Mit gerade einmal 17 Punkten aus 18 Spielen stand der FC Zürich am Ende der Meisterschaftsvorrunde auf dem vorletzten Tabellenrang. Noch drängender war die Finanzlage. «Der fehlende sportliche Erfolg hat zu einem markanten Einnahmenrückgang geführt», sagte Präsident Ancillo Canepa im Dezember (BILANZ 23/2012). Eine Kapitalerhöhung sollte Abhilfe schaffen. Canepa: «Es wird im Geschäftsjahr 2012 kein Defizit geben.» Er irrte sich.

Der sportliche Erfolg ist zwar zurück, doch die von Canepa und seiner Frau Heliane investierten Millionen sind vorerst in Rauch aufgegangen. BILANZ-Recherchen zeigen: Der FC ­Zürich hat 2012 einen Betriebsverlust von neun Millionen Franken geschrieben. Unter dem Strich bleibt der Betriebsgesellschaft des FCZ ein Gesamtverlust von 1,1 Millionen Franken – gegenüber einem Plus von rund 140 000 Franken im Vorjahr, wie Canepa bestätigt.

Es hängt wohl wieder an seiner Frau Heliane. Sie gilt als heimliche Geld­geberin des Clubs und ist Beisitzerin im FCZ-Verwaltungsrat. Die Kettenraucherin war gefeierte Chefin des Implantateherstellers Nobel Biocare, bevor sie ­unvermittelt aus dem Amt entfernt wurde. Heute wirkt die Investorin als Verwaltungsrätin beim Hörgerätehersteller ­Sonova, bei der Zahnarztkette Swiss Smile – und seit Anfang Mai ist sie bei der Spitex zur Mühle in Uster aktiv.

Das Ehepaar Canepa dürfte mittlerweile über zehn Millionen in den Club gesteckt haben. 2012 war es wie in den Vorjahren. Präsident Canepa: «Der Verlust resultierte nach Abschreibungen auf den aktivierten Spielern.» Beim FCZ ausgebildete Spieler wie Josip Drmic oder Oliver Buff dürften aus «rechnungslegungstechnischen» Gründen nicht aktiviert werden.

Auch die Aktionäre sollen zur finanziellen Erstarkung beitragen. Im Frühling ging der Club seine Geldgeber wegen einer Kapitalerhöhung an – der dritten in eineinhalb Jahren. Sie brachte 1,7 Millionen Franken ein. Die nächste folgt sogleich. Canepa: «An der Generalversammlung vom 24. Juni wird der Verwaltungsrat den Aktionären eine genehmigte Kapitalerhöhung von 2,7 Millionen Franken vorschlagen.»

Das Powercouple will nicht bloss Frischgeld einschiesssen, sondern auch sparen. Auf Ende Saison erhielten die Mitarbeiter des FCZ-TV die Kündigung, der Leiter Marketing und die Verkaufs­chefin sollen von sich aus gekündigt haben. Ancillo Canepa, ehemals Kadermitglied bei den Prüfern von Ernst & Young, beendet auch die Zusammenarbeit mit der früheren Konkurrenz KPMG. Der FCZ-Prüfer wird durch die Prüffirma Rödl & Partner ersetzt. «Die Mandats­rotation soll auch beim FCZ Anwendung finden», sagt der Chef. 

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