1. Home
  2. Unternehmen
  3. Fiat-Erben: Der Kampf ums Erbe

 
Fiat-Erben: Der Kampf ums Erbe

Der Agnelli-Clan
Der Agnelli-Clan

Die italienische Industriellenfamilie Agnelli ist durch einen Erbstreit gespalten. Jetzt haben sich auch die ­Steuer­fahnder eingeschaltet. Schlachtfeld ist die Schweiz.

Von Erik Nolmans
2009-09-24

Ihr Bruder hat sich selbst zerstört. Im ­Pyjama stürzte sich der 46-jährige Edoardo Agnelli von einer Autobahnbrücke in der Nähe Turins.

Margherita Agnelli de Pahlen geht einen anderen Weg. Das zweite Kind des 2003 verstorbenen Fiat-Patriarchen Gianni Agnelli hat beschlossen zu kämpfen – sie richtet Zerstörung um sich herum an.

Seit die 53-jährige Tochter vor zwei Jahren mit einer Klage gegen die drei engsten Consiglieri (Vertraute) ihres Vaters einen Erbschaftsstreit entfacht hat, ist Feuer im Dach des mächtigsten Industriellenclans Italiens. Dies auch deswegen, weil sie sich nicht davor scheute, ihre eigene Mutter, die hochgeachtete Agnelli-Witwe Marella (82), in die Klage einzubeziehen. Sie fühlt sich hintergangen und über wichtige Fakten im Unklaren gelassen. «Es geht hier nicht um einen Disput», sagt Margherita Agnelli de Pahlen gegenüber BILANZ. Es gehe ihr um Transparenz: «Ich habe einfach Fragen gestellt, auf die ich bis heute keine Antwort bekommen habe.»

Nun hat der Fall einen neuen Tiefpunkt erreicht: Margherita Agnelli de Pahlen und ihre Mutter Marella müssen vor Ende September bei den italienischen Steuerbehörden antraben, wie italienische Medien berichten. Dokumente über ­undurchsichtige Auslandunternehmen des Patriarchen, die im Rahmen des auch medial ausgetragenen Familien­zwists ihren Weg in die Presse fanden, haben die Steuerfahnder hellhörig gemacht. Nun wollen sie genauer wissen, wie es denn um das Vermögen des langjährigen Fiat-Obmanns steht und die Vermutungen, es sei auch Geld schwarz ins Trockene geschafft worden.

In den italienischen Medien kursieren Gerüchte, das Gesamtvermögen des Patriarchen rangiere zwischen zwei und fünf Milliarden Euro. Gefunden wurde der «versteckte Schatz» allerdings nicht. Offiziell ausgewiesen wurden nach seinem Tod Vermögenswerte von 1 bis 1,5 Milliarden Euro.

Mit der Offensive der Steuerbehörden verschiebt sich das Schlachtfeld in die Schweiz. Erstens werden die versteckten Gelder des Gianni Agnelli vor allem in der Schweiz und in Liechtenstein vermutet. Zweitens haben die beiden Protagonistinnen ihren Wohn- und Steuersitz in der Schweiz. Marella, Spross einer neapolitanischen Adelsfamilie und ehemaliges ­«Vogue»-Model, wohnt in St.  Moritz. Margherita wohnt mit ihrem zweiten Ehemann, dem französisch-russischen Adligen Serge de Pahlen, in Allaman am Genfersee.

Der Ursprung des Disputs liegt sechs Jahre zurück. Im Frühjahr 2003, wenige Wochen nachdem Gianni Agnelli an Prostatakrebs gestorben ist, erhält Margherita, nach dem Freitod ihres Bruders im Jahr 2000 das einzige lebende Kind des Patriarchen, einen Anruf vom Familienanwalt Franzo Grande Stevens. Der damals 75-jährige Jurist ist damit betraut, das Testament zu vollziehen. Er bittet Margherita zu einem Treffen in einem Notariat. Geladen sind auch ihre Mutter Marella sowie Gianluigi Gabetti, als langjährige rechte Hand von Gianni Agnelli mit dem Firmenkonstrukt der Familie vertraut.

