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Air-Berlin-Pleite 
Experte: «Niemand blockiert Ryanair und EasyJet»

Air Berlin: Auch das Vielfliegerprogramm der Airline ist insolvent. Keystone

Zur Zukunft von Air Berlin sind noch viele Fragen offen. Wie sich die Insolvenz auf die Ticketpreise auswirkt, erklärt der Luftfahrtberater Thomas Jaeger.

Von Dirk Ruschmann
22.08.2017

Herr Jaeger, ist das Aus von Air Berlin gut oder schlecht?
Thomas Jaeger*: Für die Branche ist es gut, weil ein wettbewerbsverzerrendes Element 
vom Markt verschwindet. Air Berlin wurde von Etihad mit recht kreativen Finanzierungsmethoden am Leben erhalten und hätte unabhängig nicht bestehen können.

Wirkt es sich auf die Ticketpreise aus?
Da muss man drei Bereiche unterscheiden: den Langstreckenmarkt, die Warmwasserziele vor allem am Mittelmeer und die Städteverbindungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Langstrecke und Ferienziele?
Über dem Atlantik werden keine Preise steigen. Allenfalls werden Richtung Mittelmeer kurzfristig bestimmte Strecken nicht bedient.

Und zwischen den Städten?
Das hängt davon ab, wie viele Flugzeuge und Landerechte an Flug­häfen, sogenannte Slots, die Lufthansa übernehmen will und darf. Wenn hier keine Wettbewerber ­antreten, entstünde auf vielen ­Strecken ein Lufthansa-Monopol.

Wie bitte? Was ist zu erwarten?
Schauen Sie die Strecke Zürich–Wien an: Seit Air Berlin hier nicht mehr fliegt, bieten nur noch Swiss und Austrian Flüge an. Die Preise sind massiv gestiegen. Richtung Warschau fliegt neben Swiss nur die polnische LOT, nach Luxemburg ist die Swiss allein.

Was heisst das preislich?
Natürlich wird es auch auf diesen Strecken einige günstige Tickets geben. Aber die Durchschnittspreise sind sicher deutlich höher als auf ­anderen, wo Swiss gegen Lowcoster kämpft.

Warum wirft sich kein Lowcoster auf solche Strecken?
In Zürich und Wien zum Beispiel hat kein Lowcoster Flugzeuge stationiert. Dann macht es wenig Sinn, diese Strecke anzubieten.

Was also passiert nun mit der Zerteilung von Air Berlin?
Lufthansa kauft ja nicht Air Berlin, sondern allenfalls Niki. Ihr liegt vor allem an den Flugzeugen und Slots. Und niemand hält EasyJet oder Ryanair davon ab, selber mit den Flugzeugeigentümern, vor allem Leasingfirmen, zu verhandeln, Niki zu kaufen oder sich um bisherige Air-Berlin-Slots zu bewerben.

Wird Fliegen grundsätzlich weiterhin billiger?
Ja. Und zwar so lange, bis es in Europa zu einer massiven Konsolidierung kommt. Davon sind wir noch weit entfernt. 

 

 

*Thomas Jaeger (34) ist 
CEO der Luftfahrtberatung 
CH-Aviation in Chur. Sie wurde 1998 gegründet und arbeitet stark datenbasiert.

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