In den Führungsetagen der Schweizer Unternehmen wird man angesichts der Frankenstärke immer pessimistischer. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte hat festgestellt, dass bei vielen Grosskonzernen eine höhere Bereitschaft besteht, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.

«Die grösseren Gesellschaften verlagern ins Ausland», sagt Deloitte-Finanzexperte Rolf Schönauer. Wenn der Ertrag in Dollar oder in Euro anfalle, die Kosten aber in Franken anfielen, würde dies bei grossen, internationalen Firmen zu einer Veränderung von Standorten führen.

«Eine Forschungsabteilung in Indien liefert die gleichen Resultate wie eine in der Schweiz, kostet aber viel weniger», so Schönauer.

Verstärkt werde das Problem noch, dass es in der Schweiz ohnehin seit längerem schwierig sei, Arbeitskräfte zu finden. Auf der anderen Seite sind laut Deloitte aber auch Zukäufe im Ausland ein «heisses Thema» für finanzkräftige Schweizer Konzerne.

Schuldenkrise für 88 Prozent ernsthaftes Problem

Von 73 Finanzchefs von grossen Unternehmen aller Branchen stellt die europäische Schuldenkrise für 88 Prozent ein ernstzunehmendes Problem dar, für 45 gar ein grosses Risiko, wie die neuste Deloitte-CFO-Umfrage zeigt. Die Stärke des Frankens und eine schwächere Auslandsnachfrage ist für eine wachsende Zahl der Zahlenverantwortlichen ein finanzielles Risiko für die Unternehmen.

Nach dem ersten Quartal waren 81 Prozent der Befragten für die Konjunkturentwicklung positiv gestimmt, nach dem zweiten nur noch 58 Prozent. «Bis zu diesem Quartal war die Schweiz immer das Land mit den optimistischsten Ergebnissen», sagte Michael Grampp, Leiter Research.

Dies sei eine Trendwende, sagte der Volkswirtschaftsexperte. Bis vor kurzem habe sich kaum jemand einen Euro-Frankenkurs bei 1.15 vorstellen können. «Es fängt an zu schmerzen», sagte Grampp.

Starke Nachfrage kompensiert Frankenstärke zum Teil

Andererseits habe eine starke Nachfrage, vor allem nach Spezialprodukten der Schweizer Hersteller, die Frankenstärke vor allem bei grossen Unternehmen bisher gut kompensiert oder überkompensiert. Die Kunden seien bereit, für sehr gute Produkte auch mehr zu bezahlen.

Bei den Rezepten gegen die Krise sind sich viele Finanzchefs einig: 60 Prozent sind für eine Umschuldung der leidenden Euroländer wie Griechenland, was für die Gläubiger auch ein Teilverzicht bedeutet.

54 Prozent sind für stärkere Sparbemühungen oder die Erhöhung der Steuereinnahmen in den betroffenen Staaten. 19 Prozent würden den Staatsbankrott zulassen. Weitere Hilfen für die Problemstaaten finden aber nur wenige der Manager noch eine gute Lösung.

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