Eine Kernrolle sollte aber auch ein anderer spielen: Sohn John. Der heute 33-Jährige ist Margheritas ältestes Kind, Spross ihrer ersten Ehe mit dem Schriftsteller Alain Elkann. Aus dieser Ehe hat Margherita noch zwei weitere Kinder: Lapo Elkann (32), Lebemann und Modemacher, sowie Tochter Ginevra (30), die als Filmemacherin in London lebt. Aus zweiter Ehe, mit de Pahlen, hat Margherita fünf weitere Kinder: Maria (26), Pietro (23), die Zwillinge Anna und Sofia (20) sowie Tatiana (18).

Von den acht Kindern steht John im Zentrum. Grund: Er ist der von Gianni Agnelli persönlich erwählte Nachfolger. Das hat der Avvocato genannte Patriarch noch zu seinen Lebzeiten vorgespurt.

1997 war es, als sein zum Clan-Chef bestimmter Neffe Giovanni Agnelli 33-jährig an Magenkrebs starb. Unmittelbar nach dessen Tod fokussierte sich Gianni auf einen neuen Nachfolger – seinen Enkel John. Er begann in den Medien von den Qualitäten des Ingenieurstudenten zu schwärmen und über­gab dem damals 21-Jährigen auch einen Teil der Macht: Er übertrug ihm 25 Prozent der Aktien der Privatholding Dicembre, des obersten Vehikels im verschachtelten Firmenimperium, mit dem sich die Familie die Macht bei Fiat sichert.

Beim Tod von Gianni Agnelli 2003 gehen dessen 75 Prozent zu gleichen Teilen an die Witwe Marella und die Tochter Margherita. Am Meeting im Notariat geschieht das, was Familieninsider bis heute als den eigentlichen Ausgangspunkt des Konflikts sehen: Marella überträgt ihren Anteil ­direkt ihrem Enkel John. So vollzieht sie den ausdrücklichen Willen ihres verstorbenen Gatten. Damit hat John ­62,5 Prozent an Dicembre – und das Sagen über das Familienimperium. Die Macht im Clan springt also über Margherita hinweg direkt eine Generation weiter. Die Möglichkeit für sie selber oder für die restlichen ihrer Kinder, an der Macht zu partizipieren, wird untergraben.

Margherita beugt sich später der Macht des Faktischen und verkauft ihre Anteile an ihre Mutter, die auch diese Aktien zum grossen Teil an John weitergibt. Sie erhält dafür 109 Millionen Euro.

In Machtfragen übergangen worden ist einige Jahre zuvor auch Margheritas Bruder Edoardo. Als Gianni den eigenen Sohn desavouierte, indem er den Enkel als Nachfolger auswählte, versank der sensible Edoardo in Tristesse. Geplagt von Selbstzweifeln und – wie vermutet wird – Heroinsucht, suchte er im Jahr 2000 wie erwähnt den Freitod. Für Margherita, die sehr an ihrem Bruder gehangen haben soll, ein Schock.

So glamourös der Agnelli-Clan gegen aussen wirkte, so viel Kälte muss im Innern oft geherrscht haben. Um dies zu veranschaulichen, wird oft eine Aussage der Grosstante von Margherita zitiert: «Ich pinkelte ins Bett, wenn ich Wärme wollte.» Es gibt noch eine andere, oft erwähnte Episode. Diejenige, als Margherita sich als Jugendliche den Schädel rasierte. Der Kommentar des Vaters: «Wenn du glaubst, mich dadurch zu beeindrucken, irrst du dich.»

Gianni Agnelli, der Playboy, der sich mit Filmschauspielerinnen wie ­Fellinis «La Dolce Vita»-Blondine Anita Ekberg und Präsidentengattinnen wie Jacqueline Kennedy umgab, war im engsten Umfeld mit Gefühlen sparsam. Einer seiner Sprüche lautete: «Liebe ist etwas für Dienst­mädchen.»

