Ängstlichkeit und Pessimismus dominieren in diesem Spätsommer 2008 die Debatten der Schweizer Wirtschaft. Die Grossbanken? In der grössten Krise ihres Bestehens. Die Konjunktur? Kurz vor dem Absturz. Das Bankgeheimnis? Im Würgegriff von Amerikanern und EU-Bürokraten.

Nun lassen sich für jede Schwarzmalerei valable Gründe finden. Dass die gebeutelte UBS Rekordsummen im amerikanischen Subprime-Sumpf verlor, ist in der Tat betrüblich. Dass die Konjunkturaussichten von den – lange viel zu positiv gestimmten – Prognos­tikern nach unten korrigiert werden, ist wahrlich wenig stimmungsfördernd. Und dass der Druck auf das Bankgeheimnis durch die Pressionen der US-Behörden und der Hochsteuerländer Deutschland und Frankreich eine neue Stufe erreicht hat, ist unbestritten.

Zu Pessimismus oder gar Ängstlichkeit besteht dennoch kein Grund, wie unser Schweiz-Spezial in dieser Ausgabe zeigt. Dass eine Bank ­einen 45-Milliarden-Krater überleben kann, zeigt ihre Überlebensfähigkeit – und die hat sie ihrem Vermögensverwaltungsgeschäft zu verdanken, das weltweit immer noch unangefochten die Nummer eins ist (Seite 34). Die Konjunktur mag sich abschwächen, doch eine Rezessionsgefahr wie in England und Deutschland besteht für die Schweizer Wirtschaft nicht. Dazu ist sie zu gut diversifiziert und international zu erfolgreich, wie auch die zahlreichen Weltmarktführer zeigen (Seite 58). Und schliesslich hat der ­Finanzplatz trotz Pressionen bewiesen, dass er weltweit weiterhin das führende Zentrum der Vermögensverwaltung ist – mit einem noch immer intakten Bankgeheimnis.

Die Schweiz mit ihrem Drang zum Unglücklichsein hat Sorgen, um die ihre Nachbarn sie beneiden. Wie sagt es doch der Franke-Chef Michael Pieper im BILANZ-­Gespräch (Seite 84)? «Als Schweizer vergessen wir zu schnell: Wir leben im Paradies.»

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Artikel.

Anzeige