Manor gibt sich geschlagen. Nach 35 Jahren schliesst Ende Januar 2020 die prominente ­Filiale an der Zürcher Bahnhofstrasse. «Swiss Life wollte mit ­Manor nicht mehr weiterfahren», sagt ­Manor-Chef Jérôme Gilg.

Noch im August hatten die Manor-Besitzer Maus Frères um Patron Didier Maus der Immobilienbesitzerin vergeblich ein Kaufangebot von 535 Millionen Franken unterbreitet. Es kam reichlich spät. Kritiker werfen Manor vor, nicht rechtzeitig eine Alter­native gesucht zu haben.

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Rechtsstreit seit 10 Jahren

Dass sich die beiden Parteien nicht einigen konnten, überrascht nicht. Sie stehen seit bald zehn Jahren in einem verworrenen Rechtsstreit. Auslöser war, dass Swiss Life den langjährigen Vertrag auslaufen lassen wollte und mehr Miete verlangte: Statt 6 Millionen sollte Manor 19 Millionen Franken im Jahr bezahlen – etwas mehr als ein Viertel des Umsatzes der Filiale an der Bahnhofstrasse.

Das kann und will sich die Gruppe mit 61 Warenhäusern nicht leisten. Für sie ist klar: Swiss Life hatte keine Absicht, dass Manor in Zürich bleibt.

Der Lebensversicherer lässt diese Anschuldigung indes nicht auf sich sitzen. Und verschickte eine ungewohnt gepfefferte Mitteilung: Es sei nicht seine Aufgabe, ­einen Konzern mit dem Geld der Versicherten zu subventionieren.

«Es könnten auch über 30 Millionen sein»

Dass Swiss Life im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld kein Interesse daran hat, eine lukrative Immobilie zu verkaufen, liegt auf der Hand. Ebenso, dass sie nach 30 Jahren einen ­höheren Mietzins verlangt. Laut einem Zürcher Immobilienexperten lässt sich ­allein das Erdgeschoss für 6 Millionen Franken vermieten.

Noch höher schätzt Immobilienvermittler Marc Riebe den ­potenziellen Mietzins: «Die von Swiss Life verlangten 19 Millionen Franken waren nur der Richtwert für Manor. Teilt man die Flächen auf mehrere Mieter auf, könnten es auch über 30 Millionen sein.»

Manor hätte also einen höheren Mietzins akzeptieren müssen. Ein Entgegenkommen sei jedoch für die Maus-Frères-Gruppe von Anfang an ausgeschlossen gewesen, sagt ein intimer Firmenkenner.

Die Fronten bleiben verhärtet. Maus Frères sagt auf Anfrage: «Swiss Life hat uns nie einen kon­kreten Vorschlag unterbreitet, der es uns ermöglicht hätte, über den 31. Januar 2020 hinaus im Gebäude zu bleiben.» Man sei noch immer auf der Suche nach einer ­Alternative. Manor soll auch künftig in der Zürcher Innenstadt vertreten sein.