Genauso wie die mehr als 3000 Risikokontrolleure der UBS, viele von ihnen mit höchsten universitären Würden ausgestattet, das Debakel nicht kommen sahen, so haben auch die wenigsten der 13  000 Ökonomen allein in den USA die Systemkrise vorhergesehen.

Abhilfe schaffen kann am ehesten die langfristige Perspektive. Deshalb hat BILANZ ­einen der weltweit führenden Wirtschaftshistoriker befragt: den Engländer Harold James, der an der US-Eliteuniversität Princeton lehrt und dort lange mit dem US-Notenbankchef Ben Bernanke die Studenten über die Grosse Depression der dreissiger Jahre aufklärte. «Die Ökonomie als akademische Disziplin liegt im Argen», betont James. «Die Ökonomen glaubten, die Risiken würden sich so weitläufig verteilen, dass für das System kein Risiko bestehe. Nun ist klar, dass die Risiken so getarnt waren, dass wir heute nicht wissen, was noch kommt.» Seine historische Einordnung stimmt allerdings wenig optimistisch: «Möglich ist eine sehr lange, sehr tiefe Krise» (Seite 68).

Auch in der Frage der Managerbezahlung hat allgemeine Verwirrung um sich gegriffen. Wenn Ex-UBS-Chef Peter Wuffli freiwillig zwölf Millionen Franken zurückzahlt, ehrt ihn das (Seite 52). Allerdings: Hier geht es um einen Teilverzicht auf eine Abfindung, die er für ein Jahr bezogen hat, als er bereits aus der UBS ausgeschieden war. Andere abgefundene UBS-Manager wie der frühere Finanzchef Clive Standish oder Investment-Banking-Chef Huw Jenkins sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

Dass jetzt jedoch vielfach gefordert wird, die verantwortlichen UBS-Manager sollten die Boni von 2005 und 2006 zurückzahlen, ist wenig überzeugend. Niemand bestreitet ernsthaft, dass sich die Managersaläre in teilweise absurde Höhen geschraubt haben. Doch die Boni wurden in einem funktionierenden Rechtsstaat gezahlt – und das zu einem grossen Teil in Aktien, die bis zu 80 Prozent an Wert verloren haben. Zudem: Wenn die UBS von ihren Ex-Managern eine Rückzahlung fordert, müsste das Führungstandem Kurer/Rohner vorangehen. Es war selbst Nutzniesser dieser Boni.

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