Doch etwas kann man ihm zugutehalten: für seine Tochter vorgesorgt zu haben. Margherita erbte zwar nicht die Macht, aber Geld und Sachwerte in grossen Mengen. Nicht nur die 109 Millionen für ihre Dicembre-Aktien, sondern auch Gelder von den Bankkonten ihres Vaters, umfangreiche Liegenschaften und eine Kunstsammlung, deren Wert die Experten auf über eine halbe Milliarde Euro schätzen. Das Gesamterbe für Margherita betrug 1,166 Milliarden Euro, schenkt man einem Schreiben ihrer Anwälte Glauben, die mit dem Argument, für sie diese Summe gesichert zu haben, wohl ihr eigenes Anwaltshonorar in zweistelliger Millionenhöhe begründen wollten. Veröffentlicht wurde das Schreiben im Rahmen eines ebenfalls öffentlich ausgetragenen Hickhacks zwischen den Rechtsbeiständen von Margherita, das inzwischen bereits die dritte Staffel von Anwälten beschäftigt.

Margherita packen bald Zweifel. Sie vermutet weitere Vermögenswerte ihres Vaters, versteckt in undurchsichtigen Firmen, welche die Consiglieri vor ihr verborgen halten. Bald beginnt sie, die Vertrauten ihres Vaters mit Briefen zu bombardieren, und verlangt eine komplette Liste aller Werte.

Mehrere Episoden begründen ihre Zweifel. Da sind die 109 Millionen Euro für den Verkauf ihrer Dicembre-Aktien, Geld, das ihr von einer Filiale der US-Bank Morgan Stanley in Zürich überwiesen wurde. Doch von wem? Der Auftraggeber wolle nicht genannt werden, soll die Bank ihre Anfrage beantwortet haben.

Im Weiteren gibt es eine liechtensteinische Stiftung namens Alkyone. Diese Stiftung, in der – verpackt in mehreren Trusts auf ausländischen Offshore-Plätzen wie den British Virgin Islands – rund 570 Millionen Euro gebündelt sind, sei in der ursprünglichen Aufstellung mit Vermögenswerten nicht genannt worden.

Hier unterscheiden sich allerdings die Positionen. Laut dem Umfeld der Beteilig­ten war die Stiftung Teil der Abmachung im Nachgang zur Testamentseröffnung.

Bald nimmt der Konflikt persönliche Züge an, Margherita schiesst sich vor allem auf den engsten Vertrauten ihres Vaters, Gianluigi Gabetti, ein. Ab 1971 ­leitete Gabetti die Familienholding der Agnellis und war damit die Drehscheibe der Macht. Margherita fühlt sich von ihm im Zuge der Eröffnung des Testaments respektlos behandelt und macht ihm in einem Schreiben vom Februar 2003 happige Vorwürfe: «Dottore Gabetti hat sich erlaubt zu beleidigen, was mir das heiligste Gefühl ist: die Liebe für meinen Vater.» Er antwortet wenig später, da liege offenbar ein Missverständnis vor, und drückt sein Bedauern aus. Das Verhältnis bleibt aber gespannt: Bis heute haben die beiden kein Wort mehr miteinander gewechselt.

Der Konflikt betrifft aber nicht nur die Consiglieri. Das Misstrauen von Margherita dehnt sich in jenen Monaten des Jahres 2003 auch auf ihre Mutter Marella aus. Es ist beiden Seiten aber ein Anliegen, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen, und so finden die Kontrahentinnen Anfang 2004 zum Friedensschluss. In einer Vereinbarung vom 18.  Februar 2004 zwischen Marella und Margherita heisst es: «Madame X (gemeint ist Marella Caracciolo Agnelli, Red.) verpflichtet sich, ihr Leben lang nichts zu unternehmen, was Madame Y (Margherita Agnelli de Pahlen, Red.) beim Hinschied von Madame X daran hindern könnte, die freie Disposition über alle Güter zu erhalten» (siehe Auszug aus dem Schreiben oben). Weiter wird im Schreiben erwähnt, dass Margherita eine von ihr und der Mutter unterschriebene Liste aller Güter erhalten solle.

Am 2.  März 2004 unterzeichnet Mar­gherita eine abschliessend gültige Vereinbarung. Damit scheint die Sache im allseitigen Einverständnis gelöst. Bestätigt wird der Friedensschluss in einer Notiz vom September 2004, in der Margherita über ihren Anwalt folgende Deklaration verschickt: «Wir haben eine für die Interessen der Familie und aller meiner Kinder gleichwertige Lösung gefunden, welche den Willen meines Vaters respektiert. Die Familie ist vereint.» Der Wunsch nach Eintracht ist verständlich: Es ist der Tag der Hochzeit ihres Sohnes John mit der jungen Lavinia Borromeo.

