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Interview 
Freitag: Statt Taschen nun kompostierbare Hosen

Daniel und Markus Freitag: Die Gründer des Taschenlabels bieten jetzt Kleidung an.   Keystone

Sie sind bekannt für ihre Taschen aus LKW-Planen, nun wagen sich die Brüder Freitag eine neue Herausforderung: Seit Neuestem verkaufen sie kompostierbare Kleidung. Gründer Daniel Freitag im Interview.

Von Karen Merkel
31.10.2014

Als Hersteller von Recyclingtaschen aus LKW-Plane wagen Sie sich an die Produktion von kompostierbarer Kleidung. Was für Erwartungen haben Sie dabei?
Daniel Freitag*: Wir bieten zunächst eine Hose, ein T-Shirt und ein Longsleeve an, jeweils für Männer und Frauen. Ausserdem einen Workdress für Frauen. Es ist also noch keine richtige Kollektion. Am Anfang stand eigentlich, dass wir unsere eigenen Mitarbeiter einkleiden wollten und festgestellt haben, dass es keine Arbeitshosen gab, die unseren Kriterien entsprechen, die also in der Nähe produziert und recyclebar sind. Wir haben also ganz von vorne angefangen und einen Stoff entwickelt. Nicht aus Baumwolle, weil deren Herstellung zu viel Wasser verbraucht, sondern aus Flachs und Hanf. Daraus haben wir zunächst die ersten Basics genäht, es sollen aber weitere Teile dazukommen.

Welche Schwierigkeiten bringt die Entwicklung von kompostierbarer Kleidung mit sich?
Die grössten Probleme haben uns die Details bereitet. Es war schwer genug, zunächst eine geeignete Faser und dann einen Produzenten zu finden, der nicht nur ein legeres Sommerhemd, sondern eine stabile Arbeitshose aus Leinen fertigen kann. Aber die wirkliche Herausforderung war die Konsequenz – das komplette Kleidungsstück soll ja biologisch abbaubar sein. Beim ersten Kompostierversuch mit einer Hose lag zum Schluss nur noch der Polyesterfaden da. Darum haben wir ein kompostierbares Nähgarn gewählt. Dieses wiederum sollte dann ja auch die gleiche Farbe haben wie der Stoff und musste auch stabil genug sein – das war gar nicht so einfach. Auch auf den Hosenknopf sind wir stolz. Es fühlt sich komisch an, eine Hose auf den Kompost zu werfen mit einem Stück Metall daran. Also haben wir einen Knopf entwickelt, den man abschrauben kann. Der überlebt die Hose und vielleicht sogar den Träger...

Das ist jetzt eher in einem langfristigen Kreislauf gedacht... Sie betonen ja auch immer wieder, dass sich Freitag-Taschen nicht zum Verkauf nach Saison eignen. Wie lang soll denn der Zyklus einer Freitag-Hose sein?
Wir sind mit unseren Kleidungsstücken jetzt sicher mehr dem Zeitgeist ausgesetzt als mit einem Accessoire. Es ist ja eigentlich erstaunlich, dass wir seit 20 Jahren allein die Freitag-Taschen im Programm haben, auch wenn wir mittlerweile zwischen 80 Schnittmustern variieren. Es wird spannend, jetzt einen Schritt näher am modischen Impuls zu arbeiten. Allerdings sind unsere Styles so basic, dass wir nicht saisonal reagieren müssen. Wir setzen auch auf eigene Farben. Es ist also eher der Stil von Freitag, den unsere Kleidungsstücke verkörpern und weniger der aktuellen Trend aus Paris.

Mit den Freitag-Taschen haben Sie vor 21 Jahren ein ganz neues Produkt am Markt etabliert. Jetzt ist es umkehrt: Die Hersteller von Outdoor-Kleidung geraten langsam an ihre Grenzen, der Trend zu Bio-Kleidung boomt seit Jahren. Haben Sie eine Chance gegen die grossen Anbieter?
Nein. Und vielleicht Ja. (lacht) Für ein grosses Unternehmen ist es schwierig, sich auf ökologisch produzierte Kleidung umzustellen. Zum einen, weil die Herstellungskette komplex ist, das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Und wenn ich einen Teil meiner Kollektion nachhaltig produzieren lasse, riskiere ich, den übrigen Teil als problematisch zu deklarieren. Darum sehe ich schon eine Chance für eine Marke, die von Beginn an nachhaltig produziert hat. Klar, wir starten als kleiner Player. Wir sagen nicht: Jetzt macht Freitag Mode. Wir haben diese Entwicklung gewagt, weil wir eine Hose für uns wollten. Der Worst-Case in unserem Szenario ist, dass wir genug Rollen Stoff haben, um für unsere Mitarbeiter auf Jahre Hosen zu nähen. Wir haben also nicht viel zu verlieren. Wenn wir ein Kundenbedürfnis ansprechen, sehe ich aber durchaus Entwicklungsmöglichkeiten.

Das klingt jetzt sehr entspannt. Nachdem es 20 Jahre lang nur aufwärts ging, musste Freitag in diesem Jahr aber auch erstmals sechs Mitarbeiter entlassen. Wie hoch ist der Druck, ein neues Standbein aufzubauen?
Das stimmt, aber die Fallhöhe war bei uns auch hoch. Diese Entwicklung wurde bei uns wohl mit grosser Aufmerksamkeit wahrgenommen, weil wir vorher über Jahre zweistellig gewachsen sind und jetzt erstmals in einer Phase der Konsolidierung stecken. Wir waren in gewisser Hinsicht verwöhnt, weil wir die typischen Zyklen von Auf- und Abschwung meist durch Expansion abfedern konnten. Seither sind wir aber wieder mit einem guten einstelligen Wachstum unterwegs.

Aber ist es Zeit für eine Neuorientierung?
Es geht nicht darum, schnell viele neue Hosen zu verkaufen, weil die Taschen nicht mehr drehen. Das ist nicht der Fall. Aber klar, wenn die neuen Produkte auch wieder neue Aufmerksamkeit auf die Taschen lenken, ist das gut. Wir haben durch die Wahl der LKW-Plane für unsere Taschen seit 20 Jahren die Limitierung im Material gespürt. Dieses bietet ein grosses Spielfeld, das längst nicht ausgeschöpft ist. Wir haben noch Ideen für Taschen, die wir unbedingt machen wollen. Aber jetzt für einmal selber die Möglichkeit zu haben, genauer zu bestimmen, welches Material wir haben wollen – in welcher Qualität, in welchen Farben – das ist schön. Wir gewinnen damit an Selbstbestimmtheit und es bietet sich die Möglichkeit, die Marke Freitag mit etwas Neuem zu assoziieren. Ausserdem: Die von uns entwickelten Fasern haben meiner Meinung nach auch Berechtigung im Accessoire-Bereich. Wir haben jetzt testweise schon mal wieder einen Rucksack genäht.

*Daniel Freitag hat gemeinsam mit seinem Bruder Markus 1993 das gleichnamige Taschenlabel gegründet. Die Recyclingtaschen erlangten Kultstatus, das Unternehmen unterhält eigene Stores in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Japan.

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