Die Situation scheint beängstigend. Im Luxussegment bricht die Nachfrage ein. Die Uhrenexporte sind Anfang 2009 auf den tiefsten Stand seit 29 Jahren gesunken. Die Folgen der Krise: Kurzarbeit und Entlassungen. Hinter vorgehaltener Hand tuschelt die in den letzten Jahren so erfolgsverwöhnte Branche bereits über mögliche Pleitekandidaten. Bis zu 5000 Stellen könnten der Krise zum Opfer fallen, schätzen Analysten.

So schmerzhaft das für die direkt Betroffenen auch sein mag: Langfristig wird die Schweizer Uhrenindustrie aus den Turbulenzen gestärkt hervorgehen. Nachdem sie sich nach der schweren Quarzkrise der siebziger Jahre wieder gefangen hatte, gedieh sie dank einem Versprechen: Qualität zu liefern, Tradition und höchstes uhrmacherisches Know-how. In den Jahren des Überschwangs aber drängten Marken auf den Markt, die von diesen Werten kaum etwas zu bieten hatten. Statt in Know-how investierte man in Marketing, statt immer bessere Technologie entwickelte man immer ausgeflipptere Ideen, um sich vom schnell wachsenden Kuchen ein paar Stücke abschneiden zu können. Diese Exzess­erscheinungen verschwinden nun. Der Verlust ist verkraftbar.

Die grossen, starken, traditionellen Uhrenhersteller wie Rolex, Patek Philippe, Richemont oder die Swatch Group aber lassen sich von der Krise nicht beirren. Sie stehen für die echte Schweizer Uhrenindustrie, glauben an ihre Werte, ziehen ihre Investitionen durch, fahren auch Forschung und Marketing nicht zurück, wie Patek-Chef Philippe Stern ausführt (Interview Seite 126). Damit stärken diese Firmen ihre Position. Aus der Krise werden sie als Gewinner hervorgehen – und mit ihnen all jene Uhrenhersteller, die sich an das ursprüngliche Versprechen erinnern.

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