Doch der Frieden dauert nicht lange. Trotz der von ihr unterschriebenen Vereinbarung stellt Margherita weiter Forderungen und verlangt mehr Informationen zum Erbgang. Ihr gehe es nicht um Geld, hat sie wiederholt betont, sie wolle die Fakten.

2007 reicht sie in Turin Klage ein gegen Franzo Grande Stevens, Gianluigi Gabetti und einen dritten Vertrauten ihres Vaters, den Schweizer Siegfried Maron (56). Der Finanzexperte amtete als Investmentchef der Luxemburger Holding der Familie und betreute unter anderem Agnellis Investitionen in den USA und den Offshore-Destinationen. Er ist heute nicht mehr für die Gruppe tätig und residiert mit seiner Beratungsfirma in Rapperswil am Zürichsee. Margherita klagt also gegen jene drei Männer, die von Gianni bei der Stiftung Alkyone in Liechtenstein als Protektoren eingesetzt wurden.

Mit der Klage macht sich Margherita im Clan endgültig zur Persona non grata. Ihre beiden Söhne John und Lapo wenden sich öffentlich von ihr ab, und die vier Schwestern von Gianni Agnelli setzen einen Brief an Margherita auf, in dem sie die «Attacke gegen deine Mutter und jene Individuen, die deines Vaters komplettes Vertrauen genossen», verurteilen. «Wir wollen dich wissen lassen, dass niemand von uns deine Position teilt», heisst es im Schreiben unmissverständlich.

Mit dem Gang vor Gericht hat Mar­gherita Agnelli de Pahlen den Clan in ein schlechtes Licht gerückt. Doch damit nicht genug: Dokumente über Alkyone finden den Weg in die Medien. Im Juni legte die De-Pahlen-Seite nochmals einen drauf, indem Vermutungen von einem «versteckten Schatz» der Agnellis im Ausland erwähnt wurden. Das hat einen unangenehmen Nebeneffekt: Die italienischen Steuerbehörden werden auf die Sache aufmerksam und beschliessen, Untersuchungen in Sachen Agnelli aufzunehmen. Die Sache passt gut in die «Sommeroffensive» gegen Steuersünder, die der italienische Staat gerade angekündigt hat. «Es war wie eine Aufforderung zum Tanz», lässt sich Attilio Befera, Chef der italienischen Steuerbehörde Agenzia delle Entrate, zitieren.

Nicht nur die Namen der ausländischen Trusts und Konten werden in den Medien genannt, sondern auch die Höhe der dort schlummernden Gelder. So wird offenbar auch ein Agnelli-Konto bei der Credit Suisse mit neun Millionen Euro gefunden. Die CS will mit Hinweis auf das Bankkundengeheimnis keine Stellung dazu nehmen. Die neun Millionen bei der CS sind ein kleiner Betrag, verglichen mit den 570 Millionen, die bei der Liechtensteiner Stiftung Alkyone gebündelt sind. Untergebracht ist Alkyone bei der First Advisory Group an der Äulestrasse 74 in Vaduz. Diese Firma wiederum residiert bei der Prokurations-Anstalt, der Firma des bekannten Liechtensteiner Treuhänders Herbert Batliner.

Der heute 80-jährige Steueranwalt gilt als einer der Stammväter der im Ländle weit verbreiteten Familienstiftungen, mit denen reiche Ausländer ihr Vermögen elegant vor dem Fiskus verstecken können. Batliner hat sich weitgehend zurückgezogen und seine Anteile an der First Advisory Group verkauft, unter anderem an seine Tochter, die heute als Vorstandsmitglied von First Advisory wirkt. Auf die Frage nach der Rolle von Alkyone für die Agnelli-Familie gibt sich die Firma bedeckt: «Die First Advisory Group ist wie jeder Treuhänder grundsätzlich zur absoluten Vertraulichkeit verpflichtet», lässt ein Sprecher ausrichten.

