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Fusion 
Entsteht jetzt Europas Mammut-Börse?

Will mit London zum grössten Börsenbetreiber Europas werden: Deutsche Börse. Keystone

Um im weltweiten Wettbewerb der Handelsplätze mitzuhalten, wollen die Börsen in Frankfurt und London fusionieren. Es ist nicht der erste Fusionsversuch der beiden Börsenbetreiber.

Veröffentlicht 24.02.2016

Die Deutsche Börse will sich mit der Londoner Börse zum unangefochtenen europäischen Branchen-Champion zusammenschliessen. Die beiden Marktbetreiber machten am Dienstag überraschend konkrete Gespräche über eine Fusion bekannt. Offiziell soll es sich um einen Zusammenschluss auf Augenhöhe handeln. Allerdings sollen die Aktionäre der Deutschen Börse künftig mit 54,4 Prozent am neuen Gemeinschaftsunternehmen die Mehrheit halten. Auf die Anteilseigner der London Stock Exchange (LSE) sollen die übrigen 45,6 Prozent entfallen.

Beide Seiten sehen nach eigenen Angaben in dem möglichen Zusammenschluss «eine überzeugende Möglichkeit», sich gegenseitig zu stärken und einen führenden europäischen Anbieter für globale Marktinfrastruktur zu schaffen. Zusammen gebe es deutlich grössere Wachstumschancen und umfangreiche Kostenvorteile. Zudem würden die Unternehmen zusammen auch wieder der zuletzt enteilten Konkurrenz aus den USA und Hongkong aufschliessen.

Börse jubelt

Die Nachricht liess den Börsenkurs beider Unternehmen steil nach oben schiessen. Die Papiere der Deutschen Börse stiegen zwischenzeitlich um mehr als 8 Prozent und gingen schliesslich mit einem Plus von 3,2 Prozent aus dem Handel. Die Papiere der LSE legten zunächst um rund 20 Prozent und notierten zum Handelsschluss noch gut 14,5 Prozent höher als am Vortag. Zum Börsenschluss am Montag wurde die LSE mit gut 8 Milliarden Pfund (10,3 Milliarden Euro) bewertet, die Deutsche Börse kam auf einen Wert von knapp 15 Milliarden Euro. Zusammen wären die beiden Unternehmen nach Marktkapitalisierung die zweitgrösste Börse der Welt.

Die beiden Konzerne wollen eine gemeinsame Dachgesellschaft zu bilden. Wenn es zu einer Übereinkunft kommt, sollen die Anteilseigner der britischen und der deutschen Börse ihre Aktien gegen Anteile des neuen Gemeinschaftsunternehmens eintauschen. Ein gemeinsamer Aufsichtsrat soll zu gleichen Teilen aus Mitgliedern der Deutschen Börse und der LSE bestehen. Zudem soll das fusionierte Unternehmen nach Informationen des "Handelsblatts (Mittwoch) zwei Hauptsitzen in London und Eschborn bei Frankfurt behalten. Das solle den partnerschaftlichen Charakter unterstreichen. Nach britischen Fusionsregeln hat die Deutsche Börse nun genau einen Monat Zeit, ein offizielles Übernahmeangebot vorzulegen.

Aktienmärkte bleiben getrennt

Ihr Kerngeschäft wollen die Unternehmen unter den bisherigen Marken fortführen. Der Aktienhandel in Frankfurt soll also weiter unabhängig von dem in London laufen. Zur LSE gehört darüber hinaus auch noch die italienische Börse in Mailand.

Beide Konzerne ergänzen sich nach eigenen Angaben gut. So ist die LSE im Aktienhandel deutlich stärker als die Deutsche Börse, die dagegen vor allem mit ihrer Terminbörse Eurex punktet. Zudem ist die Deutsche Börse das grösste Abwicklungshaus für gelistete Derivate. Die LSE wiederum ist das globale führende Clearinghaus für Zinsswaps - also Wetten auf Zinsänderungen. Der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, hatte erst in der vergangenen Woche angekündigt, sein Haus künftig in allen Geschäftsfeldern an die Weltspitze führen zu wollen.

Mehrere vergebliche Versuche

Börsenbetreiber gelten als Profiteure der verschärften Regeln auf den Finanzmärkten seit der Finanzkrise. Handelsgeschäfte sollen seitdem verstärkt an öffentlich einsehbare Handelsplätze verlagert werden oder zumindest über neutrale Zwischenhändler laufen.

Die Deutsche Börse hatte sich in der Vergangenheit mehrfach vergeblich Grossübernahmen versucht. In den Jahren 2000 und 2005 scheiterten bereits Zusammenschlüsse mit der LSE. Vor vier Jahren platzte eine Fusion mit der New York Stock Exchange (NYSE). Europas oberste Wettbewerbshüter hatten im Februar 2012 den geplanten Zusammenschluss der Frankfurter mit der New Yorker Börse wegen kartellrechtlicher Bedenken untersagt. Die Deutsche Börse hatte sich seitdem anders orientiert und ihr Heil eher vor allem in kleineren Partnerschaften in Asien gesucht.

Neuer Schwung bei der Börse

International aber drehte sich das Fusionskarussell weiter. So übernahm die die US-Börse Intercontinental Exchange (ICE) Ende 2012 die New Yorker Börse Nyse. Im gleichen Jahr kaufte die Hongkonger Börse die Londoner Metallbörse. Die weltgrösste Terminbörse, die CME aus Chicago, wiederum soll vor Jahren auch schon bei der Deutschen Böse vorgefühlt haben, sich dabei aber ein deutliche Abfuhr eingehandelt haben.

Doch seitdem der neue Vorstandschef im Anfang Juni 2015 das Amt von Reto Francioni übernahm, schaltet die Börse wieder auf Angriff. Bereits im Sommer zog Kengeter zwei Übernahmen für insgesamt 1,3 Milliarden Euro durch.

(awp/ccr)

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