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Frankenschock 
Wie der starke Franken Sägewerke zum Umdenken zwang

Sägewerk
Holzarbeit: Die meisten der 280 Sägewerke in der Schweiz haben unter dem starken Franken gelitten.Quelle: Keystone

Der Frankenschock war für die meisten Schweizer Sägewerke ein Albtraum. Um zu überleben, spezialisieren sich einige. So etwa die Firma Burgat in St-Aubin NE.

Veröffentlicht am 05.01.2018

Die weltweite Holznachfrage, insbesondere im Bausektor, steigt. Die meisten der 280 Sägewerke in der Schweiz haben dennoch gelitten - unter dem starken Schweizer Franken. Um zu überleben, spezialisieren sich einige, so etwa die Firma Burgat in St-Aubin NE. Mit einheimischem Holz erkundet das Werk neue Märkte ausserhalb der Exportwirtschaft.

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Wenn man die Autobahn bei St-Aubin im Kanton Neuenburg verlässt, sticht einem sofort ein Stapel von Holzstämmen und -Brettern ins Auge. Wer genauer hinschaut, entdeckt eine 400'000 Franken teure Maschine: ein Schneidewagen, der die Stämme auf die richtige Länge zerlegt. Laubhölzer (Buche, Eiche, Esche) werden auf 2 bis 5 Meter zugeschnitten und Nadelhölzer (hauptsächlich Fichte) auf 4 bis 5 Meter.

Sägewerk Burgat
Ein Arbeiter schneidet einen Baumstamm mit einer automatischen Säge auf die richtige Länge.
Quelle: Keystone

«Der Frankenschock führte zu einem neuen Tiefpunkt»

Das Sägewerk, eines der zwei grössten im Jurabogen, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Familie Burgat besitzt es seit den 1930er Jahren, aber bereits im 13. Jahrhundert sägte man dort Holz mit der Wasserkraft des Bachs Pontet.

Diese Geschichte kam beinahe zu einem Ende als die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 den Euro-Mindestkurs aufhob. «Die Schweizer Holzwirtschaft war bereits zuvor in einer äusserst prekären Lage», sagt Direktor Bertrand Burgat. «Der Frankenschock führte zu einem neuen Tiefpunkt.»

Bertrand Burgat
Direktor Bertrand Burgat: «Der Frankenschock führte zu einem neuen Tiefpunkt.»
Quelle: Keystone

Kosten in Franken und die Einnahmen in Euro

Das Problem: Das Sägewerk beschafft sich für seine Produktion nur einheimisches Holz aus einem Umkreis von 40 Kilometern, exportiert aber um die 70 Prozent seiner Güter. Es liefert hauptsächlich nach Italien, aber auch nach Deutschland und Frankreich - indirekt über seine Zulieferer auch nach Indien und China. Damit entstehen die Kosten in Franken und die Einnahmen in Euro.

«Unsere Abnehmer im Ausland sind die Möbelindustrie, der Innenausbau und Fabriken für diverse Holzartikel. Manchmal kommen diese Holzprodukte mit dem Label 'Schweizer Holz' zurück in die Schweiz, um hier verkauft zu werden, nachdem sie in Ländern mit tieferen Arbeitskosten bearbeitet worden sind», sagt Burgat.

Der Verkauf im Inland mit einem Anteil von 30 Prozent geht an Handwerker wie Zimmerleute oder Landschaftsgärtner, auch an die SBB für Eisenbahnschwellen. Zudem ist das Baugewerbe ein wichtiger Abnehmer.

8000 bis 10'000 Bäume pro Jahr

Das Unternehmen produziert seit 2016 rund 10'000 Kubikmeter Holz und verarbeitet dafür 8000 bis 10'000 Bäume pro Jahr. Damit erwirtschaftet das Sägewerk einen Umsatz von rund 3 Millionen Franken. 2014, im Jahr vor dem Frankenschock, hatte der Umsatz noch 8 Millionen Franken betragen - mit damals 14 im Vergleich zu derzeit 9 bis 10 Mitarbeitern.

Eine Maschine transportiert Holz auf einer Lastschiene.

«Wir mussten restrukturieren und einen grossen Teil unseres Kerngeschäfts, den Kauf und Verkauf von Baumstämmen, einstellen», erklärt der Unternehmenschef. «Seit diesem Sommer weht mit dem Wiedererstarken des Euro ein frischer Wind», sagt Burgat.

Beteiligung am Grossheizkraftwerk

Dies ermöglicht der Firma, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde St-Aubin und dem Stromversorger Viteos, in ihre Infrastruktur zu investieren und sich zu diversifizieren. So beteiligt sich das Unternehmen an der Errichtung eines neuen Grossheizkraftwerks.

Das Kraftwerk wird ab dem Frühjahr 2018 das gesamte Dorf mit Biomasse-Fernwärme beheizen. «Wir verwerten das gesamte Holz, da wir auch die Rinde und das Sägemehl verwenden, um Biomasse zu gewinnen», erklärt Burgat.

Sägewerk Burgat
Rinde, Sägespäne und Baumkuchen werden verwendet, um Biomasse herzustellen.
Quelle: Keystone

Ein Marketing-Argument

Der Sägerei-Chef freut sich, dass Konsumenten und Behörden immer öfter Schweizer Holz für ihre Bauvorhaben fordern. Einige Unternehmen machen dies zu einem Marketing-Argument, so etwa die Uhrenmarke Audemars Piguet, die ein Museum und ein Hotel nur mit Holz aus dem Vallée de Joux (VD) baut.

«Die Nachfrage nach Holzbauten wird in Europa in den kommenden Jahren exponentiell steigen», zeigt sich Burgat überzeugt. Einige Architekten wollten sogar Hochhäuser komplett aus Holz bauen. Dann werde es an Fichten mangeln, weil nicht mehr Bäume gefällt würden, um die Nachfrage zu befriedigen, sagt er.

Eine Lösung wäre die Verwendung von verleimtem Buchenholz. Die Kosten sind jedoch drei- bis viermal höher als die von Fichtenholz. «Im Moment ist Buche nicht wettbewerbsfähig, aber die Dinge können sich sehr schnell entwickeln», glaubt er.

Luftgetrocknetes Holz braucht Zeit

Das Lager von 3500 Kubikmetern an Brettern am Ende des Sägewerks ist beeindruckend. «Wir sägen die Mehrheit der Bäume, ohne zu wissen, wer die Käufer sein werden, auch wenn wir eine Reihe von Stammkunden haben», sagt Burgat. «Auf jeden Fall muss das Holz zwischen sechs Monate und einem Jahr lang trocknen, damit es verkauft werden kann.»

Einige Harthölzer wie Eiche müssen sogar in einem Ofen getrocknet werden, da die Luftfeuchtigkeit für luftgetrocknetes Holz für den Innenbereich zu hoch ist.

Bretter soweit das Auge reicht: Das Lager umfasst 3500 Kubikmeter.

(sda/ccr)