Frau Knecht, wie lässt sich die Faszination des Tesla-Gründers erklären?
Bea Knecht*: Menschen sind begeistert von ihm – das ist vergleichbar mit dem Kult um den verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs. Unter Musks Anhängern gibt es viele, die wissen was es bedeutet, ein Produkt zu bauen und es marktfähig zu machen. Musk ist Ingenieur und gleichzeitig sehr umsetzungsstark, und das reicht bis in die Design-Details hinein. Ich bewundere die Konsequenz, mit der Musk die Menschheit von fossilen Brennstoffen wegbringen will.

Der Hype um Musk und die neue Gigafactory ist riesig. Können Sie ein Beispiel seines Einflusses geben?
Zu Jahresbeginn war ich bei den Tech-Oscars in Kalifornien. Da wurde eine Reihe von Startups ausgezeichnet. Und für alle Teilnehmer des Events war klar: Elon Musk ist der Übervater der Szene, selbst wenn er gar nicht anwesend war. Viele wollen für seine Firmen arbeiten.

Seine Kritiker halten Musk vor, er sei immer wieder spät dran: Die Präsentation der Tesla-Modelle S und X musste jeweils mehrfach verschoben werden. Ein weiterer Vorwurf: Musk verschleudere Steuergelder.
Tesla und die Raumfahrtfirma Space-X erhalten tatsächlich grosse Subventionen vonseiten des Staates – doch an diese Quellen muss man erst einmal kommen. Da dürfte der Neid auch eine Rolle spielen. Man muss auch trennen zwischen den begeisterten Anhängern und den Aktienanalysten, die das Unternehmen regelmässig bewerten – ein Unternehmen, für das es keine Blaupause gibt.

Die Kapitalmarktexperten waren mit Blick auf Tesla zuletzt eher zurückhaltend.
Teslas Aktienbewertung ist abenteuerlich hoch. Die Wette geht wohl dann auf, wenn alles richtig läuft. Die Pläne sind ambitioniert: Ab Ende 2018 will Tesla aufs Jahr hochgerechnet eine halbe Million Autos verkaufen. Wenn Musk das hinbekommt, ist die heutige Börsenbewertung werthaltig.

Die neue Gigafactory soll schon bald alle Tesla-Autos mit Akkupacks versorgen.
Bis dahin ist es ein weiter Weg: Aktuell sind erst rund 17 Prozent des Produktionsgeländes fertig gestellt. Aber ich halte die geplanten Kosteneinsparungen von 30 Prozent, die mit der neuen Fabrik erzielt werden sollen, für sehr realistisch – möglicherweise ist da noch mehr möglich. Nebst Skaleneffekten durch die schiere Grösse wird Innovation bei der Herstellung zum Effizienzgewinn führen.

Wie schlägt sich das dann auf die Preise für die Käufer nieder?
Tesla hat schon angekündigt, dass es das neue Model 3 ab 35'000 Dollar geben wird – damit soll es etwa halb so viel kosten wie das Model S. Da müssen die Preise für die Batteriepacks deutlich sinken: Denn im Model S kosten sie heute rund 17'000 Dollar.

* Bea Knecht ist begeisterte Tesla-Fahrerin und verfolgt schon lange die Karriere von Elon Musk. Die Schweizerin weiss, wie man ein Produkt erfolgreich auf den Markt bringt: Die Internetpionierin hat 2005 den Web-TV-Dienst Zattoo gegründet, war bis 2012 CEO und seit 2009 Präsidentin.

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