Kuoni ist hierzulande jedem Kind ein Begriff - ganz im Gegensatz zu EQT, der künftigen Besitzerin des Reisekonzerns. Da EQT aber am Montag den Angebotsprospekt vorgelegt hat und der Verkauf von Kuoni damit konkret wird, lohnt sich ein genauerer Blick auf das Unternehmen.

EQT ist eine Beteiligungsgesellschaft. Sie verdient also Geld, indem sie sich an Unternehmen beteiligt, diese weiterentwickelt und schliesslich wieder verkauft. Das ist auch der Plan bei Kuoni.

Dabei scheint die Devise nicht nur sparen zu sein: Im Durchschnitt hat die Mitarbeiterzahl bei Unternehmen aus dem EQT-Portfolio pro Jahr um 11 Prozent zugenommen. Der Umsatz wuchs derweil um 8 Prozent und der Ertrag um 11 Prozent, wie aus Unterlagen von EQT hervorgeht.

Kuoni-Sparten könnten aufgesplittet werden

Der Reiseanbieter könnte dereinst weiter aufgesplittet werden. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft hält sich diese Option offen. Mit dem Verkauf geht ausserdem der Verwaltungsrat von Bord - inklusive Präsident Heinz Karrer.

Bekannt wurde Kuoni mit der Organisation und dem Vertrieb von Reisen für Privatpersonen. Seit das Unternehmen dieses Kerngeschäft im letzten Jahr verkauft hat, besteht es noch aus drei Teilen: Es bearbeitet Visa-Anträge, betreibt einen Engros-Verkauf von Hotelübernachtungen und verkauft Gruppenreisen.

«Exit-Optionen» nach fünf Jahren

Künftig könnte einer dieser drei Geschäftsbereiche abgespaltet werden, wie aus dem am Montag veröffentlichten Angebotsprospekt hervorgeht. Zwar hat sich Käuferin EQT verpflichtet, die drei Teile mindestens fünf Jahre lang zu halten. Danach gibt es aber sogenannte «Exit-Optionen».

Konkret bedeutet das, dass ab dann einer der drei Geschäftsbereiche verkauft oder an die Börse gebracht werden könnte. Will EQT dies bereits nach fünf Jahren tun, muss sie allerdings eine Prämie bezahlen. Ohne Prämie besteht die Exit-Option erst nach sieben Jahren.

Perle im Portfolio

Die Perle im Kuoni-Portfolio ist das Visa-Geschäft VFS. Diese Sparte konnte ihr Ergebnis im letzten Jahr erneut deutlich steigern, wie die provisorischen Zahlen im Angebotsprospekt zeigen. Auch der Engros-Verkauf von Hotelübernachtungen legte zu. Ein rückläufiges Ergebnis legte allerdings das Gruppenreisen-Geschäft GTS vor. Dieser Geschäftsbereich wird derzeit - wie bereits angekündigt - verschlankt.

EQT will die drei Geschäftsbereiche künftig getrennt voneinander führen und sie mit Investitionen und Zukäufen stärken, um sie als führende Anbieter in ihrem jeweiligen Markt zu positionieren.

Karrer verliert wichtigstes Mandat

Zur Weiterentwicklung einer Firma setzt EQT auf Branchen-Knowhow. Externe Industrielle werden ausgewählt und im Verwaltungsrat eingesetzt. So tritt auch bei Kuoni der gesamte bisherige Verwaltungsrat, inklusive Präsident Heinz Karrer, zurück und wird durch drei von EQT bestimmte Personen ersetzt. Der Economiesuisse-Präsident verliert damit sein wichtigstes Verwaltungsratsmandat.

Wer neu in den Verwaltungsrat einziehen soll, ist noch nicht bekannt. Im Angebotsprospekt ist von «drei von der Anbieterin bestimmten Personen» die Rede. Wer das ist, soll mit der Einladung zur ausserordentlichen Generalversammlung bekanntgegeben werden.

Reichste und einflussreichste schwedische Familiendynastie

Die Wurzeln von EQT liegen bei den Wallenbergs, der reichsten und einflussreichsten schwedischen Familiendynastie. Auch heute noch ist AB Investor, die Beteiligungsgesellschaft der Wallenberg-Familie, Hauptinvestor bei EQT.

In der Schweiz ist EQT zwar bisher nicht im grossen Stil aufgetreten, ist aber als Investor auch nicht völlig unbekannt: Beteiligt ist sie unter anderem an der Zahnarztpraxiskette Swiss Smile sowie am Sportinformationsservice Sportradar.

(sda/ccr)

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