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EFG Financial Products: Auf dem Rücksitz

Jan Schoch
Sitzt im Auto lieber hinten als am Steuer: Jan Schoch, Chef und Mitgründer von EFG Financial Products.

Der junge Bankmanager Jan Schoch suchte online nach einem Privatchauffeur und Butler – aber nur kurz.

Von Dirk Ruschmann
2011-08-23

Das Stelleninserat mit der Chiffre 18062011 war nur kurz online, dann verschwand es abrupt von der Internetseite Jobs.ch. «Profil für Privatchauffeur/Butler» war es betitelt, verlangt waren unter anderem folgende Tätigkeiten: «Sekretariatsaufgaben, diverse Besorgungen, Einkäufe, täglicher Chauffeurservice von und nach Appenzell und Zürich» sowie «umfassende Unterstützung des Arbeitgebers». Dieser war, trotz Chiffre, mit Namen und Adresse angegeben: Jan Schoch, wohnhaft in Appenzell, Mitgründer und CEO von EFG Financial Products. Die Firma verdient ihr Geld mit strukturierten Finanzprodukten.

Mit drei Partnern gründete Schoch, der Jahrgang 1977 hat, die Firma 2007 als Tochter der EFG-Gruppe. Die Gründer und weitere knapp 60 Mitarbeiter halten 43 Prozent der Anteile. Von anfangs 35 wuchs die Firma auf 220 Mitarbeiter.

Von Schoch kursiert in der Zürcher Finanzszene der Spruch, wonach er nicht aufhören wolle, bis er 100 Millionen Franken geschafft habe. Das, versichert eine Sprecherin, habe sich «natürlich» nicht auf sein Privatvermögen, sondern auf den Firmenumsatz bezogen. Hier seien 100 Millionen Franken für 2011 ­realistisch.

Nun braucht Jungdynamiker Schoch, der Ende 2010 von Wollerau SZ nach Appenzell gezügelt ist, fahrerische Unterstützung. Der Butler/Chauffeur soll «gepflegtes Aussehen und Ordnungsliebe» mitbringen sowie (auch unter Zeitdruck!) mit einer «sicheren und professionellen Fahrweise» gefallen. Weil Schoch im Auto telefonieren möchte, ist «absolute Diskretion» gefragt. Um diese sicherzustellen, hätte er auf «fliessend Deutsch» wohl besser verzichtet; es sind aber «alle Nationalitäten willkommen».

Schoch ist in den Ferien, legt aber Wert darauf, ausrichten zu lassen, dass der Butler von ihm privat bezahlt werde. Er wolle mehr Zeit für die Familie haben, und dank Chauffeurdienst könne er die Autofahrten zum Arbeiten nutzen. Aus­serdem sei ja nichts dabei – viele Chefs hätten einen Fahrer.

Offensichtlich war die Furcht vor einem Imageschaden aber doch zu gross: Seit geraumer Zeit ist das Inserat aus der Stellenbörse gelöscht, obwohl Schoch bisher noch keinen Kandidaten eingestellt hat. Inzwischen sei man damit aber «auf einem guten Weg». 

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