Der starke Franken gefährdet den Schweizer Werkplatz: «Eine schockartige Aufwertung um 20 Prozent, die nicht schnell korrigiert wird, bedeutet für viele Unternehmen den Todesstoss», sagt der Präsident des Swiss Venture Clubs (SVC), Unternehmer und CS-Banker Hans-Ulrich Müller* im Interview mit der «Bilanz». Man können nicht von einem Stahlbad für die Industrie reden. «Hier besteht die Gefahr, dass der Produktionsstandort im Bad ertrinkt.»

SNB in der Pflicht

Am liebsten hätte Müller, dass die Nationalbank einen neuen Mindestkurs einführt. Falls das aber keine Option sei, «dann bleibt nicht viel anderes übrig, als dass die Nationalbank weiter am Devisenmarkt interveniert». Da der Franken überwertet sei, erhalte die SNB die Fremdwährungen zurzeit zu einem Discountpreis. Natürlich trage die Nationalbank damit auch ein Fremdwährungsrisiko. «Doch das Risiko einer Abwertung dieses Investments stufe ich als kleiner ein als die hohen Folgekosten, die wir tragen müssen, wenn wir den Wirtschaftsstandort deindustrialisieren.»

Es sei an der Zeit, alle Optionen abzuwägen, den Königsweg müsse letztlich die Nationalbank finden. Deshalb hat Müller jetzt für den 8. Februar 2016 ein Gespräch mit SNB-Präsident Thomas Jordan und dessen Doktorvater Ernst Baltensperger organisiert, zu dem auch die SVC-Firmenmitglieder eingeladen sind.

*Hans-Ulrich Müller (65) stammt aus einer Hotelierfamilie in Belp und hat bei der Credit Suisse Karriere gemacht. Im Herzen blieb der Banker auch immer Unternehmer: So gründete er unter anderem 1993 aus der  konkursiten Firma Fritz Leibundgut in Sumiswald die FL Metalltechnik, 1999 rettete er mit anderen Investoren die Mopac in Wasen, und 2010 übernahm er die Karton Deisswil AG, die er unter dem Namen Bernapark zu einem Wohn-, Gewerbe- und Freizeitkomplex ausbaut. Müller, seit über 30 Jahren SVP-Mitglied, hat zudem den KMU-Verein Swiss Venture Club gegründet, der rund 2700 Firmen- und Privatmitglieder zählt.

 

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