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Offenlegung 
Gläserne Lebensmittel: Das neue Gesetz und seine Folgen

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Einkaufen: Detailhändler und Produzenten müssen Angaben über Inhalte und Warenkette machen.Keystone

Das revidierte Lebensmittelgesetz zeigt seine Wirkung: Noch nie konnten Konsumenten soviel über die Inhalte und die Warenkette von Lebensmitteln erfahren. Firmen zahlen für die Offenlegung Millionen.

Detailhändler und Nahrungsmittelproduzenten haben in den letzten Monaten Millionen in die Transparenz ihrer Produkte investiert. Nicht nur um das neue Lebensmittelgesetz zu erfüllen, sondern auch weil Kunden mehr Auskunft über Allergene, Zucker und Salz sowie die Warenkette verlangen.

Noch nie konnten Konsumenten soviel über die Inhalte und die Warenkette von Lebensmitteln erfahren. Seit Inkrafttreten des revidierten Lebensmittelgesetzes im Mai müssen bei den Produkten im Ladenregal neben den Inhaltsstoffen neu etwa alle Allergene und kurze Nährwerte wie Salz deklariert werden. Bis in einem Jahr sollten die Informationen auch im Online-Einkauf ersichtlich sein.

Neu muss Fangmethode angegeben werden

Konkrete Angaben über die Warenkette und Produktionsmethoden machten bisher vor allem nachhaltigen Labels wie Bio Suisse. Neu muss je nach Vertriebskanal die Fangmethode überall angegeben werden, wie etwa bei Fisch. Bei einigen Fleischstücken muss das Land deklariert werden, wo das Tier geboren wurde, wo es den überwiegenden Teil des Lebens verbrachte, und wo es zerlegt und geschlachtet wurde.

Die Non-Profitorganisation GS1 Schweiz (Global Standard One) hat im Auftrag ihrer Mitglieder, der Retailer und Verarbeiter, die Logistikdatensysteme auf die neu erforderte Transparenz vorbereitet.

Dafür hat GS1 die Plattform und App Trustbox entwickelt, die die Produktinformationen vom Produzenten bezieht. Im Gegensatz zur Crowdsourcing-Lösung des Strichcodes kann auch nur der Produzent die Inhaltsangaben der Trustbox ändern.

Hug weist Tausend Produkte aus

Beim Trustbox-System mit machen zwei Monate nach Inkrafttreten der neuen Gesetzgebung rund 80 Schweizer Nahrungsmittelproduzenten wie etwa Hug Guetzli, Hügli Nahrungsmittel und Gasparini Glacé. Dies sagt Domenic Schneider, Senior Manager von GS1, der sda. Hug habe aktuell rund 1000 Produkte registriert, welche täglich aktualisiert werden. Bei Trustbox dabei seien vor allem Schweizer Unternehmen, aber auch einzelne aus dem Ausland wie Hilcona oder Dr. Oetker.

Auf der Retailseite werden laut Schneider 10 bis 15 Unternehmen mit Inhaltsangaben beliefert - Manor, Spar, Migros, viele Grosshändler sowie Gastronomiebetriebe und Kliniken. Die Geschäftspartner erhalten so die Inhaltsangaben für ihre Menus oder Produktedeklarationen. Ein Gastrobetrieb kann alle Allergene in den jeweils aktuellen Speisekarten ausweisen.

Umstellung kostet Firmen 270 Millionen Franken

Der Gesetzesänderung habe zu einer grossen Nachfrage nach der Plattform geführt, führte Schneider aus - auch von Seite der Konsumenten. Diese können seit zwei Jahren die gesamten Inhaltsstoffe über die gratis App oder die Plattform von Trustbox mithilfe des Barcodes oder über die Produktbezeichnung einsehen. 2016 gab es 1000 User heute sind es 3500.

Von täglichem Interesse ist die App für Allergiker, Veganer und alle, die wissen genau wollen, was sie essen.

Der Bundesrat schätzte, dass die erstmalige Umstellung auf das neue Gesetz die Unternehmen und Produzenten rund 270 Millionen Franken kostet und danach jährlich weitere 46 Millionen Franken. Migros und Coop befinden sich nach eigenen Angaben inmitten der Umsetzung. Die Kosten wollen sie nicht beziffern.

Auch die Warenkette wird transparenter

Der Transparenz-Trend erfasste auch die Warenkette der Produkte, aber weniger wegen dem neuen Lebensmittelgesetz. Danach müssen die Hersteller die Rückverfolgbarkeit der Produkte weiterhin gewähren, aber sie müssen nicht mehr einzelne Produktionsländer deklarieren.

Technologisch wird es aber immer einfacher die ganze Produktionskette auszuweisen und die Detailhändler rüsten entsprechend auf. Coop erfasst derzeit die Warenketten einheitlich über das GS1-Warensystem. «Unser Ziel ist es, künftig alle unsere Produkte dort zu integrieren», sagt Coop-Sprecherin Andrea Bergmann.

Migros stellt rund 70 Prozent der Lebensmittel in Schweizer Produktionsbetrieben her. Bei Waren von Drittlieferanten gebe Migros auf Wunsch gerne Auskünfte, erklärt Migros-Sprecherin Christine Gaillet. Bei frischen Eiern können die Konsumenten mittels Code bereits herausfinden, bei welchem Produzenten die Eier gelegt wurden.

Vor allem Labelprodukte geben Einblick

Einblick in die Warenkette geben in der Schweiz vor allem Labelprodukte wie etwa jene von Bio Suisse. So ist auf der Bio Pizza Margherita von Coop angegeben, dass der Oregano aus Peru kommt. Darüber hinaus garantiert die Bio Suisse, dass der Oregano-Produzent ihre ökologischen Standards erfüllt.

Breitflächige Deklarationen ausserhalb von Labelprodukten gibt es auch international noch nicht sehr viele. Der US-Fleischkonzern TysonFoods ermöglicht den Konsumenten etwa die Rückverfolgung von Geflügelprodukten bis zum Landwirt mittels eines sogenannten SmartLabels mit Code.

Qualitätslabels basieren auf Transparenz

Durch den Trend zur Offenlegung fühlt sich Bio Suisse nicht unter Druck gesetzt. Was Bio Suisse auszeichne, sei die Transparenz über die Qualität der Herstellung und Herkunft, sagt Bio-Suisse-Sprecherin Ania Biasio.

Die Umweltschutzorganisation WWF unterstützt Labels wie das Fisch-Label MSC. «Labels sind eine Möglichkeit, um eingehaltene Umweltanforderungen einfach an Kunden zu kommunizieren», sagt WWF-Sprecherin Corina Gyssler.

Nahrungsmittel und Rohstoffe seien sehr relevant aus Umweltsicht. Sie verursachten etwa rund ein Viertel der weltweiten Treibhausgase. Bedarf nach mehr Transparenz und Umweltstandards bestehe etwa bei Fleisch, Milchprodukten, Reis, Soya, Palmöl, Meeresfrüchten, Kaffee, Kakao und auch bei Früchten und Gemüse.

(sda/ccr)

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