Ob die italienischen Behörden bei ­Alkyone einen Ansatzpunkt finden können, ist allerdings fraglich. Denn aus den Statuten geht hervor, dass die primär berechtigte Person der Stiftung nicht Gianni, sondern Marella ist. Im Gegensatz zu Gianni, der stets in Italien steuerpflichtig war, hat Marella seit 1970 Wohnsitz in

Obwohl die italienische Justiz sich selber für grundsätzlich zuständig erklärt hat, bleibt fraglich, inwieweit der Zugriff auf Gianni Agnellis Auslandbesitztümer über den Umweg Marella möglich ist.

Für die Schweizer Steuerbeamten ergeben sich ebenfalls kaum Ansatzpunkte. Laut Auskunft der Bündner Steuerbehörden ist ­neben dem Wohnsitz des Erblassers der «Ort der gelegenen Sache» bei der Versteuerung ausschlaggebend. Das heisst, dass nur bei Immobilien in Graubünden ein Ansatzpunkt bestehen könnte, bei ­beweglichen Vermögen wie Geldern in Trusts aber nicht.

Ohnehin werden nach Angaben von Kennern aus dem innersten Kreis der Familie sowohl Marella in St.  Moritz als auch Margherita in Allaman pauschal besteuert, also nach dem Aufwand für ihren Lebenswandel. Ein noch so riesiger Vermögenszuwachs wäre damit steuerlich gesehen irrelevant. Pauschalbesteuerung wird in der Schweiz oft angewandt, um Ausländer, die hier nicht arbeiten, zu besteuern. Die Schweizer Steuerbehörden geben mit Hinweis auf das Steuergeheimnis keine Auskunft zu einzelnen Pauschalabkommen.

Die italienischen Steuerbehörden sind aber offenbar willens, an den Agnellis ein Exempel zu statuieren, und lassen nicht locker. Die Agenzia delle Entrate hat sowohl Marella als auch Margherita vorgeladen. Steuerchef Befera heizt die Stimmung mit markigen Sprüchen noch an: Klar sei, dass die Agnellis nicht in die Gunst einer möglichen Steueramnestie kommen würden. Italien erhofft sich Nach- und Strafsteuern in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro.
Auch politisch wird der Konflikt ausgeschlachtet. So benutzen jene Medien, die dem italienischen Premier Silvio Berlusconi nahe stehen, den Fall, um von den ­aktuellen Sexskandalen des Regierungschefs abzulenken. Wer denn der wahre Sünder sei, fragt «Il Giornale» von Berlusconis Bruder Paolo: einer wie Berlusconi, der «Mädchen an den Po greift, die gerne an den Po gegriffen werden», oder einer wie Agnelli, der «das eigene Volk bestiehlt»?

Margherita steht nach Jahren des Kampfes vor einem Trümmerfeld. Das Image des geliebten Vaters wurde im Nachgang ihrer Klage stärker beschädigt, als dies alle Skandale zu seinen Lebzeiten je zu tun vermochten. Die Beziehung zu ihren engsten Verwandten wie ihrer Mutter und den beiden ältesten Söhnen ist zerstört – zur Taufe ihres im August 2006 geborenen Enkels Leone, des kleinen Sohnes von John Elkann, wurde sie nicht einmal eingeladen. Die fünf Kinder aus der zweiten Ehe, für deren finanzielle Gleichbehandlung sie sich stets stark gemacht hat, unterliegen nun dem Risiko, dass ihr eigenes Erbe geschmälert wird, falls Margherita Strafsteuern zahlen muss.

Für Margherita besonders bitter: Auch den Prozess gegen die Consiglieri wird sie höchstwahrscheinlich verlieren. Das Gericht in Turin hat keinen ihrer Anklagepunkte gutgeheissen. Das zeigt ein von der zuständigen Richterin Brunella Rosso unterzeichnetes Schreiben. Die schriftliche Urteilsbegründung erfolgt im November. Margherita kann Berufung ein­legen oder den Zwist ad acta legen. Familieninsider gehen davon aus, dass sie nicht aufgibt. Denn in etwas sei die Tochter dem verstorbenen Vater doch sehr ähnlich: in der Hartnäckigkeit.

Anzeige