BILANZ: Larry Ellison, Sie stecken rund 200 Millionen Dollar in Ihre Segelmannschaft. Wie wichtig ist es für Sie, den America’s Cup zu gewinnen?

Larry Ellison: Das Leben ist kurz, und ich glaube, man muss es nutzen. Deswegen lebe ich sehr intensiv. Das Wichtigste in meinem Leben ist die Familie. Dann folgen das Unternehmen, meine medizinische Stiftung und schliesslich meine verschiedenen sportlichen Aktivitäten. Segeln steht dabei ganz oben. Ich habe Segeln immer geliebt. Und der America’s Cup ist das Grösste, was es im Segelsport gibt!

Welches Preisgeld haben Sie Ihrer Crew versprochen, falls sie den Cup gewinnt?

Ich habe niemandem ein Preisgeld versprochen. Professionelle Athleten sind enorm stolz auf das, was sie tun. Als wir heute in die Rennen gegangen sind, hat niemand an das Geld gedacht – es ging nur um den Sieg. Bei uns sticht niemand in See, der nicht um jeden Preis gewinnen will.

Vom olympischen Motto «Teilnehmen ist wichtiger als gewinnen» halten Sie gar nichts?

Es gibt sicher Leute, die es aufregend finden, an Olympischen Spielen einfach nur teilzunehmen. Aber wenn du der weltbeste Sprinter bist, dann wird von dir erwartet, dass du den 100-Meter-Lauf gewinnst.

Was haben Sie empfunden, nachdem Sie 2003 gegen Ernesto Bertarelli mit 1:5 unterlegen und damit aus dem America’s Cup ausgeschieden waren?

Es war vernichtend! Ich habe es überhaupt nicht gemocht. Wir haben viele Fehler gemacht, unsere Gegner von der «Alinghi» dagegen nur wenige. Sie sind besser gesegelt und haben sich den Sieg verdient. Aber später, nach dem America’s Cup, haben wir sie mehrmals schlagen können.

Nur hat Ihnen das nichts mehr genützt. Ist es dasselbe, im Sport und im Business zu verlieren?

Nein, überhaupt nicht. Sport ist so anders als Business. Business ist wie ein Marathon, der niemals zu Ende geht: Man kann immer wieder aufholen. Wenn man aber im Sport verliert, ist es aus und vorbei. Du hast verloren, geh nach Hause! Schauen Sie sich die Gesichter von Sportprofis an, wenn sie verloren haben – sie sind am Boden zerstört. Es ist wie ein Schock. Die Niederlage im Sport ist von vollständiger, vernichtender Endgültigkeit.

Was haben Sie von Bertarelli gelernt?

Ich habe gelernt, dass es grossartig war, einfach das ganze Team New Zealand abzuwerben und auf die «Alinghi» zu verfrachten. Ernesto hat das gut gemacht. Er hat den Leuten ein simples Angebot gemacht: Wollt ihr mehr Geld verdienen? Sie haben Ja gesagt. Und sie haben ihm den Gefallen erwidert und für Ernesto den Cup gewonnen. Was ist daran schlecht?

Ist dies das ganze Erfolgsgeheimnis?

Gäbe es ein anderes, sollte ich es wissen. Es geht nur darum, die richtigen Leute zu bekommen: im Sport, in der Politik, in jedem Business, das ich kenne. Aber ich kritisiere Bertarelli nicht. Er war sehr innovativ. Ich selber habe nicht daran gedacht, eine komplette Segelmannschaft irgendwo abzuwerben.

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