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Asset Management 
Gebäutelte GAM will an Konkurrent verkaufen

Friedmann
Alexander Friedman: Der Chef von GAM sucht die Flucht nach vorne.Quelle: ZVG

Nach der Halbierung seines Börsenwertes ist der Zürcher Asset Manager GAM offenbar in Gesprächen über einen Verkauf. Investoren jubeln.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
11.10.2018

So viel Licht wie letzten Mittwoch haben die Aktionäre von GAM schon lange nicht mehr gesehen. Kurz vor dem Mittag hob die an der Schweizer Börse kotierte Aktie wie eine Rakete ab – und beendete den Handelstag mit einem Plus von 12,9 Prozent auf 7.93 Franken. GAM holte sich damit den Tagessieg aller Titel im breiten SPI-Index.

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Grund für den plötzlichen Höhenflug waren Meldungen von «Bloomberg», wonach GAM Gespräche über einen Verkauf an einen Konkurrenten führe. Noch sei die Verhandlungen in einer frühen Phase, zitierte die Agentur anonyme Quellen. Ob ein Deal überhaupt zustande komme, sei keineswegs sicher.

Komplett-Verkauf oder Teilverkauf: Noch ist gar nichts klar

Am Verhandlungstisch sitzen laut den Insidern diverse Interessenten. Einige von ihnen seien, heisst es, an einer Komplett-Übernahme von GAM interessiert sein. Andere wiederum würden sich nur für bestimmte Firmenteile ansehen. GAM verweigerte jeglichen Kommentar zu den Spekulationen.

Sicher ist: Ein Verkauf würde niemanden überraschen. Erstens ist der Konsolidierungsdruck in der Asset-Management-Branche hoch. Insbesondere deshalb, weil die Gebührengelder von Kunden nicht mehr so reichlich fliessen wie in der Vergangenheit. Erst letztes Jahr haben sich deshalb zwei Riesen der Branche – Aberdeen und Standard Life – zusammengeschlossen. Zweitens hatte der GAM-Verwaltungsrat um Präsident Hugh Scott-Barrett bereits im August verlauten lassen, er würde sich sämtliche strategischen Optionen anschauen

A GAM employee works at his desk in an office at the Prime Tower, a skyscraper, where the pure play asset management group GAM is headquartered, pictured in Zurich, Switzerland, on March 13, 2017. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
GAM-Mitarbeiter im Zürcher Prime-Tower.
Quelle: © KEYSTONE / GAETAN BALLY

Unter Druck geraten ist das Unternehmen, nachdem es einen Star-Fondsmanager wegen Verletzungen von internen Risikomanagement- und Compliance-Regeln vor die Tür gesetzt hatte.

Mit einem Whistleblower hat alles angefangen

Seine Verstösse waren im November 2017 von einem internen Whistleblower gemeldet worden und im Juli von einer frisch eingesetzten Compliance-Verantwortlichen geahndet worden. In der Folge zogen etliche Kunden ihre Gelder ab. GAM war gezwungen, die Fonds zu schliessen.

Noch immer ist das Unternehmen damit beschäftigt, die Vermögenswerte der Fonds zu versilbern und Kundengelder auszubezahlen. Die Compliance-Managerin hat GAM bereits wieder verlassen – nach nur vier Monaten im Amt.

Nach Halbierung des Aktienkurses zum Übernahmeziel geworden

Die Aktionäre goutierten das Durcheinander bei GAM nicht. Die Firma war bekannt für fürstliche Löhne für die eigenen Top-Leute, aber eben auch für gute Renditen für die Kunden.

Seit Anfang Jahr sank die Aktie um rund 50 Prozent. Mit einer Börsenkapitalisierung von noch rund 1 Milliarden Franken – Peanuts in der Branche der professionellen Geldverwalter – ist GAM zu einem Übernahmeziel geworden.

Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass Firmenchef Alex Friedman weiter an einer Zukunft von GAM als selbständige Firma arbeitet. Ob ihm das gelingen wird, hängt massgeblich davon ab, wie gut oder schlecht die Zahlen zum dritten Quartal sind, welche GAM in rund zwei Wochen publiziert. Deuten die Resultate darauf hin, dass sich die Lage bei GAM stabilisiert, könnte Friedmans Unabhängigskeits-Strategie gewissen Aufwind bekommen.

Ist das Gegenteil der Fall, dürfe es für Friedman – und GAM als eigenständige Firma – eng werden.

(mit Material von Bloomberg)