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Sihliconcity 
Ein Hauch von Silicon Valley im Zürcher Shoppingcenter

Ein Hauch von Silicon Valley in Zürich
Sihlcity: Techfirmen aus Kalifornien haben sich eingerichtet. Keystone

Still und heimlich haben sich 
im Zürcher Shoppingcenter Sihlcity klingende Namen aus dem Silicon Valley angesiedelt - einschliesslich Tech-Riese Amazon. Ihre Pläne unterscheiden sich aber.

Von Philipp Albrecht
2016-11-01

Die Shopping-Kundschaft im Zürcher Einkaufstempel Sihlcity bekommt vom neuen Wind nichts mit. Er weht im vierten Stock in ehemaligen Büros der Hausherrin Credit Suisse. Dort haben sich in den letzten Monaten Amazon, GoPro, Salesforce und Informatica eingenistet.

Abgesehen vom Tech-Riesen Amazon aus Seattle, haben die neuen Sihlcity-Mieter ihre Wurzeln im Silicon Valley. Geräuschlos richteten sie sich in den Regus-Büros ein, um die Schweiz zu erkunden – wenn auch mit unterschiedlichen Zielen. Amazon-Chef Jeff Bezos will mit seiner Tochter AWS neue Kunden akquirieren, die ihre Serverkapazitäten in seine Hände legen. Und Salesforce-Chef Marc ­Benioff will den Schweizer Unternehmen seine Cloud-Lösungen schmackhaft machen. Dazu hat er in Zürich ein rund 30-köpfiges Verkaufsteam installiert.

Nähe zur ETH

Der Kamerahersteller GoPro und der Datensoftware-Anbieter Informatica wollen auf Anfrage ihre Zürcher Pläne nicht näher erläutern. GoPro hat es offensichtlich auf hoch spezialisiertes Fachpersonal aus dem Bereich Visual Navigation abgesehen. Dessen Brutstätte ist die renommierte ETH. Im September 2015 kaufte GoPro-Chef Nicholas Woodman das ETH-Spin-off Skybotix. Dessen Drohne fliegt dank smarter Kameratechnik von alleine und scannt dabei Räume ab. Nach dem Kauf soll der Personalbestand auf 20 Leute angestiegen sein.

Dass sich GoPro nicht dazu äussern will, hat mit dem grossen Konkurrenzdruck in dem vielversprechenden Bereich zu tun. Andere Silicon-Valley-Grös­sen forschen auf dem gleichen Gebiet. Wegen der ETH-Nähe haben offenbar auch Apple und Facebook dafür Zürcher Büros angemietet.

Ambivalente Reaktionen

Schweizer Digitalisierungs-Förderer reagieren ambivalent auf den neuen Wind aus den USA. Christian Wenger, Präsident von Digitalswitzerland, würde es viel lieber sehen, wenn sich die innovativen Start-ups in der Schweiz selber entwickelten: «Wenn Apple die Leute absaugt und nach Cupertino verfrachtet, bringt das dem Standort wenig.» ETH-Robotikprofessor Roland Siegwart freut sich über das grosse Interesse an seinen 
Studenten und setzt sich dafür ein, «dass die Arbeitsplätze in der Schweiz bleiben».

Die Sihlcity-Vermieterin Wincasa ist stolz über die neuen Mieter. Sie will nun die Bürofläche vergrössern – um Platz für noch mehr Tech-Firmen zu schaffen.

 

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