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Firmengründungen: Lockruf der Städte

Im Jahr 2005 wurden in der Schweiz 2,2 Prozent weniger Unternehmen gegründet als im Vorjahr.

Von Harald Fritschi
17.01.2006

Den Schweizer Firmengründern fällt offensichtlich nichts Neues ein. Wie schon 2004 hoben sie auch im letzten Jahr am liebsten Bars, Imbissbuden und Wellnesstempel in den Bergen aus der Taufe. Zukunftsindustrien wie IT, Mikroelektronik, Bio- oder Medizinaltechnologie belegen im neuen Gründungsindex von Teledata wieder nur die hinteren Plätze.

Insgesamt wurden im letzten Jahr 33 741 Firmen neu im Handelsregister eingetragen, 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. An der Spitze stand das Gastrogewerbe mit 2392 neuen Betrieben, gefolgt von den Unternehmens- und PR-Beratungen mit 2044. Erst an dritter Stelle folgt die Softwareberatung und -entwicklung – deutlich abgeschlagen mit 1226 neuen Eintragungen. Keinen Boden wettgemacht hat auch das Handwerk. Die Elektroinstallateure sind mit 256 Neugründungen gleich platziert wie vor Jahresfrist – Rang 25, zwei Plätze vor den Malern.

Unter den Kantonen schwingt einmal mehr Zug obenauf. Über die letzten zwölf Monate hat Zug gegenüber dem gewichteten Schweizer Mittel fast 34 Prozent gewonnen. Gegenüber dem Vorjahr beträgt das Plus jedoch nur ein halbes Prozent. Schlechter abgeschnitten als 2004 hat der Kanton Zürich, der seinen dritten Platz (hinter Zug und Schwyz) an St. Gallen abgeben musste.

Allgemein lässt sich feststellen: Sieger sind nicht nur die bekannten Steuerparadiese. Bei den Firmengründungen geht der Trend hin zu den grossen Agglomerationen. Die Nordwestschweiz (BL, BS, JU), das Dreieck Zürich–Zug–Schwyz, die Ostschweiz um St. Gallen und der Stadtkanton Genf haben sich gut entwickelt. Verlierer im Kampf um neue Firmen sind die Landkantone wie Glarus, Graubünden, Solothurn oder Uri sowie Bern, das Zentrum des Espace Mittelland. Gegenüber dem Schweizer Mittel haben sie zwischen 15 und 45 Prozent verloren.

Der Vergleich mit den Vorjahreszahlen zeigt kein wesentlich anderes Bild (siehe Tabelle). Uri ist mit 26 Prozent weniger Neugründungen der absolute Verlierer, während Obwalden schon im Vorfeld zur Abstimmung über das degressive Steuersystem vermehrt Firmen anzog und um 11,5 Prozent zulegte. Eine gute Performance zeigten auch die Kantone Luzern, Neuenburg, Wallis und Tessin. Unter den Ortschaften zogen wie erwartet die grossen Städte wie Zürich, Genf, Basel, Lugano, Lausanne, Bern und St. Gallen am meisten Firmen an, zwischen die sich indessen die Minigemeinden Zug auf Platz 3 und Baar auf den 9. Rang schoben – noch vor Winterthur, Luzern und Freiburg.

Unter den zehn am grössten kapitalisierten Firmen wurden je drei in Zürich und Zug gegründet, zwei in Genf und je eine in Schaffhausen und Solothurn – Letztgenanntes betrifft die Gründung der Solothurner Spitäler AG. Bei der Rangordnung nach Rechtsform hat sich ebenfalls nichts geändert: Die Einzelfirmen rangieren vor den GmbH und den AG. An 31 Neugründungen waren Parlamentarier beteiligt, darunter Caspar Baader (SVP), Peter Weigelt (FDP), Bruno Zuppiger (CVP) und Jean-Noël Rey (SP). In eine Neugründung war gar ein Ex-Bundesrat involviert: Adolf Ogi half der Stiftung Schweizer Berghilfe in Adliswil ZH beim Geburtsakt.

Neue Firmen: Zug und Schwyz vorne, Bern abgeschlagen: Grafik als PDF herunterladen (PDF 57 kb)

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