«Der mächtigste Banker der Welt», titelte damals Bilanz. Doch auf Bewunderung – das ist eine Konstante in Ospels Karriere – folgten stets Buhrufe, wie unsere späteren Titelblätter zeigen.

Kurz nach der Fusion musste die Bank einen Milliardenverlust beim Hedge Fund LTCM verkünden, der Aktienkurs halbierte sich, die Schonzeit war vorbei. Auf dem Höhepunkt des Internetbooms zog der CS-Rivale Lukas Mühlemann beim Börsenwert an der UBS vorbei, und beim Swissair-Grounding wurde Ospel zum Buhmann der Nation, weil er hoch über den Wolken in einem Privatjet nach New York sass, als unten die Flotte stillgelegt wurde. Aber auch davon erholte er sich, und es folgten die Jahre, die so golden schienen: Zwischen 2003 und 2006 war das Tandem Peter Wuffli / Marcel Ospel das Traumpaar der Bankenwelt.

Doch der Keim des Unglücks wurde genau in diesen Jahren genährt: Zu sicher wähnte die Bank ihr Risikomanagement, zu unkontrolliert liess sie ihre Händler in New York gewähren, zu leichtfertig stürzte sie sich im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren in eine Aufholjagd. Jetzt ist der Basler Ziel einer beispiellosen öffentlichen Treibjagd, die seine Verdienste ausblendet. So viel steht fest: Für den Mann, der vor 43 Jahren in der längst nicht mehr existierenden Börsenbank Transvalor mit einem Monatslohn von 110 Franken begann und im letzten Jahr mit 26 Millionen Franken bestbezahlter europäischer Banklenker war, hat der Rückzug begonnen (siehe Seite 28).

Von einem anderen Schweizer Traditionsunternehmen dachte man eigentlich, dass es seine Krisen hinter sich hat. Doch der überraschende Rücktritt von ABB-Chef Fred Kindle führt den Industriekonzern in Gefilde zurück, die angesichts der drohenden Konjunkturverschlechterung wenig behaglich sind (siehe Seite 42). Hier haben sich offensichtlich zwei Kampfhähne ineinander
verbissen – zum Unwohl des Unternehmens und der Aktionäre. Nach dem Motto: Wer keine Probleme hat, schafft sich welche.

Dirk Schütz, Chefredaktor BILANZ

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