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Geplatzter Sika-Deal wäre für Familie Burkard ein Gewinn

Geplatzter Sika-Deal wäre für Familie Burkard ein Gewinn
Urs Burkard: Kämpft immer noch für einen Verkauf seiner Sika-Aktien.Keystone

Durch die starke Performance der Sika-­Aktien verliert das Kaufangebot von Saint-­Gobain 
an Attraktivität. Für die ­Familie Burkard ­wäre 
ein geplatzter Deal ein Gewinn.

Von Erich Gerbl
2017-09-26

Als sich die Familie ­Burkard im Herbst 2014 mit Saint-Gobain über den Verkauf ihrer Namen­aktien ge­einigt hatte, glaubte sie wohl, ein sehr ­gutes Geschäft gemacht zu haben. Die Franzosen legten für das 16,1-Prozent-Aktienpaket der Gründerfamilie satte 2,75 Milliarden Franken auf den Tisch. Die mit 52,4 Prozent der Stimmrechtsanteile ausgestatteten Namenaktien wurden damals noch rund 80 Prozent höher bewertet als die kotierten ­Inhaberaktien.

Doch inzwischen dürfte bei der Familie Burkard die Freude über den Deal nicht mehr so riesig sein. Das liegt nicht nur an den jahre­langen Rechtsstreitigkeiten und der schlechten Presse.

Sika-Aktie ging stetig bergauf

Nachdem die erste Unsicherheit überstanden war, ging es mit dem Kurs der Sika-Aktie stetig bergauf. Seit dem Tag des Angebots legten die Wertpapiere um 107 Prozent zu. Inklusive Dividende liegt der Zuwachs gar bei 119 Prozent. Der Leitindex SMI schaffte es derweil gerade auf ein Plus von acht Prozent.

Durch die Kursavancen verliert das Angebot von Saint-Gobain enorm an Strahlkraft. Mittlerweile sind die mit den einfachen Stimmrechten ausgestatteten, frei zugänglichen Publikumsaktien höher bewertet als die stimmgewaltigen Namenaktien der Burkards.

3 Milliarden mehr zum Preis von Inhaberaktien

Würden sie ihre Namenaktien ­gegenwärtig zum Preis von Inhaberaktien verkaufen, nähmen sie 3 Milliarden ein – 250 Millionen mehr, als Saint-Gobain geboten hat.

Zudem müssten die Burkards vom Kaufpreis auch noch die Dividende der vergangenen Jahre ab­ziehen. Das ist zwar nicht offiziell bestätigt, aber wahrscheinlich. Solche Klauseln sind in Verträgen ­üblich, sonst hat der Käufer unkalkulierbare Opportunitätskosten.

Aus finanzieller Sicht wäre es für die Burkards kurioserweise unterdessen ein gutes Geschäft, wenn der Verkauf des Familiensilbers doch noch platzen würde.

Sika bleibt ihrer Linie treu

Offiziell bleibt Sika ihrer Linie treu. Urs Burkard tut immer noch kund, dass er nicht vorhabe, mit dem Verwaltungsrat zu verhandeln, und ihn möglichst rasch loswerden wolle. «Eventuell läuft hinter der Bühne mehr, als man sieht», spe­kuliert Martin Hüsler, Teamleiter Aktienresearch bei der ZKB.

Doch Sika ist vertraglich gebunden, und so leicht wird sich Saint-Gobain nicht abschütteln lassen. Denn obwohl Saint-Gobain bald drei Jahre auf einen Abschluss wartet, wird es aus Bewertungssicht ein ­immer besserer Deal. «Für Saint-Gobain ist Sika mittlerweile ein Schnäppchen. Die Franzosen treten auf dem aktuellen Niveau kaum zurück», sagt Analyst Hüsler.

Erst wenn das Bundesgericht das bisherige Urteil bestätigt, muss die Familie über einen Plan B nachdenken. Hüsler: «Das dauert wohl noch ein Jahr. Vorher steht Saint-Gobain im Weg.» Wegen der höheren Aktienbewertung müsste sich in jedem Fall ein deutlich höherer Preis durchsetzen lassen.

 

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