriedengeben. Auch der neue Finanzchef Trevor Reid kommt von Xstrata, der aktuelle Glencore-CFO Steven Kalmin wird ebenfalls degradiert. Sogar der Verwaltungsratspräsident ist ein Xstrata-Mann: Sir John Bond.

Die Glencore-Führungsriege sei freiwillig ins zweite Glied zurückgetreten, heisst es in Baar. Denn Glasenberg will die Fusion diesmal unbedingt durchziehen. Frühere Gespräche wurden abge­brochen, weil Davis auf der Nummer eins bestand. Davis habe sich gegenüber Glasenberg immer zurückgesetzt gefühlt, wird aus seinem Umfeld berichtet. Glencore ist mit einer Beteiligung von 34,1 Prozent grösster Aktionär bei Xstrata. Das gab den Baarern bei Vertragsverhandlungen über die Abnahme von Rohstoffen eine starke Position.

Glasenberg hat weniger die Macht als sein Vermögen im Blick. Als Glencore im Mai 2011 an die Börse ging, staunten alle ob seiner riesigen Beteiligung von 15,8 Prozent. Damals war das Paket 8,2 Milliarden Franken wert. Doch die Hoffnungen des Neo-Multimilliardärs auf Kurs­gewinne gingen nicht auf; im Gegenteil schmierten die Titel bis im Sommer um 30 Prozent ab, Glasenbergs Vermögen sank um fast 2,5 Milliarden. Im Vorfeld der Fusionsgespräche schossen die Aktien vorübergehend wieder um rund 20 Prozent in die Höhe. Der künftige Deputy CEO rechnet dank der Fusion erneut mit milliardenschweren Wertzuwächsen.

Auch andere Glencore-Topmanager freuen sich dank saftigen Beteiligungen an Milliardenvermögen. Sogar das vergleichsweise mickrige Aktienpaket von Finanzchef Kalmin ist 471 Millionen Franken wert. Dagegen nehmen sich die Beteiligungen der Xstrata-Gewaltigen höchst bescheiden aus. Das Reichtums-Gefälle ist keine gute Basis für eine ­erspriessliche Zusammenarbeit. 

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