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Rückzug 
Euroairport Basel: Swiss räumt das Feld

Euroairport Basel: Swiss will ab Ende Mai 2015 nicht mehr von und nach Basel fliegen.  Keystone

Ende Mai 2015 will die Fluggesellschaft Swiss ihren Flugbetrieb auf dem Euroairport Basel einstellen. Der Wegzug hatte sich schon seit einiger Zeit angekündigt.

Veröffentlicht 08.12.2014

Die Swiss räumt das Feld in Basel per Ende Mai 2015. Die Lufthansa-Tochter hat die Einstellung des Flugbetriebs in Basel bereits im Sommer angekündigt und nun einen Termin gesetzt. Ob die Konzernschwester Eurowings in Basel den Kampf gegen Platzhirsch Easyjet aufnimmt, ist aber noch unklar.

Der Entscheid erfolge unabhängig von einer allfälligen Eurowings-Basis in Basel, teilte die Swiss am Montag mit. Aufgrund des veränderten Marktumfelds und schwierigen politischen Rahmenbedingungen bestünden keine Perspektiven, damit eine Qualitätsfluglinie wie die Swiss in Basel profitabel wirtschaften könne, hiess es im Communiqué.

Basel habe sich zu einem Low Cost Carrier Markt entwickelt, also zu einem von Billigfluglinien dominierten Flughafen. Klarer Marktführer ist Easyjet mit einem Marktanteil von 54 Prozent im Jahr 2013. Die Swiss kam noch auf einen Marktanteil von 4 bis 5 Prozent. Schwarze Zahlen schrieb Swiss nach eigenen Angaben nie mit dem Flugbetrieb in Basel.

Verschärft worden sei die Situation durch die ungeklärte Rechtslage bezüglich französischer Besteuerung und durch die angekündigten zusätzlichen Gebühren für den sich auf französischem Grund befindlichen Euroairport Basel-Mülhausen, fügte die Fluggesellschaft hinzu.

24 Mitarbeiter betroffen

Von der Einstellung sind insgesamt 24 Stellen aus der Wartung der Flugzeuge und der Station betroffen. Diese Mitarbeiter können laut der Swiss weiterbeschäftigt werden. Die 20 Mitarbeitenden der Flugzeugwartung werden vermutlich in Zürich weiterbeschäftigt, wie es auf Anfrage hiess. Für die 4 Mitarbeiter der Station am Swiss-Standort Basel werde individuell eine Lösung gesucht.

Auf das Fliegende Personal habe der Rückzug keine Auswirkungen, da in Basel keine Crew stationiert sei und die beiden Flugzeuge nach Zürich überführt und dort für den Ausbau des Streckennetzes eingesetzt würden, schreibt die Swiss. Auch die rund 300 Mitarbeitenden am Firmensitz in Basel, der auf die frühere Crossair zurückgeht, sind laut der Mitteilung nicht betroffen.

Gewerkschaft kritisiert Entscheid

Die Gewerkschaft Swiss Transport Workers Union (SEV-GATA) kritisierte den Stilllegungsentscheid: Es sei moralisch und wirtschaftlich äusserst fragwürdig, Arbeitsstellen von Fachspezialisten in Basel aufzuheben und Fakten zu schaffen, bevor der Konzernentscheid zu Eurowings gefallen sei, liess sich SEV-GATA-Präsident Philipp Hadorn zitieren.

Die Fluggesellschaft habe in den vergangenen Jahren «ein äusserst ungeschicktes Händchen» mit der Strategie in Basel gezeigt. So sei die Auslagerung von über 300 Technikern an die neu gegründete Lufthansa-Technik-Tochter LTSW ab 2008 kläglich gescheitert. Die LTSW stellte die Aktivitäten in Basel 2013 ein. Insgesamt verloren mehrere hundert Mitarbeiter seit der Auslagerung ihre Stelle.

Interpellation zur Rolle der Swiss-Luftfahrtstiftung

Die Gewerkschaft warf zudem die Frage auf, welche Rolle die Swiss-Luftfahrtstiftung in den aktuellen Ereignissen gespielt hat. Die Stiftung war 2005 infolge der Übernahme der Schweizer Airline durch den deutschen Lufthansa-Konzern gegründet worden.

Ihr Zweck ist es, die Integration in den Konzern zu begleiten und sich in beratender Funktion für eine Berücksichtigung der Schweizer Interessen einzusetzen. Im kommenden Jahr wird sie nach den 10 vorgesehenen Jahren aufgelöst. Hadorn kündigte an, in seiner Funktion als Nationalrat mit einer Interpellation die Rolle und den Leistungsausweis der Swiss-Luftfahrtstiftung erfahren zu wollen.

Die Reaktion der Betroffenen auf den Schliessungsentscheid will SEV-GATA an einer Betriebsversammlung in der kommenden Woche einholen und über Widerstand und Forderungen diskutieren.

(sda/ccr)

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