Ein Externer wird neuer Konzernchef bei Nestlé: Der Nahrungsmittelmulti beruft überraschend den bisherigen Chef des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius zum neuen Konzernlenker. Der 50-jährige Ulf Mark Schneider werde das CEO-Amt Anfang 2017 übernehmen, wie Nestlé am Montag mitteilte. Er folgt auf Paul Bulcke, der nach acht Jahren an der Spitze Ende 2016 zurücktritt und sich wie erwartet auf der Generalversammlung im kommenden Frühjahr zum neuen Verwaltungsratschef küren lassen will. Der bisherige VR-Präsident Peter Brabeck-Letmathe gibt alle seine VR-Funktionen ab.

Die Wahl von Schneider kommt überraschend. Viele Experten hatten darauf getippt, dass Nestlé in bewährter Manier einen internen Kandidaten wählt. Als Favoriten galten unter anderen Asien-Chefin Wan Ling Martello und Amerika-Chef Laurent Freixe. Doch der Verwaltungsrat entschied sich für einen konzernfremden Manager. «Das Board hat interne und externe Kandidaten geprüft und sich dann für Herrn Schneider entschieden», sagte ein Nestlé-Sprecher.

Strategie wird nicht geändert

An der Strategie des Nahrungsmittelriesens ändere sich damit nichts, erklärte die Firma. Unter dem neuen Chef will Nestle die beiden Gesundheitssparten Health Science und Skin Health vollständig integrieren und direkt an den neuen Konzernlenker anbinden. Dieser bekam von seinem künftigen Chef Bulcke bereits eine grosse Portion Vorschusslorbeeren: «Ulf Mark Schneider bringt eine ganze Reihe von erwiesenen und anerkannten beruflichen und persönlichen Fähigkeiten ein, die die erfahrene Führungsriege und die Kultur des Unternehmens ausgezeichnet ergänzen», sagte Bulcke. Schneider soll bereits Anfang September zu Nestlé stossen, um sich einzuarbeiten.

Das Schweizer Unternehmen, das in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, hatte das renditeträchtige Gesundheitsgeschäft bereits in den vergangenen Jahren schrittweise ausgebaut. Im Gegenzug hatte sich Nestlé von weniger gewinnträchtigen Sparten getrennt. Denn der Konzern steht nach einem Lebensmittelskandal in Indien und wegen des sinkenden Appetits vieler Konsumenten auf Fertigprodukte unter Druck: Für das laufende Jahr erwartet Nestlé ein stagnierendes organischen Wachstum von 4,2 Prozent. Es wäre das vierte Jahr in Folge, in dem der Konzern sein selbst gestecktes Wachstumsziel von fünf bis sechs Prozent verfehlt.

Seit 2003 an der Spitze von Fresenius

Schneider soll nun Abhilfe schaffen. Der 50-Jährige wird zudem zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Der deutsch-amerikanische Manager steht seit 2003 an der Spitze von Fresenius, studierte an der Universität St. Gallen und an der Harvard Business School. Während seiner Amtszeit hat sich der Umsatz des Konzerns in etwa vervierfacht. Am Sonntag hatte das deutsche Unternehmen angekündigt, Schneider verlasse Fresenius Ende Juni auf eigenen Wunsch. Bei dem DAX-Unternehmen übernimmt nun Finanzvorstand Stephan Sturm zum 1. Juli 2016 das Ruder.

Der 62-jährige Bulcke wurde im April 2008 zum Konzernchef ernannt. In der Mitteilung wird betont, dass es Bulcke während den acht Jahren an der Spitze des Unternehmens gelungen sei, eine die restliche Industrie übertreffende Entwicklung des Unternehmens zu erzielen.

«Abkühlungsphase» für Bulcke

Um sich auf seine zukünftige Rolle als aktiver, nicht exekutiver Verwaltungsratspräsident vorzubereiten und «eine minimale Abkühlungsphase zu respektieren», werde Paul Bulcke am 31. Dezember 2016 als CEO zurücktreten, heisst es in der Medienmitteilung weiter.

Im Gegensatz zum neuen Konzernchef Schneider waren seine Vorgänger, der Belgier Bulcke und auch Peter Brabeck-Letmathe, vor ihrer Ernennung altgediente Nestlé-Mitarbeiter. Bulcke war vor seiner Wahl Amerika-Chef von Nestlé. Mit seiner Ernennung ging damals eine Ära zu Ende, in der Brabeck in einer Doppelrolle als Verwaltungsratspräsident und CEO waltete.

Peter Brabeck-Letmathe, der 50 Jahre lang im Dienst von Nestlé stand, wird sich an der Generalversammlung vom 6. April 2017 nicht mehr als Verwaltungsratspräsident zur Wiederwahl stellen. Brabeck werde das vorgeschriebene Pensionsalter dann erreicht haben, schreibt Nestlé.

(reuters/sda/ccr)

Die wichtigsten Zahlen zu Nestlé im Jahr 2015:

 

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