Ausgerechnet Zinshändler musste er werden: Giacomo Draghi, Sohn von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Während Draghi senior erst vor kurzem mithalf, die Griechen in die Knie zu zwingen, ist Draghi junior bei der US-Investmentbank Morgan Stanley im London-Office angestellt.

Als Zinshändler muss er dort abschätzen, in welche Richtung sich die Zinssätze entwickeln, damit er zur richtigen Zeit kauft und verkauft. Er muss also mitunter abschätzen, ob sein ­Vater die Leitzinsen in Europa senkt oder hebt.

Erstaunlich zuverlässige Vorhersagen

Es ist zwar nicht bekannt, wie nahe sich Vater und Sohn stehen, aber es mutet familiär an, wenn die Bank Morgan Stanley in den vergangenen Jahren jeweils die Zinsänderungen der EZB sehr gut prognostizieren konnte, wie der britische «Telegraph» und auch das deutsche «Handelsblatt» schon berichteten. Mit exakten Prognosen und Zinsderivaten können Investmentbanken Milliarden verdienen.

Für die EZB ist trotzdem klar, dass aus dem Beruf von Draghi junior kein Interessenkonflikt abgeleitet werden könne. Tatsächlich kann wie folgt argumentiert werden: Nur weil der Vater Präsident der EZB ist, kann dem Sohn doch nicht für bestimmte Jobs ein Berufsverbot erteilt werden. Auf der anderen Seite: Man stelle sich vor, ­Mirka Federer wäre Schiedsrichterin im Wimbledon-Finale, an dem ihr Mann Roger Federer auf Novak Djokovic trifft.

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